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Thronjubiläum

London: Die "Royal Family" und weitaus mehr

Das diesjährige Platin-Jubiläum von Königin Elizabeth II. ermöglicht interessante Blicke auf das royale London. Doch die britische Metropole hat natürlich weit mehr zu bieten.

Von 
Konstantin Groß
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In diesem Jahr präsentiert sich London (hier Big Ben) auf Grund des Thronjubiläums der Queen ganz im Zeichen patriotischer Attribute. © Konstantin Groß

Der junge Mann, den wir auf der Terrasse des Hotels treffen, kommt aus Kolumbien. Er hat eine Reise um die halbe Welt hinter sich – „mit Zwischenstopps gut 25 Stunden“, erzählt er. Und das alles, um im fernen Europa das Thronjubiläum der Queen mitzuerleben. Der Südamerikaner ist nicht der einzige, der sich deswegen dieses Jahr nach London aufmacht.

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Da stellt sich zunächst die Frage nach der Anreise. Wir nehmen diesmal die Bahn, also die Fahrt durch den Tunnel unter dem Ärmelkanal. Die Begleiterscheinungen (Einchecken zwei Stunden vor Abfahrt und strengste Sicherheitskontrollen) ähneln eher einem Flieger als einem Zug. Nur 20 Minuten braucht es für die 50 Kilometer lange Tunnelstrecke 75 Meter unter dem Meeresgrund – irgendwie aber ein seltsames Gefühl. Erst recht, wenn man den Thriller „S. A. S. Red Notice“ kennt.

Tipps für Besucher

Anreise: Zum Beispiel mit der Bahn: Drei Stunden von Mannheim nach Paris, dort einige hundert Meter zu Fuß vom Gare de l’Est zum Gare du Nord, zum Einchecken für die Fahrt im Tunnel unter dem Ärmelkanal.

Zeit: In England gehen die Uhren anders: eine Stunde früher.

Geld: In London gilt nicht der Euro, sondern das Pfund. Ein Pfund ist etwa 1,20 Euro. Im Vorfeld viel umtauschen muss der Reisende aber nicht. Ohnehin wird zumeist mit der Kreditkarte bezahlt, seit Corona auch das Taxi, sogar der Eintritt zur öffentlichen Toilette.

Hotels: Auf dem Süd-Ufer der Themse sind sie günstiger als auf dem nördlichen, wo das Regierungs- und Geschäftsviertel liegt. Frühstück natürlich „Englisch“: Eier und Speck, viel Toast, selten Brötchen, kaum „normales“ Brot.

Essen/Trinken: Nationalgericht „Fish & Chips“ (Bratfisch und Pommes), dazu Guinness (Bier).

Nahverkehr: optimal! Die Busse (immer noch zumeist rote Doppeldecker) einer Linie kommen alle neun bis zwölf Minuten, großteils auch nachts. Ideal, um von einem auf das andere Themse-Ufer zu kommen, ist die Linie 44. Am besten bereits von zu Hause aus eine Wochenkarte buchen. -tin

Und welcher Zeitpunkt ist richtig, um die Royals zu sehen? Natürlich, wenn sie groß feiern wie in diesem Jahr, zum Platin-Thronjubiläum der Queen. Doch gerade dann wollen das ja sehr viele, Menschenmassen sind unterwegs. Um ihrer Herr zu werden und aus Sicherheitsgründen sind viele Locations weit abgesperrt. Bei der Feier Anfang Juni etwa haben die meisten nur etwas im Himmel gesehen – als Helikopter die Zahl 70 bildeten und Düsenjets die Nationalfarben in die Wolken malten.

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Wenn Royals vorbeifahren

Mehr Glück hat man kurioserweise im Alltag. Einfach auf Polizeimotorräder achten, die einen Autokonvoi anführen. Nicht selten sitzt ein Royal drin. Wie etwa an jenem Sonntag, 12.20 Uhr, vor der Royal Albert Hall: Prinzessin Kate winkt in einem roten Kostüm. Solche „Begegnungen“ sind übrigens gar nicht so selten – immerhin leben die Royals ja hier und müssen auch von A nach B.

Doch an Festtagen steht die ganze Stadt in ihrem Zeichen. Nahezu jedes Schaufenster gratuliert „Her Majesty The Queen“, überall Union Jacks, sogar in die Muffins gesteckt, beim Frühstück im Hotel. Im Foyer steht für Selfies eine Pappfigur der Queen in Originalgröße bereit. „Wie klein sie doch ist“, staunt eine Dame. Und wer es noch realistischer haben will – in Madame Tussauds berühmtem Wachsfigurenkabinett sind die Royals lebensnah nachgestellt.

Ganz ernsthaft geht es dagegen bei den legendären Kronjuwelen zu. Im Tower verwahrt, streng gesichert. Nach Passieren der wanddicken Stahltür fährt der Tourist auf einem Laufband langsam an ihnen vorbei.

Zum Ziel eines Trips unter dem Motto „Queen“, da gehört natürlich auch ein Besuch in der Westminster Abbey, Krönungs- und Grabeskirche der Monarchen. Aber auch Geistesgrößen haben hier ihren Platz: Newton, Darwin, Stephen Hawking sind auf Bodenplatten verewigt.

Ganz anders der Charakter in der St. Paul‘s-Kathedrale, Ort wichtiger Gottesdienste für die Royals wie dem zu Ehren der Queen Anfang Juni mit Charles, William & Co. Angesichts dessen frappierend die Bestuhlung: Sitze wie aus dem Möbelmarkt.

Jüngere britische Geschichte begegnet dem Besucher im Winston-Churchill-Museum. Ein Muss, weil Geschichte zum Anfassen, ein Meisterstück der Museumspädagogik. In jenen originalen Räumen, in denen der große Premier den Krieg führte. Und sie kommen uns auch bekannt vor – ja, aus dem Oscar-prämierten Kinofilm „Die dunkelste Stunde“.

Apropos Film: Flanieren vor einem unscheinbaren, aber legendären Bürobau an der Vauxhall-Bridge: der Zentrale des Geheimdienstes MI 6, weltbekannt aus jener James- Bond-Folge, in der Bösewicht Blofeld ihn in die Luft jagt. Doch wir können die beruhigende Botschaft vermelden: Der Bau steht noch.

Ebenso wie Big Ben. Der Turm am Kopfe des Parlamentsgebäudes ist erstmals seit langem ohne Gerüst zu sehen, glitzert frisch in der Sonne. Eine Besichtigung des Parlaments ist aber kompliziert. Langfristige Buchung im Web ist notwendig, früheste Termine schon jetzt erst Ende Juli. Die Downing Street, Sitz des Premiers, ist gar komplett abgeriegelt.

Auf der Tower Bridge, technisch und architektonisch ein Schmuckstück, geht es über die Themse – zu zwei kulturellen Highlights: dem Nachbau von Shakespeares Globe Theatre und der Tate Galery für moderne Kunst. In der alten Fabrikhalle steigt gerade eine Performance: Ein japanischer Künstler formiert mit einem Besen Sand auf dem Boden.

Überhaupt das rechte Themse-Ufer. Früher Hafengebiet, ist es heute eine einzige Gastro-Meile mit Cafés und nachgebauten historischen Kneipen wie dem „Anchor“ – man weiß gar nicht, wo man einkehren soll. Und dazwischen die zu Stränden umfunktionierten Piers, Ort von etwas typisch Englischem: Picknick. Ansonsten gibt’s leider nur noch wenig Typisches: Die roten Telefonzellen werden ersetzt, auch die klassischen Taxis sieht man kaum mehr.

Mit dem Bild aus Reiseführern oder unseren alten Englisch-Schulbüchern, die auf ihren Covern steife Herren in schwarzen Anzügen mit Bowler in einer Schlange zeigten, haben die Londoner längst nichts mehr gemein. Sie sind so locker drauf wie überall auf der Welt. Nur eine macht eben den Unterschied: die Queen.

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