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Hafensommer

Lady Blackbird – vom Geheimtipp zum Superstar

Sängerin und ihre Begleitband verwandelt das Gelände in einen intimen Club

Von 
Ulrich Rüdenauer
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Lady Blackbird und ihre Begleitband beeindruckten das Publikum mit ihrem Auftritt beim Würzburger Hafensommer. © Ulrich Rüdenauer

So muss es vielleicht gewesen sein, als die noch junge Billie Holiday zum ersten Mal die Bühne betrat. Oder Ella Fitzgerald. Oder Aretha Franklin: Wer seinerzeit dabei gewesen ist, dürfte da nicht nur eine Sängerin gehört, sondern der Geburt eines Stars beigewohnt haben.

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Ein bisschen so geht es einem, als nach einem langen, großartig verspielten Intro der vierköpfigen Band um den Produzenten und Gitarristen Chris Seefried Lady Blackbird im extravagant-transparenten Kleid die Wasserbühne des Würzburger Hafensommers betritt: Noch bevor sie den ersten Ton singt, ist da eine Aura, ein Widerschein von Größe, eine absolute Präsenz. Als sie nach spannungssteigernden Augenblicken ihre Stimme erhebt, weiß man: Lady Blackbird ist schon jetzt eine der großen Sängerinnen ihrer Generation, und bald dürfte das auch die ganze Welt mitbekommen. Dieser warme, angeraute Ton, der aus einer vergangenen Ära zu stammen scheint und doch ganz gegenwärtig ist, wird bald riesige Säle füllen. Es ist ein Glück, diesen Moment des Übergangs vom Geheimtipp zum Superstar mitzuerleben – das Würzburger Konzert ist der Abschluss ihrer ersten größeren Tournee, und einen bezaubernderen Ort und atmosphärischeren Sommerabend hätte sie sich dafür kaum wünschen können.

Über Lady Blackbird ist gar nicht so viel bekannt: Dass sie als Marley Munroe in dem Städtchen Farmington in New Mexico geboren wurde, scheint gesichert, aber nicht wann – sie könnte 30 sein, aber vielleicht auch 40, sie hat sich aber für die Alterslosigkeit entschieden. Man weiß, dass sie wie all ihre berühmten Vorgängerinnen in der Kirche mit Gospelmusik aufwuchs und ihre Stimme für den Herrn schulte.

Überliefert wird auch, dass ihr als Zwölfjährige bereits ein Vertrag von einem christlichen Musiklabel angeboten wurde, sie sich aber schließlich vom rein religiösen Gesang ab- und dem Soul und Jazz zuwandte. Unter ihrem Geburtsnamen hat sie ein paar Singles veröffentlicht und für andere Sängerinnen Songs geschrieben. Vor nicht allzu langer Zeit verwandelte sie sich in jene Diva mit exzentrischer weißer Afroperücke und nannte sich nach einem Stück von Nina Simone Lady Blackbird. Und im letzten Jahr erschien ihr Albumdebüt „Black Acid Soul“ und wurde überschwänglich aufgenommen.

„Black Acid Soul“ ist eine sehr konzentrierte, reduzierte Platte. Bass, Klavier und Schlagzeug bleiben dezent im Hintergrund, um Lady Blackbirds Stimme größtmöglichen Raum zu geben – manchmal kommt die Gitarre von Chris Seefried hinzu, auf einem Stück steuert Trombone Shorty ein Posaunen-Solo bei. Das Material ist sorgfältig ausgewählt, zwei Eigenkompositionen, die zeitlos klingen, daneben aber eher unbekanntere Werke aus dem Backkatalog der Soul-, Folk- und Jazzgeschichte. Natürlich Nina Simones „Blackbird“, „It’ll Never Happen Again“ von Tim Hardin, ein auf Bill Evans’ „Peace Piece“ beruhendes Stück oder der Song „Collage“ der Funkband The James Gang aus den späten Sechzigern.

„Black Acid Soul“ ist sensationell. Aber selbst, wenn man das Album über die bestmögliche HiFi-Anlage hört – die enorme Intensität, die raumweitende Ausdruckskraft, die raue Schönheit von Lady Blackbirds Stimme– zwischen Nina Simone und Tina Turner – vermittelt sich live noch einmal sehr viel imposanter. Es ist wie eine Offenbarung; sie verwandelt den alten, offenen, mit der Stadt verwachsenen Würzburger Hafen in einen intimen Club. Ihr Gespür für Phrasierung und dramatische Linien ist bewundernswert, ihre Bühnen-Persona geradezu atemberaubend, ihr Charme zum Wegschmelzen und ihre Begleitband auf zurückhaltende Weise inspirierend.

Der Abend ist ein Versprechen, kurz und eindringlich, gut eine Stunde lang. Lady Blackbird trägt jedes Stück von „Black Acid Soul“ vor, als würde sie es zum ersten Mal tun; sie umgarnt das Publikum, weiß um ihre Wirkung, und sie strahlt ein Selbstbewusstsein aus, das nicht mit Arroganz verwechselt werden darf: Es rührt vermutlich von dem langen Weg, der sie zu Lady Blackbird gemacht hat. Wir werden noch viel von ihr hören.

Freier Autor

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