AdUnit Billboard
Konzert

Wächter der sieben Schlüssel öffnen in Stuttgart das Tor zum Metal-Himmel

„Helloween“ und „Hammerfall“ machen im Rahmen der „United-Forces-Tour“ in der Schleyerhalle Station und begeistern rund 8500 Fans

Von 
Harald Fingerhut
Lesedauer: 
Zwei Generationen „Helloween:“ Kai Hansen (links) und Sascha Gerstner. © Harald Fingerhut

Was für ein feines Power-Metal Paket: „Helloween“ und „Hammerfall“ entfachen am Freitag in der Stuttgarter Schleyerhalle einen Powermetal-Orkan, der die Gehörgänge der rund 8500 Fans gehörig durchpustet. Vor allem die Kürbisköpfe geben gehörig Gas und zeigen eindrucksvoll, dass sie trotz des mittlerweile fortgeschrittenen Alters nichts von ihrer musikalischen Vitalität eingebüßt haben. Im Gegenteil: Der zweistündige Vortrag reißt die Menge mit.

AdUnit Mobile_Pos2
AdUnit Content_1

Sie gehörten einst zur weltweiten Speerspitze des Powermetal, wurden in einem Atemzug mit „Iron Maiden“, „Judas Priest“ und „Def Leppard“ genannt, auch wenn sie es nicht soweit nach oben geschafft haben wie ihre angelsächsischen Kollegen. Aber gerade ihr „Keeper of the seven Keys“-Doppel gilt als stilprägendes Werk. Nur leider waren die Egos der Musiker damals größer als der Teamgeist, so dass die Besetzung der glorreichen Anfangstage nur von kurzer Dauer war. Zwar fand die Band guten Ersatz für die Abtrünnigen, doch konnten sie nicht mehr ganz an den Erfolg anknüpfen.

Erst als die Streithansel 2016 unter dem Banner „United Pumpkins“ wieder gemeinsame Sache machten, rollten die Kürbisköpfe zurück auf die Erfolgsspur. Die Stuttgarter Porsche Arena war 2017, wie die anderen Spielstätten zumeist auch, ausverkauft. Und es machte den sieben, mittlerweile in die Jahre gekommenen und ein wenig altersweise gewordenen Herrschaften sichtlich Spaß, auf der Erfolgswelle zu reiten. Also beschloss man ein Album nachzuschieben. und siehe da: „Helloween“ wurde 2021 das erste Nummer-1-Album der Bandgeschichte. Eine Tour sollte folgen, diesmal in noch größeren Hallen, in Stuttgart in der Schleyerhalle. Alle Zeichen standen auch diesmal auf ausverkauft. Doch es kam anders: Corona bremste die auf Hochtouren laufende Truppe aus.

Mehr zum Thema

Konzertbericht (mit Fotostrecke)

So war das Die Ärzte-Konzert auf dem Maimarkt

Veröffentlicht
Von
Jörg-Peter Klotz
Mehr erfahren

Über ein Jahr mussten die Fans warten. Und statt einer ausverkauften Halle mit 12 000 Leuten kommen am Freitag rund 8500 ins weiten rund, etwa 2000 mehr als beim Auftritt in der Porsche Arena. Nicht schlecht, aber auch nicht optimal. Und es dürfte kaum einer sein Kommen bereut haben. Zwar haben „Helloween“ ihr Programm von drei auf zwei Stunden eingedampft, dafür ist als special guest die schwedische Band „Hammerfall“ mit am Start. Auf der Karte steht als ein Hammer-Metal-Brett mit Smörrebröd und Kürbisköpfen.

Und „Hammerfall“ sind an diesem Abend in der Landeshauptstadt weit mehr als eine Vorband. Sie nehmen die Fans mit auf eine 75-minütigen Reise durch die Bandgeschichte. Gute Metalhymnen plus guter Sound ergeben am Ende Standing Ovations. Zu recht. Der Weg für „Helloween“ ist bereitet.

Wie schon auf der CD startet der Metal-Siebener mit dem Opus Magnum ihres jüngsten Albums „Skyfall“. Der 15-minütige Song ist mehr Prog als Powermetal, schließt aber nahtlos an frühere Epen wie „Keeper“ an. Der richtige Kracher zum Auftakt, das Publikum ist vom ersten Ton an dabei.

In der Folge geben sich Evergreens und neue Songs die Klinke in die Hand, wobei natürlich vor allem die Gassenhauer früherer Tage frenetisch abgefeiert werden. Die ganz großen Hits sind geschickt platziert. „Future World“ kommt im ersten Drittel, „Dr. Stein“ kurz vor der Zugabe. Und „The Keeper of the seven Keys“ sowie der furiose Schlusspunkt „I want out“ treiben das Stimmungslevel am Ende ganz nach oben. Im Mittelteil bekommt Kai Hansen seinen großen Auftritt – und „Helloween“ werden zur Familienangelegenheit. Beim musikalischen Zeitsprung in die 1980er Jahre wechselt Kai Hansen ans Mikro und überlässt seinem Sohn Tim die Gitarre. Und Hansen stellt eindrucksvoll unter Beweis, dass sein Organ mit denen von Michael Kiske und Andi Deris mithalten kann.

Große Überraschungen gibt es an diesem Abend nicht. Aber das erwartet auch keiner. Party machen und mitsingen, das ist das Gebot der Stunde. Und letzteres wird ausgiebig zelebriert. Musikalische Kunststücke erwartet niemand. Der Metal-Jünger ist da eher traditionell unterwegs.

Lediglich zwei Dinge trübten ein wenig den hervorragenden Vortrag. Es ehrt die Power-Metal-Veteranen zwar, dass sie das Gaspedal bis zum Anschlag durchtreten, aber eine zweite Ballade neben „Forever & One“ hätte es schon sein dürfen. Der zweiten kleine Fehler begeht der Mann am Mischpult, der bei den Zugaben den Regler nochmals nach oben schiebt, so dass der Sound nicht nur zu laut ist, sondern auch ein wenig undifferenziert wird. Bei drei so hervorragenden Sängern leider suboptimal, da sie so kaum über die Gitarrenwand kommen.

Aber das ist meckern auf hohem Niveau. Dass die Songs frenetisch mitgesungenen und beklatscht werden, sagt alles. Gerne wieder.

Redaktion Stellvertretender Deskchef

AdUnit Footer_1
AdUnit Mobile_Footer_1