Open-Air - udo Lindenberg bietet 25 000 Fans akustische und visuelle Vollbedienung Der Greis ist immer noch heiß

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Wer hätte das noch vor wenigen Jahren gedacht? "Der Greis ist heiß", lautet der Titel eines der jüngeren Songs von Deutschrock-Urgestein Udo Lindenberg. Und am Samstag bewies der eben 70 Jahre alt gewordene Sänger im Nürnberger Stadion, dass der Titel nicht nur leere Worte sind. Rund 25000 Fans feierten Lindenberg geradezu ab - völlig zu recht.

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Klar: Die schnoddrige Stimme und die zwischen Heimeligkeiten und Gossen-Lyrik wandelnden Texte des Mannes mit dem notorischen Hut sind Geschmackssache. Aber was man Lindenberg neben seiner Lebensleistung, die deutsche Sprache im Rock massentauglich zu machen, lassen muss: Was er während seiner laufenden Tournee, und so auch in Nürnberg zelebriert, ist eine erstklassige Rock-Show. Da ist zum einen die riesige LED-Leinwand und eine Bar auf der Bühne, überall tanzen skurille Figuren, dort rocken seine zahlreichen Mit-Musiker bei erstklassigem Sound.Mittendrin Zeremonienmeister Udo, der seine alten Hits und die seines neuen Albums aufleben lässt und geschlagene zweieinhalb Stunden dem Nürnberger Publikum einen visuell und soundtechnisch runden Abend bietet. Natürlich mit Überraschungsgästen, wie Helge Schneider, der am Saxophon sein Können zeigt. Und Daniel Wirtz, der auch das Vorprogramm der Show bestreitet und mit Lindenberg zu "Cello" noch einmal die Bühne betritt. Dabei fällt auf, wie vielseitig Lindenbergs nun schon über vier Jahrzehnte wachsendes musikalisches Oeuvre ist: Da hört man Hardrock ("Odyssee", "Straßenfieber"), Rock ("Reeperbahn"), Boogie-Sound ("Alles klar auf der Andrea Doria"), schnurgeraden Pop ("Ich will dich begleiten"), Politisches ("Wozu sind Kriege da?") oder die starken Balladen ("Horizont").

Allesamt Klassiker der deutschsprachigen Musik, dargeboten von einem echten Original, das sich nicht stoisch hinter Sonnenbrille und Mikroständer versteckt, sondern richtig Wallung auf die Bühne bringt.

Und am Ende bei "Woddy Woddy Wodka" im selben Astronautenanzug entschwebt, mit dem er bei der vorigen Tournee das Konzert eingeleitet hatte. Am Ende ist jeder überzeugt: Egal, auf welchem Stern Udo landet, er darf gerne wieder kommen. ivl