1899 Hoffenheim

Hoffenheim Nagelsmann fährt mit großer Zuversicht zum Saison-Eröffnungsspiel beim FC Bayern

Mutig sein – mit und ohne Ball

Archivartikel

Zuzenhausen.Als Julian Nagelsmann bereits im Juni offenbarte, dass die morgen startende 56. Bundesliga-Saison seine letzte als Trainer der TSG 1899 Hoffenheim sei, prophezeiten nicht wenige „Fußball-Experten“, dass der junge Coach mit einer gewissen Professionalität die letzten Monate im Kraichgau irgendwie herunterreißen würde. Nichts da! Der 31-Jährige ist heiß. Seine Augen funkeln, wenn er über seine Mannschaft und das morgige Spiel beim FC Bayern München (20.30 Uhr/ZDF) spricht, aus seinen Worten hört man den puren Ehrgeiz. „Ich habe sie mehrfach beobachtet. Sie sind unglaublich gut. Ich habe aber trotzdem ein gutes Gefühl. Es ist möglich, dort zu gewinnen.“

Nagelsmann ruderte gestern, auch knapp zweieinhalb Wochen nach seiner ambitionierten „Meister-Aussage“, nicht zurück: „Wir sind nicht der einzige Bayern-Jäger. Alle sollten alles dafür tun, die Bayern anzukratzen. Am besten, wir fangen am Freitag damit an.“ Und wie will er das machen? „Es geht in erster Linie um Mut. Wir müssen mutig mit Ball sein. Wenn die Bayern zu viele Ballbesitzphasen haben, wird es einfach zu schwer. Dazu müssen wir mutig und variantenreich verteidigen“, sagte er.

Viermal hat 1899 Hoffenheim unter der Regie von Nagelsmann gegen den FC Bayern gespielt, und der junge Coach ist im Moment der einzige Trainer in der Bundesliga, der eine positive Bilanz gegen den Rekordmeister aufweisen kann: Zwei Siege, ein Unentschieden und eine Niederlage.

Doch nicht diese Bilanz macht ihn zuversichtlich für den morgigen Saison-Eröffnungs-Kick, sondern seine Mannschaft. „Es ist für mich keine Abschiedstournee. Ich brenne für diese Aufgabe. Ich habe Bock auf diese Mannschaft und sitze auch gerne mal mit den Spielern zusammen und rede Blödsinn“, ließ er in das, trotz des Leipzig-Wechsels, intakte Innenverhältnis zwischen ihm und der Mannschaft blicken. Dass ihm die Profis weiter bedingungslos folgen, hat man während der achtwöchigen Vorbereitung nicht nur in den Testspielen und zuletzt in der DFB-Pokal-Begegnung gegen Kaiserslautern gesehen, sondern auch in fast jeder Trainingseinheit: „Wir waren immer gut auf dem Gaspedal“, sagte er zufrieden und unterstrich erneut, dass sein Team zwar nicht „fünf Klassen besser“ sei als vorige Saison, aber man in ihn vielen Abläufen deutlich stabiler sei als vor zwölf Monaten. Der Kader sei in der Breite „leistungsstabiler“.

Nagelsmann „in Rot“

Deshalb lamentiert Nagelsmann auch nicht herum, weil er aktuell diverse Ausfälle zu beklagen hat: Andrej Kramaric (Knie) wird frühestens in der kommenden Woche wieder mit der Mannschaft trainieren können, Amiri, Demirbay, Rupp und Geiger werden noch wochenlang fehlen, für Hübner wird es für das morgige Spiel nicht ganz reichen. Mittrainiert haben Florian Grillitsch und Havard Nordtveit.

Und Nagelsmann wäre auch nicht während seiner letzten Saison bei der TSG Hoffenheim, wenn ihm nicht weiter der Schalk im Nacken sitzen würde. Mit Blick auf das Spiel morgen und der einstigen „Mantel-Affäre“ sagte er gestern smart grinsend: „Ich habe mir wirklich überlegt, ob ich am Freitag etwas Rotes anziehen soll.“