FN-Interview - Das Duo Kratzer/Theis gibt am 12. August ein Jubiläumskonzert im Kloster Bronnbach "Absolut motiviert"

Von 
Sabine Holroyd
Lesedauer: 

Paul Theis (Links) und Bernhard Kratzer gastieren am 12. August im Kloster Bronnbach.

© Konzertagentur Jung

Die "Königin der Instrumente und das Instrument der Könige" geben sich am Samstag, 12. August, um 19 Uhr ein Stelldichein in der Klosterkirche von Bronnbach. Bernhard Kratzer, gefeierter Solotrompeter des Staatsorchesters Stuttgart und bekannt für seine herausragenden CD-Einspielungen, gastiert dort einmal mehr mit Paul Theis. Seit 20 Jahren ist der Preisträger namhafter Orgelwettbewerbe der kongeniale, musikalische Partner des Ausnahmetrompeters. Im FN-Interview gestand Kratzer unter anderem, dass er sich als Kind öfters einmal die Trompete seines Vaters "auslieh".

AdUnit urban-intext1

Herr Kratzer, das Duo Kratzer/Theis feiert 20. Jubiläum, "Porzellanhochzeit" quasi. Wenn Sie auf diese 20 Jahre zurückblicken - was ist Ihnen da besonders in Erinnerung geblieben?

Bernhard Kratzer: Ganz ohne Zweifel der Beginn unseres Zusammenwirkens. Unvergessen das erste Treffen bei mir zu Hause im Wohnzimmer zum persönlichen Kennenlernen und Besprechen einer möglichen künftigen Zusammenarbeit. Bis dahin hatten wir lediglich miteinander telefoniert. Kollege Theis ging das Wagnis ein und hat für die 'erste Konzertserie' zugesagt - nicht ahnend, dass er 20 Jahre später noch immer mit an Bord sein sollte.

Auch unsere ersten gemeinsamen Konzerte, das musikalische 'Zusammenraufen', bleiben unvergessen, nachdem ich durch die jahrelange Erfahrung zusammen mit Monika Nuber in dieser Instrumentalbesetzung längst meinen eigenen Aufführungsstil, meine Klanggewohnheiten und Repertoirevorstellungen entwickelt hatte.

AdUnit urban-intext2

Sicherlich nicht ganz einfach für einen neuen Kollegen, der sich möglichst nahtlos einfügen, gleichzeitig die Hörerwartungen des Publikums erfüllen und trotzdem seine eigene Persönlichkeit mit einbauen sollte.

Dies ist ihm, wie man heute weiß, aber bravurös gelungen. Und über die Tatsache, dass Paul Theis mir wegen meiner Unfallverletzungen noch eine ganze Zeit lang bei Proben und Auftritten das Equipment mit Instrumente, Notentasche etc. auf die Empore schleppte, schmunzeln wir heute beide.

AdUnit urban-intext3

Sie geben gemeinsam Konzerte - haben Sie auch außerhalb Ihres Berufes Gemeinsamkeiten?

AdUnit urban-intext4

Kratzer: Ich glaube, da haben wir mittlerweile eine sehr gute Mischung gefunden. Nach Tourneen treffen wir uns regelmäßig privat zusammen mit unseren Familien. Auch besondere Geburtstage bieten immer wieder entspannte Möglichkeiten, sich vom Alltagstrott zu befreien. Trotzdem ist stets genügend Abstand, auch während anstrengender Konzerttouren, geboten.

Sie verstehen sich mittlerweile bestimmt blind, oder?

Kratzer: Das mag schon sein. Hier läge natürlich sicher auch die Gefahr einer sogenannten 'Routine-Bindung' - wenn wir beide nicht so wären, wie wir sind. Paul Theis ist ein absolut spontaner, in mancher Hinsicht sogar fast unberechenbarer Typ. Nie langweilig, immer in Bewegung, immer rastlos. Er verfügt zudem über ein enormes Repertoire, das sich zudem stets ausweitet.

Ich selbst bin von Perfektionismus geprägt, versuche auch nach zig Jahren und hunderten von Auftritten vor jedem Konzert immer wieder noch an Details zu arbeiten, die eigentlich schon längst abgeschlossen schienen. Musik aber lebt weiter und muss stets der wandelnden Zeit, der persönlichen Entwicklung angepasst werden.

Wann hielten Sie eigentlich das erste Mal eine Trompete in der Hand?

Kratzer: Das kann ich nicht mehr genau sagen. Mein Vater spielte Trompete im Musikverein und war dort durch seine regelmäßigen Soloauftritte mein erstes Vorbild. Mein Wunsch, ihm nachzueifern, entstand schon sehr früh. Zu früh, um gleich einen Unterrichtsplatz in der Musikschule zu bekommen. So musste ich als Achtjähriger zuerst zwei Jahre als Akkordeon-Schüler überbrücken. Heimlich, während mein Vater tagsüber bei der Arbeit war, konnte ich mir aber immer wieder seine Trompete schnappen und ausprobieren, wie so ein Mundstück schmeckt.

Wann bekamen Sie Ihre erste eigene Trompete? Haben Sie sie heute noch?

Kratzer: Mit zehn Jahren erhielt ich endlich Trompetenunterricht in der Musikschule in Radolfzell. Im Nachhinein ein Glücksfall. Meine heimlichen Versuche im Vorfeld zeigten zudem auch schnell ihre Wirkung. Schon nach etwa einem Jahr durfte ich die ersten zwei Posten vom 'Der alte Dessauer' im Musikverein spielen.

Ein Jahr später gründeten wir für 'Jugend musiziert' ein Trompeten-Quartett, mit dem wir bald darauf sogar den ersten Bundespreis in Hannover errangen. Irgendwann dazwischen kauften mir meine Eltern meine erste eigene Trompete. Die ist natürlich noch heute in meinem Besitz.

Gibt es ein Instrument, das Sie außer der Trompete gerne beherrschen würden?

Kratzer: Trompete war und ist auch heute noch mein erster Favorit. Wenn ich aber auch am Klavier ähnliche Fähigkeiten hätte, wäre das toll.

Können Sie auch singen?

Kratzer: Zumindest nicht so, dass es jemanden gäbe, der das hören möchte (lacht). Ohne Text, bei guter Laune und tragender Akustik werde ich zu Hause trotzdem gelegentlich von meiner Familie gebändigt... Kollege Paul Theis hingegen ist nicht nur Organist, sondern zudem ein erfahrener Sänger und Chorleiter.

Die Klosterkirche in Bronnbach ist ja fast schon Ihr zweites Wohnzimmer. Welches Verhältnis haben Sie zu diesem Spielort?

Kratzer: Na ja, für ein Wohnzimmer ist die Klosterkirche tatsächlich etwas groß. Aber Sie haben Recht, ich bin seit unserem ersten Konzert 1996 immer wieder und regelmäßig hier zu Gast. Damals noch mit Kollegin Monika Nuber führte unser Agent Joachim Jung sozusagen als Experiment ein erstes Konzert mit uns in der Klosterkirche durch, das beim Publikum gleich erfreulich gut ankam. 2002 erfolgte zudem die Gründung des Fördervereins 'Bronnbacher Klassik' - ein weiterer, wichtiger Schritt, Bronnbach einem großen und überregionalen Publikum näher zu bringen. Wir sind natürlich auch ein bisschen stolz darauf, die Bronnbacher Konzertreihe durch unser Engagement seit 1996 bis heute entscheidend mit gestaltet zu haben. Inzwischen kennen wir jeden Klangwinkel in der Kirche, jedes Staubkorn in der Orgel, sind längst mit den Verantwortlichen vertraut und freuen uns sehr auf unser Jubiläumskonzert.

Worauf kann sich Ihr Publikum in Bronnbach besonders freuen?

Kratzer: Auf zwei absolut motivierte Solisten, die gerade wegen der 20 gemeinsamen Jahre sehr daran interessiert sind, auch in Zukunft durch abwechslungsreiche und kurzweilige Programme neue Fans zu gewinnen und solche, die uns schon längst hinterherreisen, weiter zu begeistern.

Dieses Mal sind unter anderem Trompetenwerke von Albinoni und Händel (Wassermusik-Suite), sowie Orgelwerke von Bach, Haydn und Mendelssohn-Bartholdy geplant.

Redaktion Im Einsatz für die Lokalausgabe Tauberbischofsheim