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Fußball Nach 0:2-Schlappe in Augsburg beginnt bei Borussia Dortmund die Dauer-Debatte wieder

Mentalität schlägt Qualität

Archivartikel

Augsburg.Die Vorfreude auf den Supercup-Klassiker beim FC Bayern am Mittwoch war bei der hochgelobten BVB-Boygroup schlagartig dahin. Der 0:2-Stimmungsdämpfer beim FC Augsburg deckte schon am zweiten Bundesliga-Spieltag altbekannte Dortmunder Defizite auf. Über das nahende Duell mit dem europäischen Supercup-Champion aus München mochte der zerknirschte Trainer Lucien Favre da lieber gar nicht erst sprechen. „Wir denken nicht an dieses Spiel. Wir sind so enttäuscht, dass wir verloren haben“, sagte der Borussen-Coach.

Zwar war das Zusammenspiel der versierten Jungstars Giovanni Reyna (17), Jude Bellingham (17), Erling Haaland (20) und Jadon Sancho (20) auch in Augsburg nett anzuschauen. Durchschlagskraft und Präzision fehlten aber, Qualität reichte gegen Mentalität diesmal nicht. „Es ist schwer, diese Niederlage zu akzeptieren. Wir haben das Spiel fast komplett dominiert“, haderte Favre. „Aber wenn du unbedingt gewinnen willst, musst du Geduld haben und viel mehr über die Seite spielen.“

Eine Woche nach den tollen Teenie-Toren beim 3:0 gegen Gladbach mochte der „sehr traurige“ Favre aber nichts von Grünschnabel-Kritik hören. „Nein – überhaupt nicht“, antwortete der Schweizer auf die Frage, ob die fehlende Geduld dem jungen Alter seiner Talente-Riege geschuldet sei. 71:29 Prozent Ballbesitz lautete eine eindrucksvolle Bilanz aus Dortmunder Sicht, dem standen 123:112 Kilometer Laufleistung mit Augsburger Vorteilen entgegen. „Ein Grund für die Niederlage war, dass wir in den entscheidenden Zweikämpfen nicht hart genug dagegen gehalten haben“, monierte Mittelfeldroutinier Axel Witsel. „Keiner verliert gerne ein Spiel, aber wir dürfen nicht in Panik verfallen. Wir müssen ruhig bleiben, hart arbeiten – die Meisterschaft ist noch lang.“

Eine Woche nach dem umjubelten Saisonstart ist nicht auf einmal alles schlecht, die spannende Mannschaft hat ein riesiges Potenzial. Eine Schlappe gleich am zweiten Spieltag lässt die Dortmunder Dauer-Debatte um Mentalität und Titelreife aber früher wieder aufkommen als das den Bossen lieb ist. Natürlich könne man sich bei der Mentalität verbessern, räumte Sportdirektor Michael Zorc ein. „Aber es ist nicht fair, dass sofort auf uns eingeprügelt wird, wenn wir angesichts dieser immensen wirtschaftlichen Unterschiede auf Platz zwei einlaufen.“ 

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