Würzburg

Uniklinikum Würzburg Interdisziplinäre und gebündelte Zusammenarbeit möglich / Hochspezialisiertes Labor

Zentrum für zelluläre Immuntherapie

Würzburg.Das Uniklinikum Würzburg hat in diesem Sommer ein Zentrum für zelluläre Immuntherapie gegründet. Neben der – nun gebündelten – interdisziplinären Expertise der beteiligten Mediziner zeichnet sich die Einrichtung durch ein hochspezialisiertes Labor aus. Dort kann klinikumsintern eine Vielzahl von Zellpräparaten hergestellt werden.

„Die Immuntherapie hat die Therapiemöglichkeiten in der Onkologie revolutioniert und in den letzten Jahren Erfolge erzielt, die bislang undenkbar waren“, zeigt sich Professor Dr. Matthias Eyrich vom Uniklinikum Würzburg (UKW) begeistert. Der auf Krebs in der Kinderheilkunde spezialisierte Mediziner leitet auch den Bereich Zelltherapie an der Universitäts-Kinderklinik. Dort, wie auch an der von Professor Dr. Hermann Einsele geleiteten Medizinischen Klinik II, werden schon seit über 15 Jahren Immuntherapien, überwiegend im Bereich der Stammzelltransplantation, angewandt.

In der Onkologie sollen aktivierte Immunzellen die körpereigene Immunabwehr gezielt dabei unterstützen, Krebszellen aufzuspüren und anzugreifen. Die meisten Erfahrungen und Erfolge liegen dabei bislang bei der Behandlung von Blut- und Lymphknotenkrebs vor. Nun sollen auch solide Tumore auf diesem Weg therapiert werden. „Es zeigt sich, dass dies ungleich schwieriger ist, aber auch dies wird gelingen“, ist sich Professor Eyrich sicher. Weitere Fachbereiche des Uniklinikums haben ein zunehmend starkes Interesse, das Immunsystem für die Behandlung von Krebserkrankungen in ihren Organbereichen zu nutzen, zum Beispiel bei Hautkrebs und Gehirntumoren. Diese Bestrebungen und Aktivitäten bündelt das UKW jetzt in dem im August dieses Jahres ins Leben gerufenen Zentrum für zelluläre Immuntherapie.

Mit der neuen Struktur sind eine ganze Reihe von weitreichenden Erwartungen verbunden. „Dazu zählen sowohl eine Steigerung der Behandlungskapazität wie auch eine Ausweitung der Anwendungsgebiete“, sagt Professor Dr. Michael Hudecek, CAR-T-Zell-Spezialist an der Medizinischen Klinik II. Was nichts anderes bedeutet, als dass in Zukunft noch mehr Patienten auf diese Weise behandelt werden sollen – und die Mediziner gleichzeitig ein noch breiteres Spektrum an Tumorerkrankungen in Angriff nehmen wollen. „Passend zum Aus- und Weiterbildungsauftrag des Uniklinikums werden wir im Zentrum außerdem für Ärzte, wie auch für Patienten gemeinsam verstärkt Schulungen zum richtigen Umgang mit Immuntherapien entwickeln und anbieten“, kündigt Professor Eyrich an. Last but not least ist eine Zentrumsstruktur gut für die Forschung und ihre Unterstützung auf diesem Gebiet.

Zelltherapie-Labor

Immuntherapien gibt es in aller Regel nicht „von der Stange“. Vielmehr werden sie für jeden Patienten individuell hergestellt. Im Moment läuft das meistens so, dass dem Patienten eigene Zellen entnommen werden, diese werden dann in einem Speziallabor verändert und dem Patienten anschließend zurückinfundiert. Das UKW hat den großen Vorteil, dass es viele dieser Zellmanipulationen selbst vornehmen kann. Dazu betreibt es im Untergeschoss des Gebäudes D30 seit dem Jahr 2006 ein GMP-Zelltherapie-Labor. GMP steht für „Good Manufacturing Practice“, was bedeutet, dass hier nachweislich alle gesetzlichen Anforderungen wie bei der Herstellung von Fertigarzneimitteln erfüllt werden.

Als Herstellungsleiter und sogenannte Sachkundige Person ist Professor Eyrich für die hochspezialisierte Einrichtung verantwortlich. Er erläutert: „Aktuell haben wir vom Paul-Ehrlich-Institut als zuständiger Bundesoberbehörde die Genehmigungen für die Herstellung von 16 verschiedenen Zellprodukten und arbeiten daran, weitere zu bekommen. Diese Produktbreite ist bayernweit einzigartig.“ Pro Jahr stellt sein Laborteam unter Reinraumbedingungen rund 120 Produkte her, hauptsächlich im Bereich der Stammzelltransplantation. Etwa zwei Drittel der Produkte werden in der Medizinischen Klinik II an Erwachsene verabreicht, ein Drittel kommt in der Kinderklinik zum Einsatz.

Manche Zellmanipulationen müssen im Moment noch bei externen Biotechnologie- und Pharmafirmen stattfinden. „Hier arbeitet unser GMP-Labor als Kooperationspartner, der die hochkomplexe Logistik leisten kann, die erforderlich ist, um die Patientenzellen sicher um die halbe Welt zu senden“, beschreibt Eyrich. Am UKW laufen derzeit viele Forschungsbemühungen, um gerade auch für seltenere Tumore neue Zelltherapien zu entwickeln und verfügbar zu machen. „Das GMP-Zelltherapie-Labor fungiert hier unter anderem als Bindeglied zwischen präklinischer Laborforschung und klinischen Studien“, verdeutlicht der Herstellungsleiter.

Aktuelle Studien am Uniklinikum beschäftigen sich zum Beietwa mit den Einsatzmöglichkeiten von Immuntherapien bei Erwachsenen mit Multiplem Myelom. Bei Kindern wird unter anderem an Behandlungsmöglichkeiten für das Neuroblastom, einem bösartigen Nerventumor, sowie an einem Tumorimpfstoff für kindliche Hirntumoren gearbeitet.