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Opulente Metal-Show vor barocker Kulisse

„Avantasia“ spielen sich vor 3500 Fans durch die komplette Bandgeschichte

Von 
Harald Fingerhut
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Hat nicht nur eine gewaltige Stimme, sondern auch ebensolche Muskelberge: Ralf Scheepers © Harald Fingerhut

Am Mittwoch Auftritt vor rund 70 000 Metal-Fans, am Donnerstag vor rund 3500 Getreuen – dazwischen eine rund neunstündige Bahnfahrt vom weiten Land bei Wacken in die eher pittoreske Enge Ludwigsburgs. So unterschiedlich kann das Rockstar-Leben sein. Ob es an der Bahnfahrt lag oder ob Mastermind Tobias Sammet und seine Mitstreiter von „Avantasia“ eine etwas längere Motivationsphase brauchen, das wird nie zu klären sein. Auf jeden Fall beginnt das Konzert im Hof des Ludwigsburger Residenzschloss mit einigen Minuten Verspätung, um dann ein wenig schleppend Fahrt aufzunehmen, ehe es mit viel Dampf unterm Kessel zweieinhalb Stunden später über die Ziellinie triumphal brettert.

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„Wir sind ein wenig müde, aber das wird sich legen und wir werden unser Bestes geben“, verkündet Sammet nach dem Opener vollmundig. Es sollte kein leeres Versprechen bleiben. Er und die Band kommen im Laufe des Abends simmer besser in Fahrt, nicht zuletzt dank des zumeist frenetisch mitgehenden Publikums. Und das ist an diesem Abend vor barocker Kulisse keine Selbstverständlichkeit. Es ist Hochsommer – im wahrsten Sinne des Wortes, denn hoch sind auch die Temperaturen. So verwandelt sich der Innenhof immer mehr in einen Glutofen. Jede noch so kleine Bewegung lässt den Schweiß nicht nur perlen, sondern fließen. Das hindert das erlesene Völkchen vor der Bühne nicht, textsicher die Metal-Hymnen mitzuschmettern, die Singspiele eifrige mitzumachen und auch mal laut zu grölen. Nur selten sind die Herren auf der Bühne mit dem ihnen entgegen gebrachten Enthusiasmus unzufrieden. Sicherlich auch eine Antriebsfeder, die die übernächtigten Musiker ihre Müdigkeit vergessen lassen.

Erster frenetisch gefeierter Höhepunkt des Abends, ist wieder einmal der beste Scorpions-Song der letzten zwei Dekaden, den die Hannoveraner weder gespielt noch geschrieben haben: „Dying for an Angel“, bei dem Eric Martin (Mr. Big) wie immer Klaus Meine ersetzt, sorgt für kollektive Glücksmomente und ausgelassenen Applaus. Ein echter Ohrwurm.

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Da das Konzert um zwei Jahre verschoben werden musste, hat sich die Reise durch die Bandgeschichte erweitert. Das neunte Album „A Paranormal Evening with the Moonflower Society“ ist praktisch eingetütet und soll im Oktober erscheinen. Vorab gibt es schon die Singles „The Wicked Rule the Night“ und „The Moonflower Society“, die „Avantasia“ auch auf der Tour spielen. Bei ersterem darf Neuzugang Ralf Scheepers nicht nur seine Muskeln, sondern auch seine Stimmbänder spielen lassen.

Endgültig auf die Siegerstraße führt dann ein Song, der laut Sammet, geschrieben wurde, „als die meisten im Publikum noch nicht verrentet waren“, schiebt ein Lächeln und „Avantasia“ vom ersten Album „A Metal Opera“ hinterher. Mit „Farewell“ und „Let the Storm Descend Upon You“ folgen zwei Gassenhauer, fett serviert, die das Stimmungslevel hoch halten.

Wohltuend an diesem Abend ist auch, dass Tobias Sammet seinen großen Mitteilungs- und Plauderdrang im Zaun hat. Die Ansagen sind zwar nicht kurz, aber zumeist knackig und witzig und machen Laune. Der Mann hat dazugelernt in den letzten 20 Jahren.

Und natürlich wird, wie die Jahre zuvor auch, bei einem Avantasia-Konzert wieder ein Allstar-Ensemble an Sängern aufgeboten. Neben Neuling Ralf Scheepers bevölkern die bekannten Gesichter von Eric Martin, Ronnie Atkins, Jorn Lande und der unverwüstliche Bob Catley die Bühne. Vor allem der Sänger von „Magnum“ der vor gefühlt 30 Jahren schon ein wenig mumifiziert wirkte, scheint bei „Avantasia“ eine Frischzellenkur zu durchlaufen. Immer ein wenig verpeilt wirkend, hat er die Sympathien jedoch auf seiner Seite. Auch stimmlich macht er an diesem Abend einen guten Job.

Mit dem Song „Mystery of a Blood Red Rose“, dem Lied mit dem Tobias Sammet Deutschland helfen wollte, beim Eurovision Song Contest mal gut dazustehen, beschließt nach zwei Stunden die reguläre Setlist. Als Zugaben kommen die einzige Single von „Avantasia“, die je die Top Ten erreicht hat (so Sammet) „Lost in Space“ sowie zum Finale mit allen Protagonisten des Abends „Sign of the Cross/Seven Angels“ zum Zug und hinterlassen ein fröhlich feierndes Völkchen.

Es ist 22.30 Uhr und es hat immer noch 28 Grad Celsius. Das T-Shirt klebt wie ein feuchter Lappen auf der Haut. Aber so etwas nimmt man für zweieinhalb Stunden Vollbedienung gerne in Kauf.

Redaktion Stellvertretender Redaktionsleiter der Main-Tauber-Kreis-Redaktion, Schwerpunkte auf den Kommunen Königheim und Tauberbischofsheim.

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