Würzburg

Ökumene Auf dem ehemaligen Landesgartenschaugelände wurde die Trinitatiskapelle gesegnet

Zeichen der Zusammengehörigkeit

Archivartikel

Würzburg.Bei einer von Dekanin Dr. Edda Weise und Dekan Dr. Jürgen Vorndran gemeinsam gestalteten Feier ist die Trinitatiskapelle im Würzburger Stadtteil Hubland als ökumenisches Gotteshaus gesegnet worden. „Im vergangenen Jahr war Trinitatis der Raum der Besinnung für alle Besucherinnen und Besucher der Landesgartenschau, egal welchen Glaubens. Heute sind wir noch einmal hierher gekommen, um diesen Raum als ökumenisch genutzten Gottesdienstraum einzuweihen und zu segnen“, sagte Vorndran. Weise wertete die Kapelle als ein „zum Himmel aufragendes Zeichen, dass wir als katholische und evangelische Kirche gerade in dieser sich immer stärker säkularisierenden Welt zusammengehören und zusammenstehen wollen“.

In ihrer Predigt verwies die Dekanin auf das Evangelium von der Begegnung des Zöllners Zachäus mit Jesus. Darin sagt Jesus zu diesem: „Ich muss heute in deinem Haus einkehren.“ Diese Hoffnung verbänden Christen mit ihren Kirchen und Kapelle. Die Begegnung mit Jesus verändere Zachäus so, dass er aufhöre zu betrügen und seine Opfer vielfach für das Unrecht entschädige, das er begangen hat.

Glaube eine starke Kraft

„Glaube ist eine starke Kraft. Er verändert Menschen und Welten.“ Wenn Jesus zu sündigen Menschen wie Zachäus komme, dann sei das auch eine Aufforderung an alle Christen, den Menschen gegenüber aufgeschlossen und freundlich zu sein.

„Die Geschichte vom kleinen Zöllner Zachäus, der von Jesus in seinem Haus besucht wird, zeigt uns, dass wir großzügig und gut miteinander und mit dem Leben andere Menschen umgehen, ihnen die gute Nachricht mitteilen sollen, so wie Zachäus nach seiner Begegnung mit ihm.“

Als Glücksfall bezeichnete der evangelische Oberkirchenrat Dr. Hans-Peter Hübner es, dass 2018 für die Landesgartenschau diese Wegkapelle errichtet worden sei. „Jetzt beginnt eine neue Phase in der jungen Geschichte der Kapelle: Ab sofort steht sie offiziell im Dienst der Verkündigung der Dreifaltigkeit.“ Damit sei sie in ökumenischer Verbundenheit ein kirchlicher Ort, „der hoffentlich einladend und offen bleibt für alle Menschen, die Gemeinschaft und Offenheit suchen“. In seiner Schlichtheit und Form greife das Gebäude die jüdisch-christliche Tradition des Zelts auf und mache deutlich: „Wir sind auf dem Weg – in vielfältiger Weise.“

Im Miteinander der Ökumene trauten sich evangelische und katholische Kirche jetzt sogar, unter ein gemeinsames Dach zu gehen. „Sollten wir in der Ökumene nicht schon viel weiter sein?“, fragte Hübner. Viele Ressourcen – wie beispielsweise Pfarrheime – ließen sich bestens gemeinsam nutzen. Mit Blick auf das Dachfenster, durch das das Licht in den Raum fällt betonte der Oberkirchenrat: „Alles Gute kommt von oben.“

Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt hob in seinem Grußwort hervor, dass Kirchen und Stadt ein gemeinsames Ziel hätten: das Wohl der Menschen. Gerade im sozialen, pädagogischen und kulturellen Bereich leisteten die Kirchen einen unverzichtbaren Beitrag zu hohen Lebensqualität in Würzburg. Als Kernkompetenz der Kirchen bezeichnete Schuchardt das Vermitteln von Werten. Das sei insbesondere in einer Zeit wichtig, in der viele Menschen tief verunsichert und mit einem steigenden Populismus konfrontiert seien.

„Umso mehr sind wir gefordert, die Werte hochzuhalten, welche für ein friedliches und solidarisches Miteinander grundlegend sind und die Menschen motivieren, ihre Verantwortung in Staat und Gesellschaft wahrzunehmen“, betonte Schuchardt. Er hoffe, dass viele Menschen das Angebot wahrnehmen, an diesem „Ort der Stille“ zur Ruhe zu kommen, zu sich selbst zu finden sich für eine spirituelle Erfahrung zu öffnen. So könne die Trinitatiskapelle ein geistiges Kraftzentrum werden, von dem ein Segen für den neuen Stadtteil und die hier lebenden Menschen ausgehe.

„Leben und Architektur lassen sich nicht trennen“, sagte Architekt Christian Brückner, der die preisgekrönte Kapelle entworfen hat. In seiner Schlichtheit und Formensprache sei das Gebäude ein Zeichen in eine Gesellschaft hinein, in der oft das Unwesentliche zelebriert werde. Er dankte allen, die an der Verwirklichung des Baus beteiligt waren, vor allem dem Spenglermeister Heinrich Eid, der die prägnante blecherne Außenhaut schuf. pow