Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Diskussion im Bürgersaal zeigt viele Baustellen in Sachen deutsch-französischer Freundschaft auf.

An Europa bauen alle Bürger mit

Archivartikel

Die Diskussion im Bürgersaal des Rathauses Edingen war inhaltlich eine der wichtigsten Veranstaltungen im Rahmen des Festwoche zum 50-jährigen Bestehen der Partnerschaft. Das Thema: „Unsere Partnerschaft: Beitrag zur europäischen Einigung. Euroskeptizismus,Solidarität, Zukunft.“

Moderiert von Gert Weisskirchen (Europa Union) und eingeleitet durch Ausführungen von Klaus Förtig (IGP) und Erwin Hund (DFJW-Infopunkt/IGP), entwickelte sich eine rege Diskussion zu wichtigen europäischen Themen, die dank moderner Konferenztechnik und einer Simultanübersetzung auch ohne zeitliche Verzögerung vonstatten ging.

Zunächst stand dabei die Skepsis gegenüber Europa im Mittelpunkt. Die Vorteile, die die Europäische Union den Bürgern bringe, würden nicht ausreichend vermittelt, hieß es. Die Politik habe vergessen, die Bürger nach Europa „mitzunehmen“. Als ein Grund für die schwierige Integration Europas wurde die mangelnde Sprachvermittlung (deutsch und französisch) ausgemacht. Aber auch die Jugendarbeitslosigkeit in vielen Regionen Europas könne sich hier auswirken. Christine Guignard vom Comité de Jumelage zeigte sich überzeugt, dass Europas Jugend für Europa eintrete. Moderator Gert Weisskirchen schlug vor, ein Treffen mit anderen Städtepartnerschaften der Region zu diesem Thema, aber auch zur Gewinnung der Jugend für Europa, durchzuführen.

Ein weiteres Thema: „Solidarität in Krisenzeiten“. Mitgründer Georges Lindivat nannte das Flüchtlingsproblem und forderte, die Flüchtlinge aufzunehmen und europaweit zu verteilen. Auch der neu entstandene Egoismus und das Zurückziehen auf die Nationalstaaten wurde beklagt. In der intensiven Diskussion fiel ein Zitat des ehemaligen Staatspräsidenten Francois Mitterrand, der davor gewarnt hatte, dass dieser Nationalismus zu Krieg führen werde.

Um dieses Dauerthema weiter zu diskutieren, soll eine Arbeitsgruppe zwischen Plouguerneau und Edingen-Neckarhausen gebildet werden. Diese soll Erfahrungen und Vorschläge an den Landtag, den Bundestag und die französische Nationalversammlung weiterleiten.

Schließlich führten Klaus Förtig und Erwin Hund in den abschließenden Punkt „Zukunft“ ein. Gemeinderätin Irene Daners sieht in der Partnerschaft eine Vorbildfunktion. Man müsse Beispiel geben. Für IGP-Vize Klaus Merkle bleibt die Jugendbeteiligung eine wichtige Aufgabe. Allerdings müsse das mittlere Alter bei den Partnerschaftsfreunden stärker präsent sein, forderte er. Stärkung der persönlichen Kontakte, auch in Familien, wünschten sich unter anderem Georges Lindivat, Heidi Gade und Audrey Cousquer. Francis Quiviger und andere mahnten erneut die Verbesserung der Sprachvermittlung an.

„Wertvolles Erbe“

Bürgermeister Yannig Robin, der seit 2000 in Plouguerneau lebt und seit 2014 im Amt ist, bezeichnete die Partnerschaft als wertvolles Erbe, für das alle gemeinsam verantwortlich seien. Er wünschte sich mehr Initiativen und eine gemeinsame Erklärung für mehr Europa. Abgeordnete Lédie Le Hir sprach sich für mehr Initiativen und eine bessere Nutzung der Medien aus. Jean-Paul Le Gall möchte künftig den Bürgern besser erklären, „welche Vorteile wir alle von Europa haben“.

Erwin Hund appelierte, den Jugendaustausch auszubauen, die Spracharbeit und Öffentlichkeitsarbeit zu intensivieren, auch über die sozialen Netzwerke und lokalen Medien, in Plouguerneau über den Radiosenden „Légende FM“. Dabei helfe das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW), das in der Gemeinde mit seinem Infopunkt Rhein-Neckar sogar ein überregionales Kompetenzzentrum anbiete. Hund dankte der Europäischen Kommission, die für das Projekt mit Festwoche „50 Jahre Partnerschaft – unser Beitrag zur europäischen Einigung“ einen Zuschuss zugesagt hat.

Moderator Gert Weisskirchen von der Europa-Union schlug vor, im Hinblick auf die Europawahlen 2019 für Jungwähler einen Wettbewerb mit einem Preis auszuschreiben, den die Bürgermeister offiziell übergeben könnten. Thema: „Wie stelle ich mir Europa vor?“

Abschließend sagte er: „Europa muss unsere Zukunft bleiben.“ Einhelliges Résumée: Die Partnerschaft wird, zusammen mit den 2200 weiteren deutsch-französischen Städtepartnerschaften, künftig einen noch wichtigeren Beitrag zur Einigung Europas leisten. red