Die neue Kunsthalle Der Macher

Von 
Peter W. Ragge
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Verantwortlich für die Einhaltung von Budget und Bauzeitplan: Hanno Diehl, Bauvorstand der Stiftung Kunsthalle. © prosswitz

Mannheim. Er hat auf Kosten und Zeitplan geachtet, jede Ausschreibung und jedes Angebot geprüft, zwischen Architekten und Bauherren vermittelt: Hanno Diehl. Und das mit 73 Jahren.

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"Sehe ich so aus als hätte ich Angst?“ Es ist ein schöner Frühlingstag im Mai 2013, als Hanno Diehl diese Frage stellt. Über viereinhalb Jahre danach antwortet er, genauso lächelnd und ruhig: „Es gab keinen Grund, Angst zu haben.“ Diehl sieht seine Aufgabe, als Bauvorstand der Stiftung Kunsthalle über Kosten und Zeitplan zu achten, als erfüllt an. Daher sei er „zufrieden und stolz“.

Kostenexplosionen? Gesprengte Terminpläne? Ingenieur Diehl ist im Frühjahr 2013 bewusst als Mann berufen worden, der verhindern soll, dass all das beim Neubau der Mannheimer Kunsthalle passiert. Schon damals hat er keinen Zweifel daran gelassen, dass er das auch kann. „Das hat mir schließlich immer meine Aufträge eingebracht“, sagt er nun, als alles vorbei ist.

Eigentlich könnte er längst seinen Ruhestand genießen. Diehl ist 73. „Aber ein bisschen was mache ich noch, es macht mir weiter Spaß“, sagt er. Alle sechs bis sieben Wochen fliegt er derzeit für ein Projekt nach Südamerika, dazwischen in die Niederlande oder quer durch Deutschland. Meist fährt er von Köln aus mit dem ICE.

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Diehl studierte an der TH Aachen. Er war erst Bauleiter für ein Walzwerk und eine Gießerei. Seit 1980 ist er Mitgesellschafter eines Kölner Ingenieurbüros, das unter anderem den Mediapark Köln und den Umbau der Messe Köln verantwortete. „Auch sehr schöne Gebäude sind das geworden“, wie er sagt.

Die Kunsthalle Mannheim sei in seiner Karriere aber „schon etwas Besonderes“, so Diehl. „Aber eigentlich ist jedes neue Projekt spannend, denn es ist ja immer wieder eine komplett neue Mannschaft, es sind andere Firmen, andere Rahmenbedingungen“, so der Bauingenieur. „Mit Klinkenputzen habe ich noch nie einen Auftrag bekommen. Sonst ruft man mich meist, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist“, stellte sich Diehl bei seiner Berufung vor. „Wir haben ihn schon gerufen, ehe das Kind nur in die Nähe des Brunnens kommen konnte“, entgegnet Kunsthallendirektorin Ulrike Lorenz damals sofort.

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Sie schrieb Diehl an auf Empfehlung von Mannheims Oberbürgermeister Peter Kurz. Der wiederum erinnerte sich, dass Diehl die Theatersanierung in Bielefeld geleitet hatte und dann von der damaligen Generalintendantin Regula Gerber nach Mannheim geholt wurde, als Kosten und Zeitplan beim Neubau des Werkhauses des Nationaltheaters völlig aus dem Ruder zu laufen drohten.

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Diehls Aufgabe war nun, das Nadelöhr zwischen der Stiftung und dem Architekturbüro gmp als Generalplaner zu sein. „Er ist der entscheidende Mann, der uns als Bauherr vertritt“, umschrieb Lorenz seine Rolle. Von ihm erhoffe sich die Stiftung „größtmögliche Sicherheit bei Qualität, Kosten und Terminen“.

Für Diehl war klar: „Man kann nur Geld ausgeben, was man hat.“ Mäzen Hans-Werner Hector hatte mehrfach intern deutlich gemacht, dass er seinen Spendenbetrag von 50 Millionen Euro nicht aufstockt, auch die Stadt wollte auf keinen Fall nachschießen. Diehl setzte daher auf „permanentes Änderungsmanagement“, denn er wusste: „Nachbesserungen bei laufendem Bau – das macht viele Preissteigerungen aus.“ Daher wies er auch das Kunsthallen-Team in die Schranken, wenn es mitten im Bau noch Wünsche hatte. Ebenso musste er die finanziellen Grenzen sprengende, überbordende Kreativität der Architekten bremsen.

Beim eigentlichen Bau gab es letztlich nur drei Verzögerungen, für die er nichts konnte. Zunächst musste er die Entscheidung des Landtags über eine Petition der Neubaugegner abwarten, dann stieß man im Schutt auf mehr Schadstoffe als gedacht. Und schließlich fand man eine in keinem Plan eingezeichnete zweite Bodenplatte des Bunkers. Daher mussten die Abrissbagger, die schon abgefahren waren, im April 2015 noch einmal loslegen. In der Summe kostete das alles ein Vierteljahr. Diehl versuchte, dass einzelne Gewerke nicht nacheinander, sondern parallel arbeiteten, um Zeit aufzuholen. Nur am Ende, weil bei Klimatisierung und Sicherheit Testläufe und Einregulierungsphasen länger als geplant dauerten, klappte doch nicht alles – die Kunsthalle wird zwar termingerecht übergeben, aber es sind noch keine Gemälde aufgehängt. Diehl ficht das nicht an. Seinen Job, den Bauzeitplan und das Budget einzuhalten, hat er gemacht.

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