Jazz - Florian Hartz’ Band Flo & Fauna aus Mannheim überrascht auf ihrer neuen CD „Wald : live“ mit unkonventionellen Piantrio-Klängen Hier lassen drei Musiker den Spieltrieb sprießen

Von 
Georg Spindler
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Vergleichen ihre Band mit dem Ökosystem des Waldes: Florian Hartz’ Flo & Fauna mit: Lukas Langguth (v.l.), Florian Hartz, Jakob Dinnebier. © Robert Hagstolz

Wer denkt, bei der klassischen Jazz-Besetzung Piano/Bass/Schlagzeug seien bereits alle Möglichkeiten ausgeschöpft, erlebt bei Florian Hartz’ Flo & Fauna eine faustdicke Überraschung. E-Bassist Florian Hartz, Leiter der Mannheimer Band, hat für das Debütalbum „Wald : live“ ein Konzept entworfen, das auf Kommunikation und – im besten Sinne – kapriziöse Unberechenbarkeit setzt.

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Mit anderen Worten: Diese Musik ist nicht zu fassen. Sie ist funky, romantisch, swingend, rockig und auch mal frei. Schwebende Balladen gewinnen jäh an Fahrt, furiose Tempo-Passagen machen urplötzlich stillen Pausen Platz, sparsam gesetzte Einzeltöne verdichten sich unversehens zu rasanten Improvisationslinien von elektrisierender Intensität. Auf diesem Album herrscht sechzig Minuten lang Hochspannung.

Dafür sorgt der kollektive „Spirit“ dieser Band. Hartz macht samt seinen Kollegen Lukas Langguth (Keyboards) und Jakob Dinnebier (Schlagzeug) Gruppenmusik mit einer hoch entwickelten Sensibilität für Ideenaustausch und mit hörbarem Spaß am Aufeinander-Reagieren. Alle Beiträge greifen ineinander wie die Komponenten in einem Ökosystem: Diese Flo & Fauna lebt.

Die drei lassen permanent ihren Spieltrieb sprießen. In „The Honour Of Being Lonely“ werfen Bassist und Pianist sich quer durch die Tonlagen melodische Kürzel zu wie Jongleure ihre Bälle. Ähnlich mitreißend: „Ants“. Da deutet Hartz zunächst mit knappen Zwei-, Drei-Ton-Motiven das brodelnde Leben in einem Ameisenhaufen an, das alsbald musikalisch Wirklichkeit wird. Munter fliegen zwischen den Instrumentalisten die Motive hin und her. Von punktuellen Einzeltönen steigert sich Dinnebier am E-Piano in ein rasantes Solo mit zupackenden kontrapunktischen Läufen. Sein Gespür für Improvisationsdramatik sorgt für viele solcher Glanzlichter.

Viel Sinn für Dramatik – und Witz

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In „Sommerregen“, das als flotte Latin-Nummer startet, nimmt er mit retardierenden Sequenzen, nun am Klavier, das Tempo heraus, wirft Akkorde ein, die spannungsvoll zu fragen scheinen: Wie geht’s nun weiter? Erst nach knapp drei Minuten nimmt er Fahrt auf, bis das Stück mit rollenden Linien und perkussiven Akzenten endet; dann hört man förmlich die Regentropfen prasseln.

Der Mann am Schlagzeug besticht durch seine Fähigkeit, aus einzelnen Schlagmustern – zischelnden Becken, stampfender Bass-Drum, pochenden Tom-Toms – komplexe Polyrhythmen zu erzeugen. Die präsentiert er mit viel Sinn für Dynamik.

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Der Bandchef steuert nicht nur geschmeidige Grooves und knallende Funk-Slap-Effekte bei. Er sorgt auch für emotionalen Tiefgang. Im choralartigen „Close Her Eyes“, einem Stück über Tod, bringt er den Bass zum Sprechen, Räsonieren, Flüstern, wähnt dem Verklingen der Töne nach. Bewegend. Hartz besitzt aber auch viel musikalischen Witz – in der Art, wie er Pausen setzt, Phrasen abbrechen, Stimmungen umschwenken lässt. Das macht den Ausflug in diese tönende Flo & Fauna zusätzlich unterhaltsam.

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