Mozartfest - Orchester de Chambre de Paris überzeugt beim Kaisersaalkonzert Virtuos und empfindsam

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Beim Mozartfest Würzburg ist der Oboist François Leleux ein gern gesehener Gast, der erneut mit dem Orchestre de Chambre de Paris in die Würzburger Residenz kam. Immer häufiger ist er in Personalunion als Dirigent und Solist zu erleben. Diesmal teilte er sich die Solistenrolle mit Harfenistin Isabelle Moretti. Die in Paris und London unterrichtende 52-jährige Professorin zieht mit ihrem technisch anspruchsvollen Harfenspiel die Zuhörer in ihren Bann. Nicht anders war es im Kaisersaal, auch wenn sie sich die Aufmerksamkeit bei Mozarts Konzert für Flöte, Harfe und Orchester mit einem der herausragenden Oboisten seiner Generation teilen musste. François Leleux und Isabelle Moretti verbindet eine regelmäßige kammermusikalische Arbeit. Deshalb hielt sich das Wagnis in Grenzen, das heitere Stück in einer Bearbeitung für die Oboe erklingen zu lassen. Die aparte Klangkombination der beiden Soloinstrumente kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die lyrisch-empfindsam vorgetragenen Harfenklänge sich eher mit einem zarten Flötenhauch als mit den leicht näselnden, selbst im Stimmgewirr des Orchesters gut herauszuhörende Klangfarben der Oboe vertragen. Ungetrübten Hörgenuss verbreitet der spielerisch freie und abwechslungsreiche Aufbau des Werks, den das eher spärlich besetzte Orchester mit einer Fülle von kecken Einfällen vorträgt. Im dritten Satz erinnert das Rondo-Thema an die Romanze der später komponierten "Kleinen Nachtmusik".

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Souverän aufzutrumpfen vermag Leleux beim Konzert für Oboe und Orchester Nr. 1 d-Moll von Ludwig August Lebrun, ein heute fast vergessener Oboen-Virtuose, der bestrebt war, seine virtuosen Fähigkeit bei diesem Solokonzert aus der Mannheimer Schule nicht unter den Teppich zu kehren. Im gleichen Maße gefallen die vom Orchester einfühlsam vorgetragenen melodiösen Passagen, die im ersten Satz zwischen Melancholie und Dramatik balancieren, im zweiten in F-Dur schwingen und im dritten Satz vor Ausgelassenheit vibrieren.

Viel ernster kommt Mozarts Sinfonie Nr. 25 g-Moll KV 183 daher, die vor allem im zweiten Satz schmerzliche Züge trägt. Sehr einprägsam stellt das Pariser Kammerorchester den eher derben Charakter des Menuetts heraus. Dann schlägt die große Stunde der charmant auftretenden Isabelle Moretti, die mit dem zwischen Klassik und Romantik angesiedelten Konzert für Harfe und Orchester von Adrien Boieldieu mit einer selten zu hörende Rarität aufwarten kann. Perlende Läufe gelingen scheinbar spielerisch, im zweiten Satz beginnen die vibrierenden Saiten zu singen, bis dann Moretti mit einfühlsamer Begleitung des Orchesters mit phantasiereichen Verzierungen beglückt. Wohltuend hält die leise Begleitung des Orchesters die Harfeim Vordergrund. ferö