Edingen-Neckarhausen

Edingen-Neckarhausen Umweltminister Untersteller und Regierungspräsidentin Kressl besichtigen Fischkinderstube

Ökologisches Leuchtturmprojekt „ein Gewinn für die Gemeinde“

Archivartikel

Vor drei Jahren war er es, der die Zusage des Landes zur Mitfinanzierung der Fischkinderstube nach Edingen-Neckarhausen brachte, gestern schaute sich Baden-Württembergs Umweltminister Franz Untersteller das Ergebnis an. Und er war rundum zufrieden, nicht nur als passionierter Umweltschützer der Grünen, sondern auch als gelernter Landschaftsarchitekt.

„Das ist wirklich toll geworden“, sagte der Minister bei einer Besichtigung des künstlichen Seitengewässers am Neckar, fast drei Monate nach dessen offizieller Einweihung, an der er aus terminlichen Gründen nicht teilnehmen konnte. Der See sei „ein Gewinn für die Gemeinde“, formulierte er und sprach von den Hürden, die vor allem der ebenfalls anwesende frühere Bürgermeister Roland Marsch (SPD) auf dem Weg zur Verwirklichung der Idee hatte bewältigen müssen.

An den mitunter steinigen Weg von der ersten Idee 2005 bis zur Vollendung 2018 erinnerte auch Marschs Nachfolger Simon Michler (CDU). „Der Gemeinderat ist standhaft geblieben“, sagte er und fügte hinzu: „Die Kritiker sind verstummt.“ Auch das befürchtete Schnakenloch sei ausgeblieben.

Schatten unterm Sonnensegel

Bei strahlendem Sonnenschein erwies sich gestern einmal mehr das bis zuletzt umstrittene Sonnensegel als Segen für die Besucher. Unter seinem Schatten blickten sie auf das Gewässer und beobachteten nicht nur Schwäne und wenige Gänse, sondern auch eine Gruppe, die die Fischkinderstube interessiert unter die Lupe nahm.

„Darf man darin auch schwimmen?“, wollte die Landtagsabgeordnete Julia Philippi (CDU) wissen. Abgesehen davon, dass das verboten ist, konnte ihr der Umweltminister davon auch nur abraten: „Der Neckar wird zwar immer sauberer, aber Badewasserqualität hat er noch lange nicht.“

Immerhin den Fischen geht es im Wasser immer besser. „Sie fühlen sich hier wohl“, sagte Bürgermeister Michler und verwies auf erste Untersuchungen, bei denen in dem Seitengewässer bereits zwölf verschiedene Arten festgestellt worden seien: „Damit hat der See seinen ökologischen Zweck erfüllt.“ Und es gibt bereits mögliche Nachahmer: „Vertreter der Stadt Mannheim haben sich das Gewässer im Hinblick auf die Bundesgartenschau auch schon angesehen“, verriet Michler.

„Ich finde das eine richtig tolle Sache“, schwärmte Regierungspräsidentin Nicolette Kressl. Hier würden der Freizeit- und Erholungswert für die Menschen und eine große ökologische Qualität miteinander verbunden, sagte sie dem „MM“ und sprach von einem Leuchtturmprojekt: „Ich hoffe, dass das ganz viele Nachahmer findet.“

Die Gesamtkosten von rund 3,6 Millionen Euro wurden hauptsächlich vom Land getragen. „Das Geld dafür kommt aus dem Wasserpfennig“, erläuterte der Minister. Von jedem verkauften Kubikmeter fließen acht Cent in den Topf für ökologische Projekte.