AdUnit Billboard
Geburtstag - US-Schriftsteller Don DeLillo wird an diesem Samstag 85 jahre alt

Ein Chronist der amerikanischen Ängste

Von 
dpa
Lesedauer: 
Schriftsteller Don DeLillo (Aufnahme aus dem Jahr 2013). © Sebastien Nogier/EPA/dpa

Dass Don DeLillo manchmal in einem kleinen, etwas altmodischen Paralleluniversum lebt, zeigt sich schon an seinem Schreibinstrument. „Ich benutze eine alte, gebrauchte Olympia, die ich 1975 gekauft habe“, erzählte DeLillo im vergangenen Jahr dem „Guardian“. Er möge die große Schrift, die es ihm ermögliche, die Wörter auf der Seite klar und im Bezug zum gesamten Satz zu sehen. Diese Klarheit ist es, mit der der US-Schriftsteller seit knapp 50 Jahren seine Heimat mit kritischem Blick seziert und das verstörende Bild einer Massen- und Medienwelt entwirft, die dem Einzelnen keine Chance lässt. DeLillo ist ein Meister darin, seine Leser mit Gefühlen der Einsamkeit und Entfremdung, mit Verlust und Verschwörungen zu konfrontieren. Am Samstag (20. 11.) wird er 85 Jahre alt.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Als einer der Favoriten für den Literatur-Nobelpreis gilt DeLillo spätestens seit seinem 1997 erschienenen Roman „Underworld“ (dt.: „Unterwelt“). Zusammen mit Philip Roth, Thomas Pynchon und Cormac McCarthy wird er zu den großen Meistern der US-amerikanischen Gegenwartsliteratur gezählt. Kritiker bezeichneten seine Alltagsbeschreibungen als klug, witzig und manchmal giftig. Das Epos „Unterwelt“ machte den Sohn einfacher italienischer Einwanderer auch international zum Star. In dem 800-Seiten-Buch liefert er ein grandioses Kaleidoskop der USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es war der elfte Roman DeLillos, und erstmals klang darin seine eigene Geschichte an. In der Bronx in New York aufgewachsen, studiert er Theologie und Philosophie und hält sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser. Mit 28 kündigt er als Werbetexter und wird Schriftsteller. 1971 stellt er sein Debüt „Americana“ vor, eine Geschichte über den Ausstieg eines Filmemachers aus der Kinomaschinerie. Für sein Werk wurde er vielfach ausgezeichnet. Für „Weißes Rauschen“, eine bittere Satire über die Bedrohung einer Kleinstadt durch eine Giftwolke, erhielt er 1985 den National Book Award, für „Mao II“ 1992 den PEN-Faulkner-Preis.

Mehr als 15 Romane hat er bisher geschrieben. Im Alter, so bemerkte er zuletzt, laufe auch der Schreibprozess nicht mehr so wie früher: „Aber ich bin auch viel langsamer. Ich bin nicht älter und weiser. Ich bin nur älter und langsamer“. Zuletzt kam 2020 der Kurz-Roman „The Silence“ heraus, bei dem es um den kompletten Kollaps der digitalen Struktur in den USA im Jahre 2022 geht. Wenn es soweit wirklich käme, kann wohl nur eine Schreibmaschine helfen. dpa

Autor

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1