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Mainfranken Theater Würzburg - Sibylle Bergs Stück „Und jetzt: die Welt“ wird in der Ausweichspielstätte Gewölbekeller Z 87 gespielt

Hoffnung auf Veränderung bleibt

Von 
Felix Röttger
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Klara Pfeiffer, Anouk Elias und Jojo Rösler (von links) in „Und jetzt: die Welt! Oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ von Sibylle Berg, das zurzeit im Würzburger Mainfranken Theater in einer Inszenierung von Catja Baumann zu sehen ist. © Nik Schölzel

Mit der Ausweichspielstätte im Gewölbekeller Z 87 in der Frankfurter Straße in Würzburg hat das Mainfranken Theater aus der Not eine Tugend gemacht. Denn bis zur Fertigstellung des Kleinen Hauses im künftigen Staatstheater bietet Z 87 auf dem ehemaligen Bürgerbräu-Gelände für die Schauspielsparte eine rundum ansprechende Spielstätte mit Erlebnischarakter.

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Diesen positiven Eindruck unterstreichen derzeit die drei jungen Schauspielerinnen Anouk Elias, Klara Pfeiffer und Jojo Rösler mit einer fulminanten Performance.

In Sibylle Bergs 80-Minuten-Stück „Und jetzt: Die Welt“ spiegeln sie das unstete Leben von drei jungen Frauen Anfang 20, hin und her schwankend zwischen Sarkasmus und Sehnsucht, Aggression und Zuneigung.

Der Untertitel „Oder: Es sagt mir nichts, das sogenannte Draußen“ lässt erahnen, woran das Trio leidet, das im Chor für eine unbenannte Person spricht.

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Permanente Überforderung

Intensiv und intelligent wird die permanente Überforderung junger Frauen und fehlende Gleichberechtigung thematisiert. Warum soll ihnen die Welt da draußen etwas sagen, wenn man in der eigenen WG über das Internet ständig erreichbar ist und sich in Echtzeit die Welt auf den heimischen Bildschirm holen kann?

Immer wieder wird nur virtuell mit den Freundinnen Gemma und Minna kommuniziert, mit denen die Protagonistin die WG bewohnt. Noch häufiger angesprochen wird Lina, die heimliche Liebe, die dummerweise Männer bevorzugt. Unsichtbar bleiben auch die Mutter und Vater Paul, der eines Tages aus dem Leben der Tochter verschwunden ist und ein Trauma hinterlassen hat.

Erfrischend seziert das Trio in Form von Lektionen die Widersprüche des Alltags und erzählt unverblümt von der Vergangenheit der Frauen. Als Heranwachsende in einer Mädchen-Gang wurde zu Baseballschlägern gegriffen und Gewalt und Schrecken bei Schwächeren verbreitet. Jetzt geht es dem Trio aktuell auch nur ums Überleben, um die Selbstbehauptung in einer Konsumwelt, die nur vorgibt, dauerhaft Bedürfnisse zu befriedigen. Liebe gibt es nur in Liedern. Beruflich hat es trotz guter Ausbildung nicht so recht geklappt; die Generation Praktikum lässt grüßen.

Geschliffene Texte

Immer schwerer fällt es, den Blick vom Tablet oder Smartphone abzuwenden und nach draußen ins wahre Leben zu schauen. Einfacher scheint es, in der Küche nach eigenem Rezept Viagra zu kochen und über das Internet zu Geld zu machen. Selbst in den eigenen vier Wänden muss sich die namenlose Tochter der Zumutungen erwehren, die von ihr eine Bilanzierung ihres bisherigen Lebens und täglich neue Entscheidungen verlangen.

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Das Stück ist Teil einer vierteiligen Reihe, die Sibylle Berg für das Maxim-Gorki-Theater in Berlin geschrieben hat. Es überzeugt mit geschliffenen Texten, die Catja Baumann mit dem atemlosen Zorn der jungen Generation in Szene gesetzt hat, die ihre Hoffnung auf Veränderungen zum Besseren nicht aufgegeben hat.

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