Gesundheit

Heute Auftakt in Mannheim / Beteiligung von Patienten als Schwerpunkt

"Wer mitentscheidet, ist zuversichtlicher"

Mannheim.Wie werden Patienten zu informierten Partnern auf Augenhöhe? Dieser Frage stellen sich von heute bis Samstag rund 2000 Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten und andere Experten auf der Jahrestagung der Deutschen Schmerzgesellschaft und der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft im Mannheimer Rosengarten. Weitere wichtige Themen des Kongresses sind: Cannabis als Arzneimittel und Kopfschmerzen.

Diskussion über Cannabis

Das Patientenrechtegesetz verlangt bereits eine umfassende Aufklärung und Beteiligung der Erkrankten bei der Suche nach einer angemessenen medizinischen Behandlung. Doch über das 'Wie' gibt es noch zahlreiche Unklarheiten. "Mit unserem Kongressmotto ,Gemeinsam entscheiden' befassen wir uns mit der Frage, wie diese Beteiligung konkret aussehen kann", sagte Kongresspräsident Matthias Keidel im Vorfeld der Tagung.

Zwar gibt es noch keine ausreichenden Erkenntnisse über den Nutzen einer Patientenbeteiligung. Dennoch sei ein positiver Effekt unbestritten, betonte Keidel. "Ein Patient, der mitentscheidet, ist zuversichtlicher in Bezug auf den Therapieerfolg und motivierter, an der Therapie aktiv teilzunehmen", so Keidel.

Das Thema Cannabis wird in den kommenden Tagen sowohl die Experten in Symposien als auch die Patienten bei speziellen Veranstaltungen (siehe Infobox) beschäftigten. Grund ist eine Gesetzesänderung vom März, seit der Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen auch cannabisbasierte Arzneimittel zur Schmerzlinderung erhalten dürfen. Noch ist die Verwirrung in diesem Bereich groß. Stefanie Förderreuther etwa, Präsidentin der deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft, beklagt eine dürftige Datenlage. "Wir brauchen Studien, die beweisen, dass eines oder verschiedene Cannabinoide nicht nur wirksam, sondern vor allem auch sicher sind", verlangt sie. Bis es so weit ist, warnt die Expertin vor einer übereilten Verordnung von cannabishaltigen Arzneien bei Kopfschmerzen und Migräne.

Neue Studie zu Migräne

Insgesamt spielen Kopfschmerzen auf dem Kongress eine wichtige Rolle. Unter anderem werden dort die Ergebnisse einer neuen Patientenbefragung vorgestellt und diskutiert. Laut Studie geht nur die Hälfte der Betroffenen mit ihren Beschwerden zum Arzt - und noch weniger zu einem Facharzt. Die Folge: Sie erhält seltener Migräne-vorbeugende Medikamente, die die Anzahl der Schmerztage pro Monat deutlich verringern können.

Auch die Region ist auf dem Kongress vertreten: So spricht Martin Schmelz von der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg im Rosengarten über experimentelle Schmerzforschung und wie diese einen Beitrag leisten kann, Schmerzmechanismen besser zu verstehen. Interessant sind dabei paradoxe Effekte: Kälte etwa kann sowohl Schmerzen auslösen als auch lindern.