Würzburg

Feierstunde Der EU-Austritt Großbritanniens hat den Veitshöchheimer Ortsteil Gadheim ins geografische Zentrum der Europäischen Union gerückt

„Trauriges und freudiges Ereignis“

Archivartikel

Gadheim.Der EU-Austritt Großbritanniens hat den Veitshöchheimer Ortsteil Gadheim (Landkreis Würzburg) ins geografische Zentrum der Europäischen Union gerückt. Am Freitag hat Bischof Dr. Franz Jung an einer Feierstunde teilgenommen, bei der die Bayerische Staatsministerin für Digitales, Judith Gerlach, den neuen EU-Mittelpunkt einweihte.

Anschließend besuchte der Bischof den nahe gelegenen Sankt Markushof, einen Ausbildungsbetrieb, der vom Caritasverband für die Diözese Würzburg und der Deutschen Provinz der Salesianer Don Boscos getragen wird.

„Zukunft liegt in Gemeinschaft“

„Es ist ein trauriges und freudiges Ereignis in einem“, bilanzierte der Bischof nach der Feierstunde am EU-Mittelpunkt. „Freudig ist, dass der Mittelpunkt Europas in Gadheim liegt. Traurig ist, dass uns ein wichtiger Partner abhandengekommen ist“, sagte Jung mit Verweis auf den Austritt Großbritanniens aus der EU. „Die Zukunft liegt in der Gemeinschaft. Die Tendenzen der Trennung, die sich in Europa breitmachen, sind kein gutes Zeichen“, ergänzte er.

Ähnlich äußerte sich Staatsministerin Judith Gerlach, die Bayerns Ministerpräsident Markus Söder vertrat. In ihrer Ansprache erinnerte Gerlach daran, dass sich der EU-Mittelpunkt 2013 durch den EU-Beitritt Kroatiens nach Westerngrund (Landkreis Aschaffenburg) verschoben hatte. „Ich kann mich gut daran erinnern, weil es ein Tag voller Begeisterung war.“ Nach Veitshöchheim sei sie mit gemischten Gefühlen gekommen, und das nicht nur, weil Westerngrund in ihrem Stimmkreis liege. „Mein unterfränkisches Herz freut sich, dass der Mittelpunkt in Unterfranken bleibt. Mein europäisches Herz ist betrübt wegen des Brexit.“

Die Briten seien ein starker und verlässlicher Partner Deutschlands gewesen, fügte sie hinzu und kündigte an, dass der Freistaat ein bayerisches Büro in London eröffnen werde. Dem „Rückzug in eigene kleine Nischen“ erteilte Gerlach eine Absage. Er passe nicht zu globalen Herausforderungen wie Digitalisierung, Klimawandel oder Corona-Krise. „Wir kämpfen für Europa“, versicherte die Staatsministerin.

Den Staffelstab im Design der Europaflagge übergab Gerlach an Jürgen Götz, Bürgermeister von Veitshöchheim, nachdem sie ihn von Brigitte Heim, Bürgermeisterin von Westerngrund, entgegengenommen hatte.

Der Staffelstab symbolisiert, dass der Titel des EU-Mittelpunktes auf Zeit vergeben ist und bei geografischen Veränderungen weitergereicht werden muss. Außerdem enthüllte Gerlach Informationstafeln, die unter anderem erklären, wie der Mittelpunkt der EU gemessen wird.

An der Feierstunde auf freiem Feld nahmen Vertreter von Politik, Kirche und öffentlichem Leben teil. Dazu zählten Landtagspräsidentin a.D. Barbara Stamm, Bundestagsabgeordneter Paul Lehrieder, die Landtagsabgeordneten Kerstin Celina und Manfred Ländner, Landrat Thomas Eberth und der Würzburger Oberbürgermeister Christian Schuchardt.

Nach dem Festakt am EU-Mittelpunkt unternahm Bischof Dr. Jung einen Rundgang über das Gelände des Sankt Markushofs.

Dieser bietet 120 Ausbildungsplätze für Menschen mit erhöhtem Förderbedarf.

Ausgebildet wird außer im Garten- und Landschaftsbau in IT-, Hotel- und Bäckerberufen. pow