Heidelberg

Pädagogik Carl-Bosch-Schule bietet zum zweiten Mal Sommerschule an / Aufholen von Stoff und Entdecken der Werkstätten

Büffeln, wenn andere noch faulenzen

Archivartikel

Heidelberg.Wenn am Montag in Baden-Württemberg die Schule beginnt, haben 30 Jugendliche schon einen kleinen Vorsprung: Eine Woche lang besuchten sie die Sommerschule, die das Technische Gymnasium Carl-Bosch-Schule (CBS) zum zweiten Mal nach 2017 angeboten hat. Auch das Schulleiterteam und etwa 15 Lehrer kehrten vorzeitig aus den Ferien zurück – nicht nur freiwillig, sondern auch mit viel Spaß.

Vormittags stehen Mathematik, Deutsch und Englisch auf dem Stundenplan, am Nachmittag erkunden die Schüler die schuleigenen Werkstätten für Kfz oder Orthopädietechnik oder Programmieren im IT-Fachraum. Die Mehrzahl der Jugendlichen wird im neuen Schuljahr an die CBS wechseln. „Ich glaube, ich werde am Montag weniger nervös sein“, freut sich die 13-jährige Caroline. Am besten hat der Kirchheimerin der Einblick in die Medizintechnik gefallen. „Ein Mitschüler hat ein EKG an sich machen lassen“, nennt sie ein Beispiel.

30 Plätze begehrt

Die gleichaltrige Marie-Christine freut sich ebenfalls, schon ein paar Kinder und Lehrer vorab getroffen zu haben. „Das Kanufahren war klasse“, erinnert sie sich. Im Viererboot paddelten die Sommerschüler bei Hirschhorn auf dem Neckar – trotz des ernsthaften Unterrichts am Vormittag bleibt auch der Spaß nicht auf der Strecke, vor allem beim Nachmittagsprogramm. Die Teilnahme an der Sommerschule inklusive Getränke und Mittagessen ist kostenfrei. Werbung braucht die CBS kaum: Im ersten Jahr haben sich 70 Schüler um die 30 Plätze beworben, in diesem Jahr 50. „Ein großer Vorteil der Schule ist, dass die Kinder schon einmal vom Ferien- auf den Schulrhythmus umgestellt werden“, findet Schulleiter Jens Misch.

„Wir machen hier kein Ferienprogramm“, betont Klaus Seitz, Sportlehrer und Abteilungsleiter der Schule. Bevor die CBS den Zuschlag und die finanzielle Unterstützung des Kultusministeriums für den ersten Kurs im vergangenen Jahr erhielt, musste sie mehrere Voraussetzungen erfüllen. Der ordentliche Unterricht war eine Bedingung, die Unterstützung einer Organisation die zweite. Mit der Tschira-Stiftung hat die Schule einen starken Partner an ihrer Seite.

Mit Profi-Werkzeug hantieren

In der Autowerkstatt dreht Linus (13) gerade die Felgenschrauben an einem Golf fest. „Schon drei Mal“ hat er in dieser Schnupperstunde Winterreifen montiert. „Das geht ganz fix“, fügt er hinzu. Ob er das jetzt auch daheim bei den Autos der Eltern machen wolle? „Nein, hier habe ich das Profi-Werkzeug“, kontert der Junge. Auch Lieselotte (12) aus Edingen wird in der kommenden Woche eine achte Klasse besuchen. Mit dem ersten Eindruck von der Schule freue sie sich jetzt richtig drauf, sagt sie. Nur etwa 15 Prozent der Schüler sind junge Frauen, berichtet Misch – im medizinischen Bereich liege der Anteil höher. „Im Kfz-Bereich steigt der Anteil der Schülerinnen spürbar.“ Einen besonders guten Namen hat sich die Schule auch im Bereich Orthopädietechnik erworben.

Eine künftige Abiturientin ist ebenfalls in der Sommerschule dabei – allerdings als Betreuerin: Anuoluwa (19) kam vor drei Jahren aus Nigeria nach Deutschland. Im Frühjahr möchte sie ihren Abschluss mit Schwerpunkt Umwelttechnologie machen – und dann Maschinenbau studieren. „Ich lerne sehr viel hier“, sagt sie und begleitet eine Gruppe in der Autowerkstatt.