Fußball

Fußball: 2 Fan-Wanderungen erzeugen pro Spieltag 7800 Tonnen CO / TSG 1899 Hoffenheim und Mainz 05 als klimaneutrale Vorreiter

Klima-Sünder Bundesliga

Berlin.Der ökologische Fußabdruck von Roberto Firmino dürfte so manchen Klimaschützer verzweifeln lassen. Der frühere Hoffenheimer Bundesliga-Profi, jetzt in Diensten von Champions-League-Sieger FC Liverpool, legte allein in diesem Jahr schon fast 100 000 Kilometer mit dem Flugzeug zurück. Nach der Studie eines Klimaforschers der Universität Manchester entspricht allein das einer CO2-Emission von fast 50 Tonnen. Noch deutlich höhere CO2-Emissionen aber verursachen die Fan-Wanderungen an jedem Bundesliga-Wochenende.

Etwa 400 000 Stadien-Gänger pilgern im Schnitt zu den Spielstätten von FC Bayern, Borussia Dortmund und Co. – und hinterlassen dabei einen kräftigen ökologischen Fußabdruck. „In der Summe liegen wir bei rund 7800 Tonnen CO2, die pro Spieltag ausgestoßen werden“, sagt Patrick Fortyr von der Klimaschutzberatung CO2OL vor der aktuellen UN-Klimakonferenz in Madrid. Um die an nur einem Spieltag verursachten Emissionen wieder auszugleichen, benötigt es der Aufforstung von etwa 60 000 Bäumen auf einer Fläche von umgerechnet 48 Fußballfeldern. Das geht aus einer Kurzstudie von CO2OL für den Deutschlandfunk hervor.

Eine Verallgemeinerung dieser Ergebnisse sei jedoch schwierig. „Die klimatechnischen Fußabdrücke der Vereine unterscheiden sich schon aufgrund ihrer Lage. Ruhrpottvereine haben im Schnitt deutlich kürzere Wege zurückzulegen als Leipzig, die für jedes Auswärtsspiel weit reisen müssen“, erklärt Fortyr. Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe beobachtet derweil, dass das Klima-Thema bei den Vereinen an Relevanz gewinnt. „Der Fußball klammert Klimaschutz nicht länger aus“, sagte er unlängst der „taz“. Leipzig-Trainer Julian Nagelsmann zeigte zuletzt Verständnis, falls einer seiner Spieler anstatt zu trainieren an der Klima-Demo von „Fridays for Future“ teilnehmen würde. Und auch Freiburgs Coach Christian Streich hält den Klimastreik für absolut berechtigt.

Hoffenheim handelt klimaneutral

Die Bundesligisten TSG 1899 Hoffenheim und Mainz 05 versuchen mit gutem Beispiel voranzugehen. „Seit Saisonbeginn handelt die TSG [...] konsequent klimaneutral und kompensiert alle nicht vermeidbaren Emissionen“, heißt es auf der Internetseite der Hoffenheimer. Mainz 05 behauptet sogar, „seit 2010 klimaneutral“ zu sein. Durch Zertifikate gleiche der Verein seine CO2-Emissionen aus – auch die der Fans bei Auswärtsreisen. Foytr fordert transparente und einheitlich erfasste CO2-Bilanzen aller Vereine. „Ich glaube, bei einigen wird ein ökologisches Auftreten als Marketinginstrument missverstanden“, sagt er.

Nach Schätzungen von CO2OL reisen bis zu 70 Prozent der Fans mit dem Auto zu den Spielen. Es bedürfe einer Menge Fingerspitzengefühl, um den Umstieg auf Bus und Bahn oder das Rad zu begleiten. Eine Einschränkung der Parkplätze oder Erhöhung der Parkpreise führe eher dazu, dass die Fans ganz vom Stadion wegbleiben, so Fortyr. Der wichtigste Punkt sei dabei, nicht nur Fans aufzufordern, umweltfreundlich anzureisen, sondern es auch selbst zu tun. dpa