Formel 1

Formel 1 Sebastian Vettel hat mit dem SF71H das Potenzial, die Dominanz von Mercedes zu beenden

Ferrari-Fans lechzen nach Monza-Sieg

Archivartikel

Monza.Überwältigt vom Mythos Monza wurde einst auch ein Michael Schumacher emotional. „In Monza mit einem Ferrari zu gewinnen, ist einfach das Größte“, beteuerte der oft so unterkühlte Rekordchampion nach einer seiner Formel-1-Triumph-Fahrten im Autodromo Nazionale. Tempo-Rausch und italienische Leidenschaft – der Königliche Park steht als perfektes Sinnbild für die Marke Ferrari, die nun schon viel zu lange auf einen Heimsieg und einen Titel wartet. Erlöser könnte in dieser Saison Schumachers Erbe und Freund Sebastian Vettel sein. Im vierten gemeinsamen Jahr scheinen die Scuderia und der Deutsche endlich bereit für die WM-Krone.

Vettels erster Monza-Sieg im Ferrari soll dafür am Sonntag (15.10 Uhr/RTL) den nächsten Beweis liefern. Schritt für Schritt hat der 31-Jährige den Rennstall herangeführt an die lange übermächtigen Silberpfeile – ein bisweilen schmerzhafter Prozess. „Der Sport hat selten erlebt, dass eine Marke so stark dominiert hat wie in den letzten Jahren Mercedes. Dass wir da jetzt auf Augenhöhe sind, spricht für uns“, sagte der Heppenheimer zuletzt nach seinem fünften Saisonsieg in Spa-Francorchamps.

Auf einer Motorenstrecke im direkten Duell Lewis Hamilton abgehängt zu haben, daraus schöpft der Hesse frischen Glauben an den Erfolg seiner Ferrari-Mission. Auch wenn Vettel im Red Bull bereits viermal Weltmeister war, fühlt er, dass erst ein Titel im roten Auto ihm Legenden-Status sichern würde. „Ich stelle mir vor, dass einer meiner schönsten Tage der sein wird, wenn ich in Rot den Titel gewinnen werde. Das Ziel ist, Ferrari dahin zurückzubringen, wo es mit Michael Schumacher schon mal war“, hatte er schon im vergangenen Jahr vor dem Monza-Rennen gesagt.

Frust als Treibstoff

Damals begann ausgerechnet beim Heimspiel der Einbruch im WM-Duell mit Hamilton. Mercedes gelang in Italien ein Doppelerfolg. In den Wochen danach zerbrachen Vettels WM-Träume im Eiltempo durch eine Serie von Pannen und Patzern. Den Frust des Vorjahres nutzte die Scuderia als Treibstoff für die neuerliche Attacke.

Getrieben vom unnachgiebigen Firmenchef Sergio Marchionne wurde in Maranello an vielen Schrauben gedreht. Den plötzlichen Tod des italo-kanadischen Top-Managers im Juli nimmt der Rennstalls als emotionale Verpflichtung, sein Lebenswerk mit der Weltmeisterschaft zu vollenden. Eine der Schlüsselfiguren ist dabei Technikdirektor Mattia Binotto, unter dessen Regiment dem Ferrari die meisten Schwächen ausgetrieben wurden. Stärkerer Motor, schnittige Aerodynamik, erhöhte Zuverlässigkeit. Dazu hat Vettels Mannschaft spürbar den Fokus geschärft, gibt sich geordneter und schaut vor allem auf sich selbst.

Einen ähnlichen Weg hatte Ferrari in der Schumacher-Ära genommen. Der Kerpener benötigte fünf Jahre, ehe er die Scuderia zur Sieg-Maschine geformt hatte. Der Rest ist Legende. Neben seinen fünf Titeln in Serie gewann Schumacher auch insgesamt fünfmal mit Ferrari in Monza – bis heute eine Bestmarke auf der Strecke, die für die Tifosi „La Pista Magica“ ist. dpa