Heidelberger Druckmaschinen

Maschinenbau Wiesloch soll Produktion teilweise an Werke in Portugal und China verlieren / Betriebsrat und IG Metall fordern Ersatz

Heideldruck plant Verlagerung

Wiesloch.Die Heidelberger Druckmaschinen AG will Produktion von seinem Stammwerk Wiesloch ins Ausland verlagern. „Natürlich werden wir auch in Wiesloch noch Maschinen bauen, aber die Stückzahl wird sinken“, kündigte Vorstandschef Rainer Hundsdörfer gestern an. Stattdessen werde man verstärkt auf die Werke in China und Portugal setzen. Dadurch würden „klassische Tätigkeiten im Stammwerk verschwinden“, sagte er. Künftig werde man hier hauptsächlich „das bauen, was neu ist“, also etwa im Digitalbereich oder bei Hochleistungsmaschinen. In Wiesloch zählen derzeit rund 1600 der 4000 Beschäftigten zur Druckmaschinenproduktion. In China sind es rund 500 Mitarbeiter, in Portugal etwa 250.

„Grundlegende Veränderung“

„Der Standort in Wiesloch wird sich grundlegend verändern“, prophezeite Hundsdörfer. Im Mittelpunkt würden künftig die Entwicklung neuer Produkte, Software, Elektronik, Dienstleistungen und digitale Geschäftsmodelle stehen. Für diese Transformation werde man die demografische Situation nutzen; in den kommenden drei bis fünf Jahren werden in Wiesloch jährlich bis zu 300 Mitarbeiter aus Altersgründen ausscheiden. Dabei sei es noch zu früh zu sagen, ob in den neuen Bereichen in gleichem Maße Beschäftigung aufgebaut werde, so Hundsdörfer. „Es könnte sich aber die Waage halten.“

Ralph Arns, Vorsitzender des Betriebsrates, ist nicht so optimistisch. „Ich befürchte, dass die wegfallenden Stellen nicht ganz kompensiert werden können“, sagte er gestern. „Schon deshalb, weil viel zu wenig ausgebildet worden ist.“ Natürlich verschließe man nicht die Augen vor notwendigen Veränderungen. „Wir werden aber alles daran setzen, dass möglichst viel Wertschöpfung hierbleibt“, so Arns. „Und dass Ersatz für die wegfallenden Tätigkeiten reinkommt.“

Allerdings bezweifelt er, dass eine Verlagerung so einfach geht. „Sie müssen erstmal qualifiziertes Personal in Portugal und China finden.“ Das Werk in Portugal gehört zur MBO-Gruppe, einem Falzmaschinen-Hersteller, den Heideldruck Anfang Oktober übernommen hatte.

„Dass sich die Tätigkeiten in Wiesloch wandeln, ist uns natürlich klar“, sagt auch Mirko Geiger, Chef der IG Metall Heidelberg. Trotzdem müsse die Druckmaschine das Kerngeschäft bleiben. Für die Produktion forderte der Gewerkschafter eine „andere Auslastungsplanung“. „Wir wollen sicherstellen, dass das Arbeitsvolumen in Wiesloch in den kommenden Jahren nicht sinkt.“ Deshalb werde man genau darauf achten, dass die ausscheidenden Mitarbeiter ersetzt würden.

Weil viele Druckereien schließen müssen, steckt der Druckmaschinenbau seit Jahren in der Krise. Nur langsam kommt der Branchenprimus Heideldruck wieder auf die Beine. „Wir haben an den richtigen Stellschrauben gedreht“, sagte Hundsdörfer gestern bei der Präsentation der Quartalszahlen. Die Nachfrage nach klassischen Druckmaschinen sei „solide“, Aufträge und Umsatz gingen nach oben. Verantwortlich dafür sei vor allem die Einführung sogenannter Abo-Modelle, so Hundsdörfer. Bei dieser Art von Aufträgen kauft der Kunde keine Maschine mehr, sondern zahlt dafür, eine bestimmte Menge an Druck-Erzeugnissen herstellen zu können – und Heideldruck stellt dafür alles zur Verfügung. Mittlerweile habe man 20 Kunden für dieses Modell gewonnen, so der Manager, bis Ende des nächsten Geschäftsjahres sollen es 100 sein.

Analysten enttäuscht

An der Börse kamen die Nachrichten trotzdem schlecht an. Die Aktie gab um mehr als zehn Prozent nach. Das zweite Quartal sei enttäuschend verlaufen, schrieb Commerzbank-Analyst Malte Schulz. Er verwies auf den „unvorteilhaften Produktmix“ und Anlaufkosten im Digitalgeschäft. Das Zahlenwerk sei hinter seinen Schätzungen zurückgeblieben, schrieb auch Analyst Sven Diermeier vom Analysehaus Independent Research. Immerhin glaubt er, dass Heideldruck die strategischen Ideen erfolgreich umsetzen kann.

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