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Test VW Passat GTE Variant Mittelklasse-Ikone auf dem neuesten Stand der Technik / Rund 50 Kilometer emissionsfreie Reichweite / Systemleistung von 218 PS

Rein elektrisch durch den Alltag

Er ist der erfolgreichste Mittelklassewagen der Welt. Der VW Passat wurde bereits mehr als 30 Millionen Mal verkauft. Als Plug-in-Hybrid trägt die neueste Version die Bezeichnung GTE.

Er ist das erste Modell einer neuen Generation von Volkswagen Plug-In-Hybridmodellen mit deutlich größerer Reichweite. Gut 50 Kilometer sind rein elektrisch drin. Im Alltag reicht das – sofern man nicht zur Gruppe der Langstreckenpendler zählt – für die Fahrt zur Arbeit und zurück. Falls nicht, dann aber doch bestimmt für alle Kurz- und Mittelstrecken, die man so zu absolvieren hat. Zum Einkaufen in der Stadt oder im Nachbarort, zum Abholen der lieben Kleinen von Kindergarten oder Schule, zum Arzt- oder Restaurantbesuch.

Die Batterie der neuesten Version des Passat GTE hat einen ordentlichen Energieschub erhalten. Das Plus liegt bei mehr als 30 Prozent. Mit nun 13 Kilowattstunden vergrößert sich die elektrische Reichweite auf bis zu 55 Kilometer – 20 mehr als beim Vorgänger. Das verändert das automobile Leben mit dem Passat GTE nicht nur, es gibt ihm einen echten Sinn. Denn nun reicht der vergrößerte Energiegehalt der Batterie wirklich, um die meisten täglichen Distanzen komplett elektrisch und emissionsfrei zurückzulegen.

Im zweiwöchigen FN-Test gelang das überraschend gut. Am Ende war der Benzintank jedenfalls noch zu zwei Drittel voll. Voraussetzung ist natürlich eine hohe Auflade-Disziplin. Will heißen, dass man auch nach einem stressigen Arbeitstag, nach dem man es nicht erwarten kann, zur Familie zu kommen, noch schnell die notwendigen Handgriffe tut: Ladekabel aus dem Kofferraum holen, Stecker eins in die Standard-Steckdose in der Garage, Stecker zwei in die Ladebuchse hinter der fast unsichtbaren Klappe im Kühlergrill, fertig. Dauert nur eine Minute, muss man aber auch immer dran denken, sonst geht der Plan des emissionsfreien Fahrens nicht auf. Am Stromnetz mit 230 Volt über das serienmäßige Ladekabel für 2,3 kW Wechselstrom geschieht das – wäre die Batterie komplett leer – in fünfeinhalb Stunden. An einer Wallbox oder Ladestation mit 360 Volt und optionalem Ladekabel für 3,6 kW Wechselstrom verkürzt sich die Ladezeit auf dreieinhalb Stunden.

Dank eines neu konfigurierten Hybridmodus ist es mit dem Passat GTE zudem deutlich einfacher, auch auf längeren Fahrten ausreichend elektrische Energie zu speichern, um sich etwa in städtischen „Verbrenner-Sperrgebieten“ entsprechend fortzubewegen.

Übrigens startet der Wagen automatisch im „E-Mode“ (lediglich bei nicht ausreichend geladener Batterie oder sehr niedrigen Außentemperaturen übernimmt sofort der 156 PS starke TSI-Motor die Regie). Beim Erreichen eines minimalen Ladestands der Batterie oder bei einer sehr hohen Leistungsanforderung wechselt das Antriebssystem dann automatisch in den Modus „Hybrid“.

Mittels „E-Mode“-Taste kann der Fahrer zudem bei Bedarf und unterhalb von 140 km/h wieder manuell in den emissionsfreien Betrieb umschalten. Da der GTE rein elektrisch nahezu lautlos unterwegs ist, werden Passanten mittels „e-Sound“ auf den Wagen aufmerksam gemacht. Das elektronische Motorengeräusch über einen Schalter im unteren Teil der Mittelkonsole aber auch deaktivieren – etwa beim nächtlichen Rangieren im Wohngebiet.

GTE geht aber auch ganz sportlich: Über die „GTE“-Taste links des Schaltknaufs wechselt der Fahrer in den gleichnamigen Modus und aktiviert damit die agile Seite des Wagens. Gaspedal-, Getriebe- und Lenkungskennlinie sind dann dynamischer – für den Fahrer ist das deutlich zu spüren. Gleichzeitig wird die Abstimmung des TSI leistungsorientierter. Darüber hinaus gehen Benzinmotor und E-Maschine (115 PS) beim sogenannten „Boosten“ eine Art Symbiose ein, um so die volle Systemleistung von 218 PS und das größte maximale Systemdrehmoment abzurufen.

Volkswagen bündelt unter der neuen Dachmarke IQ.Drive die Fahrerassistenzsysteme von heute und morgen auf dem Weg zum autonomen Fahren. Der neue Passat ist der Volkswagen, dessen Assistenzsysteme aktuell die höchste Ausbaustufe von IQ.Drive darstellen. Der als Weltpremiere erstmals in einem Volkswagen eingesetzte „Travel Assist“ ermöglicht das teilautomatisierte Fahren über den nahezu gesamten Geschwindigkeitsbereich bis 210 km/h. Ein integraler Bestandteil des „Travel Assist“ ist das „ACC“ mit vorausschauender Geschwindigkeitsregelung. Die automatische Distanzregelung reagiert auf Tempolimits, Ortschaften, Kurven, Kreisverkehre und Kreuzungen mit entsprechenden Geschwindigkeitsanpassungen. Ergänzt wird das Spektrum durch bekannte und zum Teil in die neuen Assistenzsysteme integrierte Technologien. Dazu gehören der Spurwechselassistent „Side Assist“ plus Ausparkassistent, der Spurhalteassistent „Lane Assist“, der Notbremsassistent „Front Assist“ mit Fußgängererkennung, der Anhängerrangierassistent „Trailer Assist“ und der Parklenkassistent „Park Assist“.

Soviel Technik in Kombination mit Leistung, Komfort und Sicherheit hat aber auch ihren Preis. Rund 45 000 Euro werden für den Passat Variant als GTE in der Basisversion fällig. Angesichts der langen Liste an Extras mit viel Luft nach oben.