Dossier

Zwilling des "MM"

Archivartikel

Harald Rode aus Mannheim erblickte am selben Tag wie seine Tageszeitung das Licht der Welt - "mitten in die Trümmerlandschaft hinein", wie er sagt. Rückblick auf ein bewegtes Leben.

Sonnige Tage in Mannheim verbringen Harald Rode und Ehefrau Helga am liebsten auf der Terrasse ihres schönen Hauses im Almenhof - oder im Luisenpark. Hier, in der "Pfälzer Weinstube", treffen wir uns zum "MM"-Gespräch, ganz gemütlich bei einem Schoppen Riesling.

Luisenpark, Weinstube - passt beides ganz hervorragend zum Genießer Harald Rode. Den Park lieben und unterstützen er und seine Frau schon seit Langem: "Mannheim braucht solche Schwerpunkte", sagt Rode. Und zu einem guten Tropfen sagt der Genießer selten Nein, nennt er doch einen gut bestückten Weinkeller sein Eigen und bringt von seinen vielen Reisen immer wieder gerne das eine oder andere "Liebhaberfläschchen" mit nach Hause.

"Kunst, Kultur, Küche, Keller" seien seine Hauptinteressen, gesteht der Pensionär lachend. Kulinarisch inspirieren ihn ganz besonders die Länder des Mittelmeerraums (auch wenn er sich auf der Rückreise immer auf "Hausmacher Lewwerwoschd" freut). An Fernzielen wie Südafrika, Asien, der Karibik und den USA begegnet er der Welt in ihrer ganzen Vielfalt - und kulturell lässt er sich auch in und um Mannheim wenige Höhepunkte entgehen. Die erfährt er oft aus dem "Mannheimer Morgen", seinem "Zwilling", den er seit vielen Jahren abonniert hat und zum Teil auch digital nutzt, denn Harald Rode ist auch in Sachen Multimedia sehr interessiert und immer auf dem neuesten Stand der Technik.

Mit seinen 70 Jahren geht es Harald Rode rundum gut. Und das weiß er auch zu schätzen, denn sehr genau erinnert er sich daran, dass es karge, arme Zeiten in seinem Leben gab - der heutige Wohlstand ist für ihn alles andere als eine Selbstverständlichkeit. "Mitten in die Trümmerlandschaft hinein" wurde er im Sommer 1946 im Kraichgau geboren, fünf Jahre später kam er dann mit den Eltern nach Mannheim - und blieb bis heute gerne hier.

Seine ersten Erinnerungen an die Kindheit in der Quadratestadt: "Fußballspielen in der Unterstadt, Kartoffeln mit Karottenbrei und manchmal etwas Fleisch, und viele Freizeitaktionen mit den Pfadfindern", erzählt Rode. Ein durchaus unbeschwertes Kinderleben also, noch vor den Kulissen der zerstörten Stadt, aber auch schon im Zeichen des Aufbruchs, des beginnenden Wirtschaftswunders? "Von beidem war etwas spürbar", sagt er, "wir hatten sehr wenig, das Essen war einfach, geheizt wurde mühsam mit Kohle, ein Auto hatten wir nicht, Vater fuhr einen Motorroller. Und doch hatte ich Eltern, die ihr Möglichstes taten, uns gut ins Leben zu schicken und aus dem Nachkriegschaos das denkbar Beste zu machen."

Über den Krieg wurde im Hause Rode - typisch für die Generation seiner Eltern - nicht gesprochen, kein Blick zurück in die bedrückenden Jahre, nur nach vorne wollte man schauen. Gefragt, ob ihm dadurch Mutter und Vater auch immer ein Stück fernblieben, ob er die typische emotionale Distanz vieler Nachkriegskinder zu ihren Eltern spürte, muss Harald Rode lange nachdenken. "Doch", sagt er dann, "es blieb immer ein wenig Abstand, sehr 'gefühlig' ging es bei uns nicht zu". Schnell kommt er dann wieder darauf zurück, dass er seine Eltern für ihre Lebensleistung bewundert und ihnen dankbar ist: "Als ich mit den Pfadfindern auf eine Radtour gehen wollte, hat mein Vater sich ein Fahrrad für mich vom Munde abgespart", erzählt er gerührt.

Viele Mannheimer Erinnerungen teilt Harald Rode mit seiner Helga, drei Jahre jünger als er und seit 1965 die Frau seines Lebens. Auch sie verlebte die Kindheit in den Quadraten - möglich, dass die beiden Nachbarskinder (sie wohnte in H7, er genau gegenüber) sich öfter begegneten, vielleicht beim Milchhändler in der Dalbergstraße, vielleicht in der Wirtschaft, wo Helga öfter mal einen Krug Bier für den Vater holen ging.

"Vor dem Café Weller hat's gefunkt", erzählen die beiden mit leuchtenden Augen, "dort hielt immer der Eismann, und wir standen Schlange für ein Eis am Stiel". Der 18-Jährige fackelte nicht lange und lud das hübsche Mädchen ins Kino ein. Gemeinsam erlebten die beiden jungen Leute dann den Aufstieg und beruflichen Erfolg, den Hausbau, die Familiengründung.

Heute, mehr als ein halbes Jahrhundert, zwei Kinder und zwei (demnächst drei) Enkel später, verbringen Harald und Helga immer noch am liebsten die Zeit miteinander. Neben vielen Interessen teilen sie auch ihre Grundeinstellung zum Leben, die sie auch ihren beiden Kindern weitergegeben haben: bodenständig und bescheiden bleiben, sich anderen gegenüber anständig benehmen, nichts übertreiben, doch das Gute auch genießen.

Letzteres tut der aktive Rentner seit zehn Jahren besonders intensiv, nachdem er sich nach 40 Jahren Berufstätigkeit bei Boehringer Mannheim und Roche in den vorgezogenen Ruhestand verabschiedet hat. Viel hat er noch vor: "Noch mehr Reisen, Kunst, Kultur und Kulinarik genießen" - und, fast hätte er's vergessen, jeden Tag mit seinem Motto beginnen: "Heute ist der erste Tag vom Rest deines Lebens!"