Würzburg

Universität Würzburg Studie zu Schlaganfallpatienten vorgelegt / Verläufe variieren stark – je nach Auslöser

Überlebenswahrscheinlichkeit verbessert

Archivartikel

Würzburg.Nach einem Schlaganfall variieren die Überlebenschancen und das Risiko eines zweiten Anfalls innerhalb der folgenden Jahre stark – je nach Auslöser. Das haben Forscher der Universitäten Würzburg und Erlangen jetzt herausgefunden.

Der Schlaganfall ist in Deutschland nach Herz- und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter.

Rund 200 000 Personen betroffen

Rund 200 000 Männer und Frauen sind jährlich davon neu betroffen; etwa 66 000 erleiden zum wiederholten Mal einen Schlaganfall. Sogenannte ischämische Schlaganfälle bilden dabei die häufigste Variante. In diesem Fall ist eine Minderdurchblutung des Gehirns verantwortlich für den Hirninfarkt, ausgelöst häufig durch ein Blutgerinnsel.

Wissenschaftler der Universitäten Würzburg und Erlangen haben jetzt neue Erkenntnisse über die Sterblichkeit und die Wiederholungsraten nach einem ischämischen Schlaganfall gewonnen. Sie haben dafür Krankheitsverläufe über einen Zeitraum von 20 Jahren hinweg verfolgt. Auf Würzburger Seite daran beteiligt waren Professor Peter U. Heuschmann, Leiter des Instituts für klinische Epidemiologie und Biometrie, und seine wissenschaftliche Mitarbeiterin Viktoria Rücker. Sie haben sich auf die statistische Auswertung der Daten konzentriert.

In der international renommierten Fachzeitschrift Stroke hat das Forscher-Team die Ergebnisse seiner Studie veröffentlicht.

Fast jeder Zweite stirbt innerhalb von fünf Jahren

„Insgesamt zeigen unsere Zahlen hohe Raten sowohl für die Sterblichkeit als auch die Wiederholungsfälle: Fast jeder zweite Patient stirbt innerhalb von fünf Jahren nach dem ersten Schlaganfall. Und jeder fünfte erleidet in diesem Zeitraum einen erneuten Schlaganfall“, fasst Viktoria Rücker die zentralen Ergebnisse der Studie zusammen. Dabei sei die Wahrscheinlichkeit zu sterben bei Frauen etwas höher als bei Männern (49,6 Prozent bei Frauen gegenüber 41,8 Prozent bei Männern).

Das Langzeitüberleben und die Wiederholungsrate unterschieden sich jedoch erheblich je nach Ursache des ersten Schlaganfalls: „Betrachtet über einen Zeitraum von fünf Jahren, haben Patienten, deren Schlaganfall durch den Verschluss kleiner Arterien ausgelöst wurde, die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit“, erklärt Peter Heuschmann. Dagegen liegt diese Rate bei Patienten mit einem sogenannten kardioembolischen Schlaganfall, der unter anderem durch ein Vorhofflimmern verursacht werden kann, am niedrigsten.

Und die Gefahr, innerhalb von fünf Jahren einen erneuten Schlaganfall zu erleiden, war besonders gering in solchen Fällen, bei denen Verengungen der kleinen Hirngefäße oder Ablagerungen in den großen hirnversorgenden Blutgefäßen den ersten Schlaganfall ausgelöst hatten.

Was die Zahlen auch zeigen: In den vergangenen Jahrzehnten hat sich in Erlangen die Überlebenswahrscheinlichkeit nach einem ischämischen Schlaganfall deutlich verbessert – und zwar über alle Schlaganfall-Subtypen hinweg. Dies steht im Einklang mit der bundesweiten Entwicklung.

Mögliche Erklärungen sind nach Ansicht der Wissenschaftler Verbesserungen bei den Behandlungsmöglichkeiten und im Umgang mit der Erkrankung, etwa durch die Einrichtung von sogenannten Stroke Units – also Spezialstationen für Schlaganfallpatienten.

Daten von über 3000 Patienten

Für ihre Studie haben die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Daten von 3346 Patientinnen und Patienten aus dem Zeitraum von 1996 bis 2015 verwendet. Diese stammen aus dem Erlanger Schlaganfall-Register (ESPRO). Dort werden alle Schlaganfälle registriert, die innerhalb der Stadt Erlangen diagnostiziert werden. Die jeweiligen Krankheitsverläufe werden vom ersten Tag der Erkrankung an detailliert erfasst und in regelmäßigen Abständen bis zum Lebensende weiterverfolgt – inklusive Risikofaktoren, erneuten Schlaganfällen und Spätfolgen, wie es abschließend in einem Bericht der Universität Würzburg heißt.