Das Interview - Bayreuther „Ring“-Regisseur Valentin Schwarz fühlt sich nach Absage der Festspiele wie in einem „Jahr ohne Sommer“ „Wie in Kriegszeiten oder nach Vulkanausbrüchen“

Von 
Britta Schultejans
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Valentin Schwarz. © Sebastian Kahnert / dpa

Es sollte sein großer Durchbruch werden: Mit nur 30 Jahren wollte der österreichische Regisseur Valentin Schwarz Wagners Mammutwerk „Ring des Nibelungen“ inszenieren. In Bayreuth. Doch daraus wird nichts. Die Festspiele sind erstmals seit ihrem Neustart nach dem Zweiten Weltkrieg abgesagt – ein Interview.

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Herr Schwarz, mit dem „Ring“ wird es nun nichts. Er soll 2022 nachgeholt werden. Warum nicht 2021?

Valentin Schwarz: Da spielen zwei Dinge rein: erstens die grundsätzliche Langfristigkeit der Engagements der meisten Sänger und Mitwirkenden. Die sind ja meist über Jahre im Voraus verplant. Dazu kommt dann der verstärkte Probenaufwand für den „Ring“, weil es sich ja nun mal um vier Opern handelt. Viele können im nächsten Jahr so früh einfach noch nicht anreisen. Ich bin aber überzeugt, dass wir es 2022 hinkriegen.

Wie weit waren Sie denn?

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Schwarz: Das Ding ist fertig. Das ist schon krass, dass hier soviel Manpower investiert wurde, unzählige Arbeitsstunden in dieses ganze Material gesteckt wurden, das jetzt zum Einsatz kommen sollte. Wir waren direkt vor den szenischen Proben. Das Ganze in dieser Situation auf Eis legen zu müssen, das ist fast eine Entzugserfahrung. Es ist eine künstlerische Vollbremsung sondergleichen. Man nimmt Fahrt auf, fährt über die Autobahn und wird dann zum Stillstand gezwungen. Da muss man innehalten und sich und das, was beim Bremsen im Auto durcheinander gefallen ist, erstmal sortieren. Mein Team und ich werden uns jetzt neu organisieren und die künstlerische Energie, die bereit gestanden hat, in andere Herzensprojekte stecken.

Was bedeutet die Absage für Sie?

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Schwarz: Das ist de facto ein Berufsverbot, das uns hier auferlegt wurde. Für mich ist jedoch weniger der finanzielle Verlust entscheidend, sondern die Tatsache, dass wir als Künstler abgenabelt sind von unserem Publikum, das wir aber brauchen. Wir sind auf uns selbst zurückgeworfen. Ich fürchte da einen gewissen ideellen und gesellschaftlichen Kollateralschaden, hoffe aber einfach für uns alle, dass wir die Krise gut überstehen. Es ist künstlerisch ein Jahr, wie es das in der Geschichte nur in Kriegszeiten oder nach Vulkanausbrüchen gegeben hat – ein Jahr ohne Sommer.

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Wird das Coronavirus Ihre Inszenierung nachträglich verändern? Zum Beispiel mit einer Pandemie in der „Götterdämmerung“?

Schwarz: Das wäre doch jetzt sehr aus der Hüfte geschossen, wenn man die realen Erfahrungen auf Biegen und Brechen in dieses universelle Werk einbauen wollte. Unsere Arbeit daran wird jetzt für zwei Jahre eingefroren und dann nach dem Auftauen taufrisch zum Einsatz kommen. dpa

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