Familie und Erziehung

Studie Fast jeder zweite Schüler fühlt sich überfordert / Viele steuern mit Aufputschmitteln wie Energydrinks dagegen an

Schmerzen und Schlafstörungen

Archivartikel

Berlin.Nicht nur Erwachsene sind gestresst. Auch fast jeder zweite Schüler in Deutschland fühlt sich angespannt und einem hohen Leistungsdruck ausgesetzt - mit gravierenden gesundheitlichen Folgen. Das geht aus einer gestern veröffentlichten Untersuchung der DAK hervor. Nach Angaben der Krankenkasse handelt es sich um die erste großangelegte Expertise zu dem Thema. Nachfolgend die wichtigsten Erkenntnisse.

Was genau und wie wurde untersucht?

Mit dem "Präventionsradar" wurde das körperliche und psychische Wohlbefinden sowie das Gesundheitsbewusstsein von fast 7000 Schülern der fünften bis zehnten Klassen in sechs Bundesländern unter die Lupe genommen. Die Gewichtung der Daten etwa nach Alter, Geschlecht und Schultyp erlaubt Rückschlüsse auf die Situation in ganz Deutschland. "Jeder muss ein gewisses Stressniveau haben, um Leistung zu erbringen", meinte der Leiter der Studie, Reiner Hanewinkel. Es müsse aber zu denken geben, wenn das subjektive Stress-Erleben zu somatischen Beschwerden wie Kopf- oder Bauchschmerzen führe.

Was ist das zentrale Ergebnis der Umfrage?

Insgesamt 43 Prozent und damit fast jeder zweite Schüler zwischen zehn und 18 Jahren gibt an, unter Stress zu leiden. Mädchen fühlen sich häufiger gestresst, unter den Jungen sind es mit 37 Prozent weniger. In der Folge kommt es zu gesundheitlichen Beschwerden: Am häufigsten klagen Schülerinnen und Schüler über Kopfschmerzen (55 Prozent) und Bauchschmerzen (51 Prozent). Insgesamt fast jeder Zweite wird von Rückenschmerzen (43 Prozent) geplagt, und mehr als jeder Dritte (35 Prozent) leidet unter Schlafstörungen.

Welche Resultate ergeben sich in Sachen Ernährung?

Es gebe einen starken Zusammenhang zwischen Energydrinks und Übergewicht sowie Stress und falscher Ernährung, erklärte Studienautor Hanewinkel. "Wenn ich ausgeschlafen ohne Energie zur Schule komme, bin ich viel leichter gestresst." Die Schüler könnten den Lernanforderungen dann nicht gerecht werden. Laut Untersuchung hat das Frühstück vor Schulbeginn einen sehr positiven Einfluss auf die Gesundheit der Kinder und Jugendlichen. Fast die Hälfte der Schüler tut das aber nicht regelmäßig, mehr als jedes fünfte Kind nie. Dabei sind nur zehn Prozent der Schüler, die vor der Schule daheim frühstücken, übergewichtig. Unter den Schülern, die das nie tun, sind es 16 Prozent.

Sind Energydrinks wirklich ein so großes Problem?

Laut Studie ist es eine bedenkliche Entwicklung, dass bereits ein Viertel der Schüler in der fünften Klasse die koffeinhaltigen und extrem gesüßten Wachmacher häufiger zu sich nimmt. Insgesamt jeder fünfte Konsument tut das vor und während der Schule. Wer indes regelmäßig mit der Familie isst, ernährt sich laut Studie gesünder, greift seltener zu Energydrinks, Fast Food und ist seltener übergewichtig.

Wie lauten die Schluss- folgerungen?

DAK-Vorstandschef Andreas Storm sprach sich für die Einführung eines Fachs Gesundheit in den Schulen aus. Die Schüler könnten komplexe Matheaufgaben lösen und Englisch sprechen, wüssten aber nicht, wie schädlich Zucker und langes Sitzen seien, kritisierte Storm. Nach Ansicht von Studienautor Hanewinkel wäre allerdings schon viel getan, würden mehr Eltern für ein vernünftiges Frühstück ihrer Kinder vor Schulbeginn sorgen.

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