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In den Fußstapfen der Gendarmen

84 Kilometer zieht sich Dänemarks Gendarmenpfad vom Grenzort Padborg bis nach Skovby auf der Insel Als. Die küstennahe Wanderung führt an Strände, über Klippen und durch Wälder und mitten hinein in die deutsch-dänische Geschichte.

Von 
Bernadette Olderdissen
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Auf dem Broagerland patrouillierten einst die Gendarmen. © Bernadette Olderdissen

Dort, wo heute Menschen mit Wanderrucksäcken und -stiefeln durch Sand, über Gras und Steine stapfen, marschierten zwischen 1839 und 1858 dänische Grenzgendarmen die Flensburger Förde entlang. Ihre Aufgabe: Schmuggler fassen, die den Zoll für Waren von oder nach Dänemark umgehen wollten. An diese Polizisten erinnern heute noch die blauen Gendarmenfiguren auf weißem Hintergrund, die den Pfad ausschildern. In vier oder fünf Tagesetappen begibt man sich auf die Spuren deutsch-dänischer Geschichte und der regionalen Ziegelstein-Tradition. Dabei erlebt man Landschaftsformen von Sandstränden bis hin zu Küstenwäldern und Tälern, schlemmt den dänischen Kult-Hotdog und genießt jede Menge Hygge.

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„Eigentlich gibt es keinen richtigen Anfang und kein Ende des Gendarmenpfads, denn jeder Gendarm patrouillierte auf seinem eigenen Abschnitt“, sagt Allan Thomsen, der Wanderer zum gewünschten Ausgangspunkt fährt. Und doch markieren die putzigen Gendarmenschilder heute einen klaren Startpunkt des angeblich schönsten Küstenwanderwegs von Dänemark – oder das Ende, wenn man andersherum läuft: die Stelle in Padborg, wo am 9. April 1940 drei Gendarmen ermordet wurden. „Den Täter fand man nie“, erzählt Thomsen.

Dänemark

Anreise

Mit dem Zug via Hamburg nach Padborg, www.bahn.de.

Unterkunft

An der Strecke kann man an ausgewiesenen Stellen oder an Unterständen mit Grillmöglichkeiten direkt am Weg campen bzw. übernachten, Details finden sich unter www.gendarmsti.dk/de/ruhe-aus/uebernachtung. Sønderhav: Liebevoll eingerichtete, großräumige Apartments und ausgiebiges Frühstück an einem alten Hof: Visherredgaard, DZ/F oder Ü/F ab 85 Euro, www.visherredgaard.dk/defaulttysk.asp Gammelmark: Saubere, geräumige Zimmer mit Gemeinschaftsbad am Campingplatz: Gammelmark B&B, DZ/F ab 80 Euro oder Ü/F ab 74 Euro pro Person, www.gammelmark.dk/de/campingpladsen/bed-and-breakfast-gammelmark-strand-camping/ Sønderborg: Das Hotel Arnkilhus Garni ist ein familiengeführtes Hotel mit einfachen Zimmern etwa einen Kilometer vom Hafen entfernt. DZ/F ab 104 Euro oder Ü/F ab 87 Euro pro Person, arnkilhus@mail.dk

Sehenswertes

Grenzsteine bei Padborg Erdtelefon in Kollund Skov Annies Kiosk in Sønderhav Egernsund Brücke und Kirche, www.egernsund.de Broager Kirche, www.broagerkirke.dk Ziegelsteinmuseum Cathrinesminde, https://msj.dk/cathrinesminde/ Geschichtszentrum Dybbøl Mølle in der alten Düppeler Mühle, https://184.dk

Allgemeine Informationen

Visit Denmark, www.visitdenmark.de, Sønderjylland, www.visitsonderjylland.de Sonderborg Tourismus, www.visitsonderborg.de

Bald lugen die ersten von 280 Grenzsteinen mit dem Buchstaben D für Dänemark und DRP für Deutsches Reich Preußen aus dem Waldboden, an Feldern oder Brücken – und am Grenzübergang von Rønsdam ein metallenes „Erdtelefon“. Dies führt unterirdisch bis nach Deutschland und erlaubte die grenzübergreifende Kommunikation. Dass die Grenze an dieser Stelle verläuft, liegt an einer demokratischen Abstimmung von 1920: Nach dem Ersten Weltkrieg sollten die Bürger entscheiden, ob die Region fortan zu Dänemark oder zu Deutschland gehören soll. Dieser Entscheidung ist zu verdanken, dass man heute im von der Eiszeit geprägten Tal Tunneldalen auf dänischem und nicht auf deutschem Tonboden wandert. Doch die Geschichte wird nebensächlich, wenn der Weg hineinführt in den hügeligen Kollund-Küstenwald, der sich zunehmend natürlich entwickeln darf. Voller mächtiger Eichen und mit romantischen Holzunterständen zum Übernachten, wo schon mal ein Schwarzspecht innerhalb von zwei Sekunden an die 20-mal gegen die Baumrinde trommelt. Direkt am Gendarmenpfad gibt es auch Kult-Essen: den Hotdog von Annies Kiosk in Sønderhav. „Wer am Dienstagnachmittag herkommt, muss lange anstehen, denn dann treffen sich dort Hunderte von Bikern“, warnt Mogens Winge, der auf seinem Hof Visherredgaard unweit des Kiosks Apartments vermietet. Doch die Stärkung lohnt sich, bevor es mit Blick auf die beiden Okseør – die sagenumwobenen Ochseninseln – weitergeht in Richtung bogenförmiger Hügel und vorbei an Stränden, die ihre eigene Geschichte erzählen. Vor allem ist es die von steinfreiem Ton, der hier die Grundlage der Ziegelindustrie bildete.

Mancherorts zieren ganze Ziegelsteine die Strände und kündigen das nahe Egernsund an, Herz der Ziegelindustrie, dessen rote Seemannskirche natürlich aus regionalem Stein besteht. Wer mag, stattet einige Kilometer weiter dem Ziegelsteinmuseum von Cathrinesminde einen Besuch ab. Ebenso rot wie die Ziegelsteine stechen auf diesem Abschnitt rote Apfel-Symbole an den Wegweisern ins Auge – ein Hinweis auf Dänemarks Nationalapfel aus dem bei Egernsund gelegenen Gråsten.

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Die große Halbinsel Broagerland wartet mit dem idyllischsten Teil des Gendarmenpfads auf. Oft führt der Weg direkt am Meer entlang, mal über sandige oder steinige Strände, zwischen Kragesand und Gammelmark auch auf Klippen mit Weitblick. Den Wegesrand zieren im Herbst Hagebutten- oder Sanddornsträucher, während Kormorane auf Felsen im Meer ihre Flügel zum Trocknen ausbreiten oder Austernfischer und Seeadler auf Beute lauern. Der „Liebestunnel“ östlich von Kragesand, wo sich die Bäume über einen Abhang beugen, lädt Liebende zur Rast und zum Kuss – ebenso wie manch abgeschiedene Bucht, die bei Hochwasser überspült sein kann.

Am Horizont zeichnen sich lange die Doppeltürme der Kirche von Broager ab, später rücken die Windmühle und die dänische Flagge am Geschichtszentrum von Dybbøl Banke – wo die Preußen die Dänen 1864 in einer verheerenden Schlacht besiegten – in den Blick. Noch mehr deutsch-dänische Geschichte hat die Ausstellung in Schloss Sønderborg. Der Ort mit knapp 30 000 Einwohnern bietet sich an, um ein wenig Stadtluft zu schnuppern und am Hafen zu schlemmen, bevor die hübsche Strandpromenade in den Wald Sønderskov hineinführt.

Immer wieder schweift der Blick über Strände und Klippen, bis sich kurz vor Høruphav das Naturschutzgebiet Trillen ausbreitet. Wer aufpasst, entdeckt die „Syv Søstre“ – wobei die sieben Schwestern nicht etwa hübsche Däninnen sind, sondern über 100 Jahre alte Schwarzkiefern. Ist Skovby am Ende erreicht, wünscht man sich, die Gendarmen wären weiter nach Osten marschiert und man könnte die Natur und Geschichte dieser spannenden Region noch weitere Tage durchstreifen.

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