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Tauberbischofsheimer Schlosskonzerte - Bayerisches Kammerorchester Bad Brückenau und Mandolinist Alon Sariel begeisterten in der Stadthalle

Beifall wollte nicht mehr enden

Von 
Thomas Hess
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Der mattsilberne Mondscheinklang der Mandoline, gespielt von dem international renommierten Virtuosen, prägte das jüngste Schlosskonzert mit dem Bayerischen Kammerorchester Bad Brückenau unter Leitung von Sebastian Tewinkel.

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Das Schlosskonzert war das letzte der diesjährigen Saison – coronabedingt wiederum an zwei aufeinanderfolgenden Terminen in der Stadthalle.

Alon Sariel, seines Zeichens Mandolinist, Lautenist und Dirigent aus dem israelischen Beersheba, stand als ausgiebig gefeierter Solist im Mittelpunkt des Abends, doch seine Mitspieler(innen) des von Sebastian Tewinkel geleiteten Brückenauer Kammerorchesters standen ihm mit ihrem kraftvoll vitalen, frischen und zupackenden und dabei von sehr ansprechender Klangkultur geprägten Musizierstil kaum nach. Ungarische Musik des letzten Jahrhunderts bildete den Schwerpunkt des Programms, vertreten durch Altmeister Bela Bartok und den bei uns immer noch zu wenig bekannten Sandor Veress (1907-1992), gebürtiger Ungar, der später dem kommunistischen Regime in die Schweiz entkam. Wie sein großes Vorbild Bartok ließ er sich in seinem fruchtbaren und stilistisch weitgespannten Schaffen auch von der bäuerlichen Volksmusik seiner engeren und weiteren Heimat anregen.

Mal entfesselt, mal bodenständig

Ein schönes Beispiel dafür bilden die „Quattro danze transsilvane“ bzw. „Vier Siebenbürger Tänze“, Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts entstanden, die den bodenständigen, teils elegischen und melancholischen, dann wieder entfesselten Stimmungsgehalt des Originals in eine zeitgemäße, mal kantable, mal schroff dissonante Tonsprache übersetzen.

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Unter Sebastian Tewinkels Dirigat sorgte das Brückenauer Ensemble für ein intensives, aufregendes Hörerlebnis in eindrucksvollem Kontrast zu der eingangs gespielten frühen Mozart-Sinfonie (KV 134), deren vier Sätze, etwa die feinsinnigen Klangmischungen des Andante, das derb-launige Menuett und das kecke Finale liebevoll charakterisiert wurden.

Hört man Mandolinenklänge, so stellt sich auch heute noch quasi automatisch die Vorstellung eines Italienurlaubs ein, von warmen, sternklaren oder mondüberglänzten Nächten, mediterraner Heiterkeit und Unbeschwertheit. Johann Nepomuk Hummel(1778-1837), dessen reizendes Mandolinenkonzert G-Dur ein erstes Glanzlicht im Programm setzte, war allerdings Österreicher, Schüler Mozarts und Salieris und Freund Beethovens. Von den Zeitgenossen wurde er hoch geschätzt und ist auch heute noch mit Genuss zu hören, wie man an den bezaubernden, leicht eingängigen Ohrwurmmelodien und silbrig funkelnden Kadenzen dieses Werks gehobener Unterhaltungsmusik erfahren konnte.

Südliche Leichtigkeit

Der Solist Alon Sariel verstand es, seine Virtuosität ganz in den Dienst des lyrischen Gehalts zu stellen, Zartheit, südliche Leichtigkeit und Ausdruckskraft miteinander zu verbinden. Von einer dunkleren und mehr archaischen, man könnte fast sagen: bluesigeren Seite zeigte sich die Mandoline dann in einer Bearbeitung Alon Sariels, der längst zum modernen Klassiker des 20. Jahrhunderts gewordenen „Rumänischen Volkstänze“ von Bela Bartok.

Autochthone Urwüchsigkeit

Das viersaitige Zupfinstrument übernimmt hier die Stelle der Violine und verleiht diesen Tänzen damit fast noch mehr autochthone Urwüchsigkeit und folkloristische Färbung als in der Originalversion. Der Beifall in der Stadthalle wollte gar nicht enden. So kamen das Brückenauer Kammerorchester und der sympathische Virtuose aus Israel auch nicht um Zugaben herum: Zunächst der „Libertango“ von Astor Piazzolla und schließlich noch ein Stück für Mandoline Solo, komponiert von Alon Sariel, eine Art Improvisation zum (hoffentlich nicht mehr) aktuellen Thema „Lockdown“.

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