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Test Kia e-Niro Vollelektrisch fahrendes Crossover-Modell aus Korea bietet ein überzeugendes Gesamtpaket / Gute Fahrwerte und ordentliche Reichweite

Stromer mit hoher Alltagstauglichkeit

Archivartikel

Crossover heißt die Fahrzeugkategorie, zu der auch der Kia Niro zählt. Sie soll die Vorzüge eines SUV (Sport Utility Vehicles) mit dem sportlichen Auftreten und dem Handling eines Kompaktwagens verbinden. Den Kia Niro gibt es mit Plug-In-Hybrid-, Mildhybrid- und reinem Elektroantrieb (Test). Die rein elektrische Variante mit einer 64-kWh-Batterie überrascht mit großer Alltagstauglichkeit.

Die Seitenlinie des Niro erinnert in der Tat an ein SUV. Er ist auch etwas höher als ein normaler Kompaktwagen und kommt insgesamt ganz ansehnlich daher. Dass es sich um ein Elektrofahrzeug handelt, erkennt man an dem geschlossenen Kühlergrill und den türkisen Zierleisten, die seit der Einführung der Elektrofahrzeuge beim Marktführer Renault in dieser Kategorie die Farbe der Stromer ist.

Der Innenraum wirkt wertig. Hochwertige Kunststoffe und (Teil)Leder prägen sein Erscheinungsbild. Auf der Mittelkonsole, auf und um das Lenkrad sind jede Menge Schalter platziert, die die vielen Ausstattungsfeatures erahnen lassen. Die Sitzposition ist hoch (für große Fahrer vielleicht etwas zu hoch) um jederzeit den Überblick zu haben. Die Sitze sind bequem und auch in der hintersten Position bleibt für die Mitfahrer auf der Rückbank ausreichend Beinfreiheit. Trotzdem stehen immerhin noch 451 Liter an Kofferraumvolumen zur Verfügung. Für ein 4,38 Meter langes Fahrzeug ist beides recht ordentlich.

Auf die Waage bringt der e-Niro mit der großen Batterie etwas über 1,8 Tonnen. Allein die 290 Lithium-Ionen-Zellen tragen dazu mit 450 Kilogramm bei. Schon aufgrund dieses hohen Leergewichts, braucht er seine 204 PS. Beim Fahren merkt man jedoch das hohe Gewicht kaum, was erneut erstaunt.

Das Drehmoment von 395 Nm lassen ihn aus dem Stand bis zur Höchstgeschwindigkeit von 167 km/h gleichmäßig durchziehen. Die 100-Kilometer-Marke erreicht er dabei nach 7,8 Sekunden. Unter dem Strich sind das recht ansprechende Fahrleistungen, die der e-Niro zu bieten hat.

Fahrspaß kommt vor allem über Land auf. Die Lenkung ist sehr direkt und die Straßenlage aufgrund des niedrigen Schwerpunkts recht gut. Lediglich ein leichtes Übersteuern ist bei schnellen Kurvenfahrten zu verzeichnen.

In der Stadt ist der Kia recht handlich und lässt sich leicht einparken, wozu sein geringer Wendekreis von 10,60 Metern beiträgt.

Der Verbrauch des e-Niro lag laut Bordcomputer zwischen durchschnittlich 14,1 kWh auf 100 Kilometern (bei vorsichtiger Überlandfahrt oder in der Stadt) und 20,8 kWh bei sportlicher Fahrweise. Auf der Autobahn verbrauchte der Kia auf einer Strecke von 280 Kilometern 18,5 Kilowattstunden. Teilt man die Batteriekapazität von 64 kWh durch diesen Wert, so sind folglich 345 Autobahnkilometer drin, bevor der e-Niro spätestens an die Ladesäule muss.

An einer 100 kW-Gleichstrom-Ladestation, wie sie an Raststätten zu finden ist, steigt die Batteriekapazität dabei in 42 Minuten von 20 auf 80 Prozent. Genügend Zeit für eine ausgiebige Pause, wie man sie eigentlich immer nach zwei bis drei Stunden Fahrt machen sollte.

An einer öffentlichen Gleichstromsäule dagegen, etwa vor dem Landratsamt in Tauberbischofsheim, braucht man dafür dann schon fünf Stunden und 50 Minuten, darf jedoch dort nur drei Stunden parken. An einer 7,2-kW-Wallbox in der heimischen Garage, die wie die Ladesäule vor dem Landratsamt die gleiche Stromstärke zur Verfügung stellt, ist der e-Niro somit über Nacht immer voll geladen. Im Winter verhindert übrigens eine optional erhältliche Wärmepumpe, dass für die Heizung zu viel Energie verbraucht wird.

Die Preise für den Kia e-Niro mit der kleinen 39-kWh-Batterie beginnen bei 35 290 Euro und für den mit der 64-kWh-Batterie bei 39 090 Euro. Dafür bekommt man ein fast voll ausgestattestes Fahrzeug mit Spurhalteassistent, Diebstahlwarnanlage, Frontkollisionswarner mit Fußgängererkennung, Müdigkeitswarner, Rückfahrkamera und vielem mehr.

In der zweiten Ausstattungslinie sind dann für 3000 Euro Aufpreis unter anderem ein Siebenzoll-Navi, Parksensoren hinten, Sitzheizung und die Wärmepumpe enthalten. In der „TOP“-Version für weitere 3000 Euro gibt es zusätzlich LED-Licht, ein Premium Sound-System, ein Achtzoll-Navi und Parksensoren vorne.

Der Testwagen kostete 46 870 Euro abzüglich der Hersteller- und der öffentlichen Förderung von zur Zeit 4000 Euro. Mit der mittleren Ausstattungslinie bekommt man somit nach der Förderung ein voll strecken- und alltagstaugliches Fahrzeug für unter 40 000 Euro.

Bei einem durchschnittlichen Testverbrauch von 18,2 kWh stehen dem höheren Anschaffungspreis damit nur 5,28 Euro an Stromkosten pro 100 Kilometer gegenüber.

Der Kia e-Niro ist besonders mit der großen Batterie ein voll alltags- und streckentaugliches Elektrofahrzeug zu einem vergleichsweise günstigen Preis. Neben dem großen Fahrspaß, den ein solches E-Auto bereitet, ist er handlich, bietet viel Platz und ist voll ausgestattet. Was will man mehr?