Komödienhaus Heilbronn - Denis Wittberg & seine Schellack-Solisten präsentierten ihr hörenswertes und abwechslungsreiches Programm Faszinierender Charme der 1920er und 1930er Jahre

Von 
Leonore Welzin
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Ein begeisterndes Konzert boten Denis Wittberg & seine Schellack-Solisten im Komödienhaus in Heilbronn. © Leonore Welzin

Im Komödienhaus Heilbronn, zu Gast in der Reihe Theater Spezial, präsentierten Denis Wittberg & seine Schellack-Solisten ihr Jubiläumsprogramm „Hallo süße Frau“.

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„Ach, wärrr‘ ich doch an Weihnachten auf Kuba!“ Das rollende „R“ gehört zu den Couplets der 1920er Jahre, wie Frack, Fliege und Pomade im Haar. Wer dachte, Mitte Januar hätten man Weihnachten endgültig hinter sich, wird von Denis Wittberg & seinen Schellack-Solisten eines Besseren belehrt.

„Rendezvous im Schnee“

Zuerst gibt es ein „Rendezvous im Schnee“, dann kommt der Winter mit der „Petersburger Schlittenfahrt“ richtig in Schwung, und zwei Lieder weiter schnallt sich die Geigerin Engelflügel um, und die Herren des zehnköpfigen Ensembles setzen rote Niklaus-Mützen auf. Schließlich sei nach Weihnachten vor Weihnachten, so Wittberg.

Weihnachten auf Kuba? „Ganz fern von Eile und ohne Langeweile“, so eine Textzeile, wird die letzte Bastion des Sozialismus erobert. Der kulturelle Kitt, mit dem religiöses Hochamt und karibischer Hüftschwung verbunden werden, ist eine flotte Rumba. Beim SWR1-Weihnachtssong-Contest erreichte die originelle Eigenproduktion den zweiten Platz.

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Im Komödienhaus zu Gast in der Reihe Theater Spezial, präsentieren Denis Wittberg & seine Schellack-Solisten ihr Jubiläumsprogramm. „Hallo süße Frau“, so der Titel, ist ein Best off der vergangenen 15 Jahre, bei dem Gassenhauer wie „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „In der Bar zum Krokodil“ das Publikum zurück in die Belle Époque katapultiert.

„Wenn es draußen dunkel wird“, ratterten drinnen in den Lichtspieltheatern die Projektoren.

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Zur Zeit des Stummfilms hatte die Stunde der Pianisten geschlagen: „Wer ein Klavier hat, hat auch Glück in der Liebe“. Mit dem Tonfilm rückt der Tanz ins Blickfeld.

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„Kleines Fräulein“, die deutsche Version von „Cheek to cheek“, erinnert an die Stepptanz-Legende Fred Astaire, der mit Ginger Rogers „Wange an Wange“ über die Leinwand schwebt.

Auch „Tangomaxe“, „Foxtrottel“ und der „Schöne Gigolo“ legen gestriegelt und gebügelt eine kesse Sohle aufs Parkett.

Der Frontmann, Conférencier und Sänger Denis Wittberg entdeckte als Fünfjähriger im Plattenschrank seiner Großmutter eine Schellack-Scheibe mit Tanzmusik aus den 1930ern. Die Begeisterung für diese Musikepoche mit satirisch angehauchten Schlagern und Chansons aus der Feder von Komponisten wie Friedrich Holländer, Otto Reuter oder Peter Kreuder lässt den gebürtigen Wiesbadener nicht mehr los.

Es ist eine Epoche voller technischer Innovationen, in der auch Schlager-Texter von neuen Ideen infiziert werden: „Mein Bruder macht beim Tonfilm die Geräusche“ ist so ein herrlich schräges Stück, bei dem die Schellack-Solisten ihre Instrumente nach Lust und Laune traktieren.

Es wird geklimpert, gequäkt, getrommelt und getrötet, bis das Ganze in einer kakophonen Orgie kulminiert.

Elegante Leichtfüßigkeit

Die meisten Stücke seien Original-Arrangements, versichert Wittberg. Neben Oldies erklingen Hits der Neuen Deutschen Welle wie „Skandal im Sperrbezirk“ oder Falcos „Kommissar“. Faszinierend sind diese Songs der frühen 1980er Jahre, die musikalisch in den retro-charmanten Stil der 1920er-Jahre verpackt, überhaupt nicht verstaubt klingen, sondern elegante Leichtfüßigkeit mit parodistischem Witz paaren und damit einen völlig neuen Glanz und Esprit erhalten.

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