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Aktion „Medien Zukunft Festival“ in Heidelberg soll Nachwuchs im Journalismus fördern / Austausch mit erfahrenen Reportern

Fragen, diskutieren, gestalten

In der Metropolregion Rhein-Neckar gibt es viele junge Menschen, die sich für den Beruf des Journalisten interessieren. Gleichzeitig wandelt sich die Branche, fordert viel neues Wissen. Deshalb hat der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) Baden-Württemberg für Interessierte das „Medien Zukunft Festival“ (MZF) initiiert. Geleitet wird das Projekt von Jannis Kuhlencord, der das Festival mit einem ehrenamtlichen Team organisiert. „Wir wollen Wissen vermitteln und einen Zugang zu Innovationen zu bieten“, erklärt der 24-jährige Eventmanager.

Deshalb richte sich das Festival generationsübergreifend genauso an Berufseinsteiger wie auch an erfahrene Journalisten, an Menschen aus der Kreativbranche oder dem Managementbereich, sagt Kuhlencord. Und somit an jeden, der sich dafür interessiert, wie sich journalistische Berufsfelder in der Zukunft verändern. Das gelte vor allem auch für Studenten, die sich vorstellen können, nach dem Abschluss ein Volontariat zu beginnen.

„Wir wollen Berufseinsteigern die Angst vor dem Journalistenjob nehmen, die sich durch die Digitalisierung verbreitet hat“, sagt Kuhlencord. Neben künstlichen Intelligenzen, die schon für die Berichterstattung der Sportergebnisse eingesetzt würden, sorgten auch die wenigen Festanstellungen für Unsicherheit bei den Nachwuchsjournalisten, so der Projektleiter. Deshalb biete das MZF etwa einen „Markt der Möglichkeiten“, auf dem die Teilnehmer von Medien- und Verlagshäusern, Kooperationspartnern des Festivals und großen Unternehmen alles rund um den Bereich der Kommunikation erfahren. Aber es wird themenspezifische Workshops geben. „Die Workshops etwa über Mobile Reporting oder Instagram werden von Referenten gehalten, die sich seit Jahren in der Zeitungs- und Onlineberichterstattung bewegen, aber auch von jungen Vorbildern wie Laura Himmelreich, der Chefredakteurin des Onlinemagazins Vice.

Volontariat unter der Lupe

Thematisch setzen sich die Workshops damit auseinander, wie die neuen, digitalen Möglichkeiten genutzt werden können“, erklärt Kuhlencord. Neben Seminaren, in denen Referenten den Teilnehmern multimediale Berichterstattung näherbringen, sei im restlichen Programm die aktive Teilnahme gefordert. In der Podiumsdiskussion „Fishbowl“, zu deutsch Fischglas, debattieren Medienmacher wie etwa „MM“-Chefredakteur Dirk Lübke über die Zukunft des Lokaljournalismus, wobei ein Platz in der Runde immer für Teilnehmer aus dem Publikum reserviert bleibt, falls diese neue Aspekte in die Diskussion bringen wollen. Auch in den „Barcamps“ werde diskutiert, dabei jedoch über Themen, die die Teilnehmer selbst bestimmen können – eine Wundertüte, die sich am 13. Oktober öffnen wird.

In einer weiteren Debatte stellen Volontärsbetreuer von Lokal- und Regionalmedien ihre Ausbildung vor und diskutieren anschließend über die Zukunft des Volontariats und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Bewerbung. „Uns war es generell wichtig, dass wir unterschiedliche Menschen mit unterschiedlichen Meinungen zu Wort kommen lassen“, erläutert Kuhlencord. „Wir wollen schließlich über die Zukunft des Journalismus diskutieren. Da gibt es auf manche Fragen meistens kein Richtig und Falsch, sondern differenzierte Meinungen“, so Kuhlencord. Weiter sagt der 24-Jährige: „Wir versuchen mit diesem Festival, jungen Leuten die Möglichkeit zu geben, ihre Fragen weiterzuleiten, so dass diese im Austausch mit anderen vielleicht beantwortet werden.“ Daher seien die Workshops bewusst auf die aktive Teilnahme ausgerichtet. „Schließlich wissen auch wir nicht genau, wie sich die Medienbranche entwickeln wird. Wir können lediglich Tendenzen ausmachen“, sagt Jannis Kuhlencord.

Kontakte knüpfen

Dennoch solle das MZF nicht nur Raum für Ideen, Fragen und Diskussionen zur Zukunft des Journalismus bieten, sondern den Teilnehmern auch die Möglichkeit geben, berufliche Kontakte zu knüpfen, so Kuhlencord. Damit das Event seinen Festivalcharakter nicht verliere, ist zum Abschluss des Tages ein „Leserbrief-Slam“ geplant. Hierbei sollen emotionale, humorvolle, aber auch etwas schockierende Leserbriefe, die sonst nur eine kleine Gruppe von Personen zu Gesicht bekommen würden, in einem Slam verpackt werden, erzählt der Projektleiter. Abschließend würdigt er die Zusammenarbeit: „Die größte Herausforderung bestand für uns darin, die kreative Energie des Teams zu bündeln und alle unterschiedlichen Ideen unter einen Hut zu bringen. Letztendlich sind wir jedoch zufrieden mit dem Gesamtergebnis und freuen uns auf das Festival.“