AdUnit Billboard
Mainfranken-Theater - Bellinis Oper „I Capuleti e i Montecchi“ steht in Würzburg auf dem Spielplan

Wohlklang und Tragik vereint

Von 
ferö
Lesedauer: 
Vincenzo Bellinis Oper „I Capuleti e i Montecchi“ begeisterte bei der Aufführung in Würzburg. © Nik Schölzel/Mainfranken Theater Würzburg

Romeo und Julia als das Liebespaar der Weltliteratur beflügelt seit Jahrhunderten die künstlerische Fantasie. Rund anderthalb Jahre nach der geplanten Premiere von Vincenzo Bellinis Oper „I Capuleti e i Montecchi“ als letzte Aufführung im renovierungsbedürftigen Großen Haus am Faulhaber-Platz war jetzt in der Theaterfabrik Blaue Halle die erste Regiearbeit von Mario Pavle Del Monaco für das Mainfranken Theater Würzburg zu erleben. Nach dem Premierenabend zu urteilen, war es eine hörenswerte Ausgrabung eines heute recht selten auf dem Spielplan stehenden Werkes.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Gesungen wurde in der Würzburger Inszenierung dieser Oper, die 1830 im Gran Teatro La Fenice von Venedig uraufgeführt wurde, auf Italienisch mit gut lesbaren Übersetzungen auf den Bühnenseiten. Wer Shakespeares turbulente Tragödie mit weit über 20 Akteuren auf der Bühne im Sinn hat, wartet vergeblich auf den Ball bei Capulets, auf dem sich Julia und Romeo erstmals begegnen, die berühmte Balkonszene oder auch auf die heimliche Verheiratung durch Pater Lorenzo inklusive Liebesnacht und dem Gesang der Nachtigall oder Lerche. Bellini und sein Librettist Felice Romani kannten wahrscheinlich Shakespeares Werk überhaupt nicht, ließen nur fünf Protagonisten auftreten und erlaubten sich zudem unter starkem Zeitdruck stehend einige Freiheiten. Romani sorgte für eine Neuauflage seines für die Oper „Giulietta e Romeo“ von Nicola Vaccai geschriebenen Librettos. Wenig Skrupel hatte auch Bellini, einige Nummern aus seinen früheren Opern, insbesondere aus „Zaira“ zu übernehmen.

Bellinis eher handlungsarme Oper stellt die Rivalität der Familien Capulet und Montague im Verona des 13. Jahrhunderts und die tragische Liebe von Giulietta, der Tochter von Capellio, dem Familienoberhaupt der Capulets, zu Romeo, dem Erstgeborenen der Montagues, in den Mittelpunkt. Konfliktstoffe gibt es reichlich: Giulietta ist mit Tebaldo verlobt und Romeo hat im Kampf unwissentlich Giuliettas Bruder getötet. Die Veroneser Familien gab es tatsächlich, doch Historiker forschten vergeblich nach Auseinandersetzungen. Vielleicht verorteten Bellini und Romani deshalb noch das dramatische Geschehen in die aus dem Mittelalter in Italien überlieferten Kämpfe zwischen den kaisertreuen Ghibellinen und Guelfen, den Anhängern des Papsttums.

Sichtlich begeistert und begeisternd dirigierte GMD Enrico Calesso im langgezogenen Orchestergraben der Ausweichspielstätte seine Philharmoniker. Weit aufschwingende Melodien des Belcanto verwoben seine Musiker mit den von tiefsten Leidenschaften und Emotionen dominierten Gesangsstimmen. Zu bewundern war ein präziser Zugriff des Dirigenten auf dieses Werk, dessen schwungvoll-heiter vorgetragene Ouvertüre voller Esprit nicht erwarten ließ, welche starken dramatischen und emotionalen Ausbrüche einerseits und tiefgründig-melancholische Einfärbungen folgen sollten. Bezaubernde Magie verströmten Streicher und Bläser, das Prädikat „betörend“ verdienten sich die Soli des Cello, der Klarinette und nicht zuletzt der Harfe. Schade war nur, dass die Enge der Bühne nur den Einsatz unsichtbarer Chorstimmen bei Giuliettas Trauerzug zuließ.

AdUnit Mobile_Pos3
AdUnit Content_2

Akiho Tsujii hatte die Rolle der zwischen Liebe und Familienpflichten hin und hergerissenen Giulietta so überzeugend verinnerlicht, dass sie mit ihrem mal kräftig, mal zart geführten Sopran die ganze Bandbreite von Sehnsucht, Liebe, Schmerz, Verzweiflung und Melancholie auszudrücken vermochte. Darstellerisch nicht ganz so stark, aber mit einem überwältigenden Mezzosopran gestaltete Anna Pennisi (alternierend mit Marzia Marzo) den jugendlichen Liebhaber Romeo, dessen Partie Bellini als Hosenrolle für eine Frauenstimme schrieb. Fast nicht zu übertreffen waren die berückend-schönen Klangfarben in dem Duett „Si, fuggire …Miglior patria avrem di questa“, als Romeo seine von lähmender Abhängigkeit überwältigte Geliebte bedrängt, mit ihm zu fliehen. Von seinem Kontrahenten um die Gunst von Giulietta hob sich nicht nur optisch Tenor Roberto Ortiz (alternierend mit Mathew Habib) als Macho Tebaldo mit einigenTattoos auf den Armen deutlich ab. Weniger nachhaltig in Szene setzen konnten sich mit eher eindimensional angelegten Charakteren die Bassisten Igor Tsarkow als Giuliettas Vater Capellio und Hinrich Horn als Lorenzo, dem Arzt und Vertrauten Giuliettas. Beide glänzten mit ihren voluminösen, samtig-weich bis durchdringenden Stimmen.

Eine spannende Frage war, welche Interpretationen und Bilder Mario Pavle Del Monaco bei seinem Regiedebüt am Mainfranken Theater, Bühnenbildnerin Catharina Bornemann und Lichtbildnerin Mariella von Vequel-Westernach für den Gegensatz zwischen dem musikalischen Wohlklang voller Harmonie und der düsteren Welt zu finden vermochten, in der nur die Waffen sprachen und die Unversöhnlichkeit der Männer mit ihren Hahnenkämpfen den Ton angab. Schließlich wird erst in der Finalszene gestorben, als Romeo und Giulietta unter tragischen Umständen ihren Giftbecher leerten. Für alle Mitwirkenden gab es nach gut zwei Stunden (erstmals mit einer Pausenbewirtung) viel Applaus. ferö

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1