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Test Jaguar I-Pace EV 400 Außen schick und dynamisch, innen komfortabel und geräumig / Zwei E-Motoren mit je 200 PS

Sportliches Elektro-SUV mit Reichweite

Archivartikel

Der I-Pace kombiniert elektrische Leistung mit einem für Jaguar typischen Design. Nebenbei begeistert der sportliche Stromer mit beeindruckenden Fahrleistungen.

Man nehme zwei Elektromotoren mit je 200 PS, platziere einen an der Vorder- und einen an der Hinterachse, den Zwischenraum fülle man mit Batteriezellen auf, die zusammen 90 Kilowattstunden an Leistung bringen, und baue darum eine schnittige Karosserie. Fertig ist das vollelektrische SUV, wobei die Betonung dabei auf dem ersten Buchstaben „S“ für „Sport“ liegt.

Nein, ganz so einfach war es sicher für die Jaguar-Ingenieure nicht, ein völlig neues, vollelektrisches Fahrzeug wie den I-Pace zu konstruieren. Und das ist ihnen in einer Rekordzeit von vier Jahren vor fast allen anderen Herstellern gelungen. Denn der I-Pace wurde bereits vor zwei Jahren nach dem F- und dem E-Pace als drittes Mitglied der am meisten nachgefragten SUV-Reihe von Jaguar vorgestellt.

Auf den ersten Blick wirkt der I-Pace von der Seite sehr futuristisch. Mit seiner stark abfallenden Dachlinie, den breiter werdenden Schwellern und der Zweifarblackierung wurde ihm die SUV-typische Schwere genommen. Die kurzen Überhänge vorne und hinten betonen zusätzlich seine Sportlichkeit und versprechen entsprechende Fahrleistungen.

Drückt man auf die Fernbedienung, fahren die Türgriffe heraus. Die Türen wie auch die Sitze außen sind mit einem grauen, typisch englischen Stoff überzogen. In der Kombination mit dem Alcantara der Sitzfläche und auf dem Armaturenbrett wirkt der Innenraum auf den ersten Blick angenehm wohnlich und nicht eher kalt, wie eine reine Ledervariante. Die Sitze bieten guten Seitenhalt und sind bequem. Armaturenbrett und Mittelkonsole mit ihren Chromelementen und den schwarzen Klavierlackflächen wirken so, wie man es bei einem Oberklassefahrzeug erwartet.

Für ein Fahrzeug mit 4,70 Metern Länge bietet der I-Pace besonders mit der optional erhältlichen Luftfederung (1571 Euro Aufpreis) und dem adaptiven Fahrwerk (1094 Euro) erstaunlich viel Platz und Komfort für die Insassen, was auch auf den mit fast drei Metern recht langen Radstand zurückgeführt werden kann. Der mit 0,29 geringe Cw-Wert und die dafür als Voraussetzung gute Aerodynamik lässt die Insassen auch bei hohen Geschwindigkeiten leise dahin gleiten. Auch komfortables Cruisen ist im I-Pace jederzeit möglich – genauso wie auch sportliches Fahren. Mit 638 Litern Kofferraum bietet er zudem überdurchschnittlich viel Ladevolumen.

Bei einer Systemleistung von satten 400 PS erreicht der I-Pace nach nur 4,8 Sekunden die 100 km/h-Marke. Durch das mit 696 Newtonmetern immense Drehmoment wird man beim Beschleunigen geradezu in den Sitz gedrückt. Die gleichmäßige Gewichtsverteilung und der durch die tief angeordneten Batterien niedrige Schwerpunkt verleihen ihm eine hervorragende Straßenlage.

Zusammen mit der direkten Lenkung lassen sich hohe Kurvengeschwindigkeiten erzielen. Von den Fahrleistungen her lässt der I-Pace somit keine Wünsche offen.

Kommen wir zum leidigen Elektrofahrzeug-Thema: der Reichweite. Nach WLTP-Norm soll die 90 Kilowattstunden-Batterie für 470 Kilometer ausreichen. Das kann man allerdings höchstens im Stadtverkehr schaffen. Bei reiner Landstraßenfahrt sind unter Einhaltung aller Geschwindigkeitsbegrenzungen und dem einen oder anderen Überholmanöver aber schon durchaus 400 Kilometer drin. Auf der Autobahn muss man bei Richtgeschwindigkeit nach 300 bis 350 Kilometern an die Ladesäule.

An der 100-kW-Ladesäule am Rasthof Ob der Tauber stieg die Kapazität in einer halben Stunde von 33 auf 83 Prozent. Nach etwas über einer Stunde war die Batterie dann wieder ganz voll. Da ja die Batterie niemals ganz leer ist, kann sie an der heimischen Wallbox in der Regel über Nacht vollgeladen werden. Insgesamt zeichnet sich der I-Pace also durch eine ordentliche Reichweite und gute Nachladezeiten aus. Bei zwei vergleichbaren reinen Elektrofahrzeugen zweier deutscher Hersteller liegt die Reichweite darunter.

Ein Premiumfahrzeug hat auch seinen Preis. Die I-Pace-Preisliste beginnt in diesem Halbjahr aufgrund der Reduzierung der Mehrwertsteuer bei 75 351 Euro. Dafür erhält man ein schon gut ausgestattetes Fahrzeug.

Die Aufpreisliste ist dementsprechend kurz. Metallic-Lackierung kostet 1014 Euro zusätzlich. Ledersitze und LED-Scheinwerfer bekommt man auch über die SE- (9943 Euro) oder HSE-Ausführung (16572 Euro).

Der Jaguar I-Pace bietet sowohl den Komfort eines Oberklasse-Fahrzeugs als auch die Agilität eines reinen Sportwagens. „Damit ist er das ideale Fahrzeug für sportlich dynamische Fahrer“, könnte demnach der Werbeslogan heißen. Viel Platz für die Insassen und ein großer Kofferraum sowie eine in der Regel ausreichende Batterie verleihen ihm aber auch eine hohe Alltagstauglichkeit.