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Fußball Den ehemaligen Münchner Vereinspatron Uli Hoeneß und den früheren Adidas-Chef Herbert Hainer eint eine ganze Menge

Der neue starke Bayern-Boss

Archivartikel

München.Beim Empfang des FC Bayern in der Staatskanzlei hielt sich der damals noch künftige Präsident Herbert Hainer dezent zurück, beim Münchner Oktoberfestbesuch mochte der Nachfolger von Uli Hoeneß nicht für Fotos posieren. Die Zeit im Hintergrund ist für den neuen starken Mann an der Spitze des deutschen Fußball-Rekordmeisters seit Freitag aber vorbei. Der langjährige Adidas-Chef (65) wurde von den Vereinsmitgliedern zum Club-Oberhaupt gekürt.

„Ich halte Herbert Hainer für einen Mann, der für diese Position absolut perfekt geschaffen ist. Er ist ein Mann des Sports, er hat viel Ahnung vom Sport, er hat viel Ahnung von Wirtschaft“, rühmte der scheidende Präsident Hoeneß (67) seinen guten Freund. „Herbert Hainer gebe ich keine Ratschläge, der ist ein gestandener Vollprofi.“ Hainer ist durch seine 15 Jahre an der Adidas-Spitze von 2001 bis 2016 bestens vernetzt im Fußball. Phasenweise galt er sogar als Kandidat für das Präsidentenamt des DFB.

„Sehe Chancen, nicht Probleme“

Eine Profi-Vergangenheit in rot-weiß wie Hoeneß oder Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge kann der frühere Landesliga-Fußballer Hainer aber nicht vorweisen. „Ich war relativ schnell, aber meine technischen Fähigkeiten waren limitiert. Dafür habe ich immer bis zur letzten Minute gekämpft und nie aufgegeben“, sagte Hainer. „Ich glaube, das hat mich auch später in meinem Berufsleben ausgezeichnet: Ich sehe in erster Linie die Chancen, nicht die Probleme.“

Der schon als „Herr der drei Streifen“ titulierte Hainer bringt 15 Jahre Erfahrung als Chef eines Global Players mit. Fordernd, zielstrebig und teamorientiert führte der 1954 einen Tag vor dem WM-Gewinn beim „Wunder von Bern“ in Niederbayern geborene Hainer den Sportartikelkonzern in die Moderne. Der Börsenwert wurde in der Zeit verfünffacht, der Umsatz mehr als verdoppelt. „Einer, der Adidas führen kann, kann auch den FC Bayern führen“, sagte Hoeneß. Man könnte es aber auch anders herum formulieren: Einer, der ein Milliarden-Imperium gelenkt hat, traut sich sicher den FC Bayern zu. Hoeneß hinterlasse aber „riesige Fußspuren“, sagte Hainer, für den der Club auch eine Herzensangelegenheit ist.

„Als Fan habe ich den FC Bayern immer schon geliebt, als Aufsichtsrat habe ich zudem sehr zu schätzen gelernt, wie professionell dieser Verein aufgestellt ist“, sagte Hainer, der schon 18 Jahre im Kontrollgremium der Münchner ist. „Der Unterschied zu anderen Aufsichtsratsmandaten sind die Emotionen, wenn wir bei den Sitzungen über die vorangegangenen Spiele diskutieren“, umschrieb es Hainer.

Anders als von Hoeneß, dessen emotionale und impulsive Art in der Liga berühmt und gefürchtet ist, sind vergleichbare Hainer-Momente nicht überliefert. Der Geschichte, dass er in einem eigenen Spiel beim Stand von 8:0 nach einem Elfmeterpfiff in der 90. Minute den Schiedsrichter attackiert haben soll, widerspricht aber nicht.

Freund offener Worte

„Diese Geschichte liegt an meinem Gerechtigkeitssinn“, sagte der „Freund offener Worte“. „Und dann rege ich mich eben auch in einer 90. Minute bei einem 8:0 auf.“

Wie Hoeneß stammt Hainer aus einer Metzgerfamilie. Von der Freundschaft rückte er nicht ab, als Hoeneß wegen Steuerhinterziehung im Gefängnis war. „Und als unsere Tochter gestorben ist, war er der Erste, der anrief und fragte, wie er helfen kann. Entscheidend ist nicht, wer mit dir lacht, wenn es dir gut geht. Da hat man viele Freunde. Entscheidend ist, wer mit dir weint, wenn es dir schlecht geht“, sagte Hainer. Seine Tochter wurde 23 Jahre alt. Seitdem „gibt es nicht mehr viel, was mir Angst macht“, erzählte er.

Im Gegensatz zu Hoeneß wirkt der begeisterte Jogger, dessen Bruder einst für den TSV 1860 München spielte, fast schon asketisch. Beim Essen verzichtet er meistens auf den Nachtisch, „um über die Jahre nicht aus dem Leim zu gehen“, verriet der Sportfanatiker. Vor seiner großen Wirtschaftskarriere arbeitete er als Wirtshausbetreiber, stand im letzten Studienjahr selbst am Zapfhahn. Seit Freitag muss sich Hainer nun erneut in einem harten Job bewähren.