Konzert - "The Brew" gastierten vor einem handverlesenen Publikum in der Würzburger Posthalle Eine geballte Ladung Bluesrock

Von
Harald Fingerhut
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Jason Barwick ist der Fixstern beim Auftritt von "The Brew" in der Würzburger Posthalle.

© Harald Fingerhut

Würzburg und "The Brew" scheinen keine intensive Liaison einzugehen. Nachdem bei ihrem ersten Auftritt vor einigen Jahren nur wenige den Weg in den B-Hof gefunden hatten, hätte man erwarten können, dass bei ihrem zweiten Gastspiel mehr kommen. Schließlich war die Premiere damals mehr als gelungen, überzeugte das Trio mit einem kraftvollen und mitreißenden Konzert. Doch auch am Mittwoch ist es wie beim ersten Mal: Es findet sich nur ein kleines Völkchen vor der Bühne ein. Und wie beim ersten Mal auch liefern die Briten ein großartiges Konzert ab: Eine rund 100-minütige geballte Ladung Bluesrock sorgt für große Zufriedenheit.

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Wenn der Gitarrist seine Saiten mit einem Geigenbogen bearbeitet und der Drummer seine Sticks wegwirft, um die Felle mit den Händen zu "verdreschen", welches Vorbild aus den 70ern hat wohl die Band? Na ihr Herrschaften um die 60, wer wird das wohl sein? Genau: "Led Zeppelin". Der metallische Bluesrock der Herren Page, Plant, Jones und Bonham steht eindeutig Pate für die Musik der Marke "The Brew".

Im Zentrum der Show steht Jason Barwick. Der Wuschelkopf hüpft wie ein Derwisch über die Bühne und bearbeitet die sechs Saiten im Stil der "Gitarren-Götter" Page und Hendrix, während er von Bassist Tim Smith und seinem Sohn Kurtis Smith am Schlagzeug unermüdlich angetrieben wird.

In den 70ern hätte das Power-Trio sicherlich größere Hallen gefüllt, im Jahr 2017 hingegen ist der handgemachte Bluesrock ein Nischenprodukt. Selbst vom derzeit überall propagierten Retro-Boom können die Briten nicht profitieren, obgleich sie handwerklich einigen der angesagten Bands überlegen sind.

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Ihre Show ist ebenfalls tief verwurzelt in den 70ern. Die Gitarre dominiert. Ein Drum-Solo gibt es auch. Zwar ist es aberwitzig und atemberaubend, wie Kurtis Smith seine Kessel bearbeitet, aber es fällt eindeutig zu lang aus. Doch das ist auch das einzige, kleine Manko des Abends.

Trotz des geringen Zuschauerzuspruchs gibt die Band alles, hat sichtlich Spaß auf der Bühne und mit dem Publikum. Die kleine Fanschar ist bunt gemischt, vom Altrocker bis zum jungen Retro-Rocker ist alles vertreten. Die Band zieht in den rund 100 Minuten alle Register, und man hätte gern, nachdem die letzten Takte der zweiten Zugabe "A Million Dead Stars" verklungen sind, noch einen kleinen Nachschlag gehabt.

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Aber egal, schön war's. Und es hat sich eindeutig gezeigt, dass "The Brew" ihr Potenzial erst auf der Bühne ausschöpfen. Leider gelingt es dem Trio nicht, die Vitalität ihrer Songs auf CD zu bannen. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum nicht mehr gekommen sind.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.