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Lesung - Albert Maier aus „Bares für Rares“ beim Kunstverein Tauberbischofsheim

Zwischen Kunst und Plunder

Von 
Thomas Hess
Lesedauer: 
Eine große Anzahl ansehnlicher Stücke bekamen Albert Maier, Antiquitätenhändler aus „Bares für Rares“, und sein Co-Autor Bernhard Foos bei ihrem Auftrifft im Tauberbischofsheimer Engelsaal zu sehen. © Feuerstein

Eine wunderbar opalisierende, ebenso formschöne wie gewichtige Original-Jugendstilvase von Émile Gallé (1846-1904, im Schätzwert von rund 400 000 Euro) – so etwas Feines bekommt auch ein ausgefuchster, viel bewanderter Kunstschätzer wie Albert Maier nicht alle Tage vorgesetzt und dabei bildete das wertvolle Objekt nur den Gipfelpunkt einer ganzen Reihe ansehnlicher Stücke aus mehreren Jahrhunderten, die von dem seit langem fernsehbekannten (nicht nur aus der Erfolgssendung „Bares für Rares“) Antiquitäten-Experten auf einer öffentlichen Schätzung im „Engelsaal“ des Kunstvereins begutachtet wurde. Natürlich fand sich in der kunterbunten Sammlung, die vom Tafelservice über die bronzene Stutzuhr, vom Ölbild bis zur neugotischen Pietà aus Lindenholz alles Erdenkliche aufwies, auch allerlei Kitsch oder billige Industrieware. Doch gerade der Wechsel von echten Wertobjekten und liebenswertem Plunder, aus Unterhaltung und Belehrung und nicht zuletzt die Reaktion der mehr oder weniger glücklichen Besitzer machen ja den eigentlichen Reiz eines solchen Spektakels aus.

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Sein Hauptdarsteller, eine in vorgerückten Jahren noch imponierende Erscheinung mit ihrer weißen, strähnigen, fast schulterlangen Späthippie-Mähne, der Intellektuellenbrille und eigensinnig-versonnenen Zügen war zusammen mit seinem Freund, Co-Autor und Gesprächspartner Bernhard Foos, einem altgedienten SWR-Fernsehmann, eigentlich gekommen, um aus seinem vor zwei Jahren erschienenen Buch „Der Antiquitätenhändler“ vorzutragen – dies füllte den ersten Teil der Veranstaltung auch recht kurzweilig aus.

Dies lag zum einen an einer Menge hübscher Geschichten und Anekdoten, die sich im Lauf von Maiers nun bald 50 Jahre währenden Karriere als Antiquitätenhändler reichlich angesammelt hatten. Zum Erfolg des Abends trug aber auch die Persönlichkeit und Ausstrahlung des 1948 geborenen gelernten Juristen bei: Man spürt, der knorrige Ellwanger, der in früher Jugend mal in einer Beatband mitgespielt und sich dabei auch im Taubertal umgetan hat, hat nicht nur einiges erlebt, er weiß auch, wovon er spricht, von ihm geht als Person und Gutachter eine naturgewachsene Autorität aus, die einfach aus einer lebenslangen Liebe zur Sache herrührt. Das Interesse daran erwachte zum ersten Mal nach bestandenem Jura-Staatsexamen während seiner Zeit als Gerichtsvollzieher-Praktikant und hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Seine spezielle Liebe gilt der „religiösen Volkskunst“ – kein Wunder, er ist in einem katholischen Elternhaus aufgewachsen. In seiner Kindheit war der Rosenkranz ein vertrauter Gebrauchsgegenstand, in dem sich Sakrales und Profanes durchdrangen. Das ist nun lange her, und starkes Bedauern schwingt mit, wenn Maier den gegenwärtigen Preisverfall gerade für Wertobjekte der unteren und mittleren Kategorie registriert, die immer weniger Liebhaber fänden. „Sammler sind glückliche Menschen“, soll Goethe einmal gesagt haben, für Kunstsammler und - händler gilt das sicher in besonderem Maße, in guten wie in weniger guten Zeiten.

Freier Autor

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