Haustiere

Tiere Wenn Vierbeiner sich beim Apportieren langweilen, können Besitzer sie auf Jagd schicken – ganz ohne Wild

Training mit Dummys fordert Hunde

Archivartikel

Frankfurt.Oskar sitzt neben seiner Besitzerin Nadine Lange und schaut aufmerksam zu, wie sie ein Dummy einige Meter weit weg wirft. Gehorsam wartet der einjährige Rüde, bis sie endlich das ersehnte Wort sagt: „Such“. Dann flitzt er los, rennt zum Dummy, nimmt es ins Maul. „Prima“, lobt sein Frauchen und ruft mit lockender Stimme: „Brings“. Oskar trabt zu ihr, legt ihr das Dummy in die Hand und bekommt ein Leckerli.

Der Hund stammt aus Kroatien, erst seit März lebt er bei Lange und ihrem Mann in der Nähe von Frankfurt am Main. „Wir merkten schon bei unseren Besuchen im Tierheim, dass er gerne Sachen bringt“, erzählt sie. Da ihr klar war, dass sie ihren neuen Weggefährten auch geistig beschäftigen will, kaufte sie kurz nach dem Einzug des Hundes die ersten Dummys.

Impulskontrolle geschult

Seitdem wird alle paar Tage geübt. „So ein Training ist für jeden Hund geeignet, der Spaß an der Zusammenarbeit mit Menschen hat“, sagt Hundetrainerin Franziska Herre aus Erfurt. „Es ist egal, ob ein Hund jung oder alt ist, auch kranke Tiere können so beschäftigt werden.“ Wer es sportlich mag, kann mit seinem Hund zudem bei Dummyprüfungen an den Start gehen.

Dummytraining besteht aus vielem mehr als das reine Apportieren. Der Hund wird geistig gefordert und lernt viel: Gehorsam, Aufmerksamkeit, selbstständiges Arbeiten, Impulskontrolle. Außerdem arbeiten Mensch und Hund zusammen – das sorgt für eine vertrauensvolle Beziehung. Die Experten empfehlen, zwei bis drei Mal die Woche zu trainieren. Aufgehört werden sollte, so lange der Hund noch mit Freude dabei ist.

Gut geeignet sind Dummys, die für die Ausbildung von Jagdhunden eingesetzt werden – also längliche, mit Granulat gefüllte Leinensäckchen. Es gibt sie jedoch auch aus anderen Materialien, gerne genommen werden solche mit integriertem Futterbeutel. „Zum Aufbau finde ich diese Futterdummys bei allen Hunden grundsätzlich sinnvoll“, sagt die Trainerin Herre. Bei ihnen lernen die Hunde, dass sie nur mit Hilfe des Menschen an den begehrten Inhalt kommen – das ist ein guter Anreiz für Tiere, die von Natur aus nicht unbedingt apportieren würden.

Als erstes Lernziel soll der Hund das Futterdummy ins Maul nehmen und wieder abgeben. „So lange ich nicht weiß, wie sich der Hund verhält, mache ich ihn an eine Schleppleine“, sagt Herre. Schließlich soll der Hund mit dem Futterbeutel nicht weglaufen. Sobald der Hund den Beutel im Maul hat, geht der Mensch etwas nach hinten und lockt sein Tier. Auf keinen Fall sollte er auf den Hund zugehen – sonst denkt dieser, ihm solle die Beute abgenommen werden und rennt davon. „Wichtig ist auch, dem Hund den Beutel nicht aus dem Maul zu ziehen“, rät Herre. Am besten tauscht man den Beutel gegen ein Leckerli. Das Dummytraining hat seinen Ursprung in der Ausbildung von Jagdhunden. Hierbei werden verschiedene Situationen bei einer Jagd nachgeahmt. So weiß der Mensch beim „Einweisen“, wo das Dummy liegt und schickt den Hund mit entsprechenden Worten wie „rechts“, „links“ oder „zurück“ in die richtige Richtung. „Das Einweisen ist der Bereich, der dem Hund am kompliziertesten beizubringen ist“, sagt Schnatz. „Es dauert relativ lange und wird in winzige Teile aufgebaut.“

Freie Suche für Fortgeschrittene

Einfacher ist das „Markieren“. Dabei wird das Dummy für den Hund sichtbar geworfen und apportiert. Hier bietet sich für den Anfang an, das Dummy zu einem markanten Punkt zu werfen – an einen Baum oder großen Stein. „Dann baue ich eine Zwischenstation ein, gehe zum Beispiel mit dem Hund bei Fuß etwas weg oder lasse ihn erst ein anderes Dummy suchen“, erklärt Herre den weiteren Ausbildungsweg. Der Hund muss sich also nun merken, wo das Dummy liegt.

Das Lieblingsfach der Hunde beim Dummytraining ist meistens die Freisuche. Dabei wird die Situation bei einer Jagd simuliert, bei der weder Hund noch Mensch wissen, wo sich das Wild befindet. Der Hund sucht also ein Gebiet ab. Im Training sieht das so aus, dass ein oder mehrere Dummys ausgelegt und vom Hund ohne Hilfe seines Menschen gesucht werden.

Anfängerhunde dürfen beim Auslegen zugucken, bei fortgeschrittenen Tieren wird die begehrte Beute versteckt. Wer es seinem Hund möglichst leicht machen will, legt die Dummys im Seiten- oder Gegenwind aus. So können die Vierbeiner leichter die Fährte aufnehmen. „Zum Prüfen der Windrichtung kann man Babypuder oder Seifenblasen benutzen“, rät Schnatz. tmn