Musikfest Stuttgart - Hans-Christoph Rademann dirigierte in der Liederhalle das Oratorium "Belshazzar" von Georg Friedrich Händel Verschiedene Klangfarben zum Leuchten gebracht

Lesedauer: 

Sein Antrittskonzert 2013 in der Stuttgarter Stiftskirche galt dem Oratorium "Israel in Egypt" von Georg Friedrich Händel. 2014 präsentierte er dann in der Liederhalle Händels Oratorium "Salomon". Als Abschlusskonzert des vorigen Jahres stand Händels "L'Allegro, il Penseroso ed il Moderato", wieder in der Liederhalle, auf dem Programm.

AdUnit urban-intext1

Und zum Abschluss des Musikfests Stuttgart 2017 dirigierte Hans-Christoph Rademann, der künstlerische Leiter der dieses Festival veranstaltenden Internationale Bach Akademie Stuttgart, in der Liederhalle das Oratorium "Belshazzar" von Georg Friedrich Händel.

Also zum vierten Mal ein Werk dieses Komponisten als zentrale Aufführung des Musikfests der Bach Akademie. Soll die Bach-Stadt Stuttgart zur zweiten Händel-Stadt in Baden-Württemberg - nach Karlsruhe -- werden?

1744, parallel zum Oratorium "Hercules", komponiert, wurde "Belshazzar" im März 1745 im King's Theatre in London, unter der Leitung des Komponisten uraufgeführt. Den Stoff lieferte dem Librettisten Charles Jennens eine Erzählung aus dem Alten Testament, die im 5. Kapitel des Propheten Daniel aufgezeichnet ist.

AdUnit urban-intext2

Sie handelt von dem babylonischen König Belsazer, der im trunkenen Zustand die von seinem Vater Nebukadnezar aus dem Tempel in Jerusalem geraubten goldenen und silbernen Gefäße, zusammen "mit seinen Gewaltigen, Weibern und Kebsweibern" missbrauchte, derweil sie die "goldenen, silbernen, ehernen, eisernen, hölzernen und steinernen Götter" lobten.

Diesen Frevel musste er mit dem Tod und dem Untergang seines Reiches bezahlen. Dabei stehen sich in diesem Oratorium drei Völker gegenüber, die Babylonier, die Perser und die Juden, die vom Chor verkörpert werden. Dazu kommen sieben Solisten, der babylonische König, seine Mutter Nitocris, der persische Prinz Cyrus, der Prophet Daniel, Gobrias, ein zu Cyrus übergegangener assyrischer Edelmann, der babylonische Adelige Arioch und ein Bote.

Theatralisches Gespür

AdUnit urban-intext3

Die um 538 v. Chr. spielende Handlung hat Händel hinsichtlich der Personencharakterisierung der Solisten als auch der Chöre nuancenreich, mit theatralischem Gespür vertont. Kein Wunder, dass man dieses Oratorium nicht nur einmal schon als Chordrama auf der Theaterbühne aufgeführt wurde.

AdUnit urban-intext4

So weit geht man nun aber in Stuttgart nicht. Da wird das Ganze im konzertanten Stil vorgestellt. Dabei stehen die Solisten und Choristen allerdings nicht immer an ein und denselben Orten, wenn sie ihre Aufgaben erfüllen. Vor allem der Chor wechselt immer wieder von rechts nach links und umgekehrt, je nachdem ob er das Volk der Babylonier, der Juden oder der Perser verkörpert.

Obwohl Hans-Christoph Rademann auf historischen Klang Wert legt, hält er sich bei den Rollenbesetzungen hinsichtlich der Stimmlagen nicht an die Vorgaben des Komponisten noch an die krankheitsbedingten Änderungen bei der Uraufführung.

Von Händel ursprünglich für eine Mezzosopranistin vorgesehen, bei der Uraufführung von einem Bass gesungen, ist die Partie des Cyrus jetzt überflüssigerweise mit einem Countertenor besetzt, der in diesem Oratorium nun wirklich nichts zu suchen hat. Als solcher erfüllt Terry Wey seine Aufgabe mit eher dünner Stimme.

Als Belshazzar überzeugt der in seiner Rolle lebende und sich mit ihr identifizierende Tenor James Gilchrist, der seinen expressiven Gesang mit passenden Gesten unterstreicht und so auch ein wenig Theatralik ins Spiel bringt. Mit hellem Sopran gestaltet Robin Johannsen die Partie der Nitocris. Ihre wohlklingende Altstimme leiht Wiebke Lemkuhl dem Daniel. Mit fülligem, resonanzstarkem Bass gefällt Peter Harvey als Gabrias. Die Aufgaben der Chöre sind bei der Gaechinger Cantorey in besten Händen. Zwei ihrer Mitglieder treten auch solistisch in Erscheinung, der Tenor Christopher Renz als Arioch und der Bass Andrey Akhmetov als Bote. Die verschiedenen Klangfarben der Komposition bringt der Dirigent Hans-Christoph Rademann in der in englischer Sprache gesungenen Aufführung mit deutschen Übertiteln zum Leuchten. Dieter Schnabel