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Torturmtheater Sommerhausen - Oliver Zimmer hat das flotte Monodrama „Event“ von John Clancy für die Foyer-Bühne inszeniert

Ehrlicher Blick in den Mikrokosmos des Theaters

Von 
Manfred Kunz
Lesedauer: 

„Event“ ist ein Begriff aus dem modischen „Neudeutsch“ und meint nichts anderes als ein Ereignis, und hier genauer: ein Theaterereignis. Und damit sind wir in Sommerhausen und mittendrin in der neuen Torturmtheater(TTT)-Produktion.

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Knapp zehn Jahre nach der Deutschen Erstaufführung am Nürnberger Staatstheater hat Oliver Zimmer, bereits des Öfteren am TTT tätig, das flotte Monodrama „Event“ des amerikanischen Dramatikers und Regisseurs John Clancy für die Foyer-Bühne inszeniert.

Wirft in Sommerhausen einen detailreichen und genauen Blick in die Innenwelt des Theaters: Armin Hägele. © Veranstalter

„Der Mann“ tritt auf die Bühne: rotes T-Shirt, schwarze Hose, dunkle Cord-Jacke. Die Scheinwerfer richten sich auf ihn. Er ist Schauspieler und beginnt zu sprechen. Er wendet sich an uns Zuschauer, die für ihn Fremden. Und sofort lauschen wir gebannt, folgen gespannt seinem Spiel. Aber was wird da überhaupt gespielt? Und was ist das für eine Rolle?

Armin Hägele, auch er kein Unbekannter in Sommerhausen und zuletzt im vergangenen Sommer bravourös in „Die meisten Afrikaner können nicht schwimmen“ zu sehen, ist dieser Mann.

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Ganz direkt spricht er zum Publikum, erklärt die Verabredungen, Regeln und Eigenheiten des Lebens auf der Bühne. Er wirft einen detailreichen und genauen Blick in die Innenwelt des Theaters, führt uns die Aufgaben und das Zusammenspiel der verschiedenen Gewerke (Beleuchtung, Ton, Maske, Kostüm, Requisite, Ankleide, Bühnenarbeiter) vor Augen und erklärt auch uns Zuschauern die Funktion, die wir in diesem Spiel haben.

Einen ganz besonderen Seitenblick erhalten natürlich auch die professionellen Zuschauer unter „den Fremden“, die Verwandten und Freunde, die Theater-Kollegen und diejenigen, die das Privileg haben, über solch schöne Ereignisse schreiben zu dürfen.

Und zwangsläufig kommt er zur Frage, ob das wirklich möglich ist, zu unterscheiden zwischen Schauspieler und Mensch, zwischen Bühne und Leben, zwischen denen oben auf der Bühne und denen unten im Zuschauerraum?

Ganz beiläufig und zugleich höchst intensiv nimmt uns Armin Hägele mit in den Mikrokosmos des Theaters, führt uns augenzwinkernd die amüsanten und absurden Momente des Betriebs vor Augen, ob mit Stuhl oder ohne, ob mit Jackett oder ohne .

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So sehen wir das, was wir schon immer über das Theater wissen wollten (oder schon wissen), nochmals mit einem anderen, neuen und überraschenden Blick. Hägele zieht alle emotionalen und darstellerischen Register, provoziert und kokettiert, ist bitterer Provokateur und zynischer Moralist, widerständiger Rebell und poetischer Zauberer.

Und fügt diesem selbst ernannten Meta-Kunst-Dings nebenbei noch eine utopische Ebene hinzu, die an die unmittelbare soziale Funktion des antiken Theaters von vor über 2000 Jahren erinnert: nämlich Gemeinschaft zu stiften, Gespräche zu initiieren, den kommunikativen Austausch zu befördern und, ja, nichts weniger als Sinn zu stiften in einer immer undurchschaubarer werdenden Welt.

Kein geringes Unterfangen also, das Zimmer und Hägele da in exakt 73 Minuten ins Foyer des Sommerhäuser Torturms zaubern. Symbolhaft hätte genau dieses Stück im April 2021 die Spielzeit eröffnen sollen; noch symbolischer ist allerdings, dass am Premierentermin erstmals in dieser Spielzeit die Masken fallen durften. Oder wie es im übertragenen Sinn im Stücktext heißt: „Ist das Ereignis vorbei, ist die Maske weg.“ Also Theaterfreunde, (und alle die, die es durch dieses Stück werden wollen) fahrt nach Sommerhausen, bewundert diesen schlauen Text, beklatscht das amüsante Ereignis und feiert den tollen Marin Hägele.

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