Würzburg

Premiere Die Show des Circus FlicFlac lässt so manchem Zuschauer den Atem stocken / Weitere Vorführungen bis 9. Februar

Schräge Show und purer Nervenkitzel

Archivartikel

Würzburg.Es ist definitiv nichts für schwache Nerven, was die Artisten des Circus FlicFlac bieten. Mit atemberaubender Akrobatik und einer grandiosen Show feierten sie am Freitag mit „Punxxx“ eine vielumjubelte Premiere in Würzburg. Dem Motto von schrillen und rebellisch-unangepassten Zeitgenossen mit schrägen Frisuren bleibt man treu und entlässt nach mehr als zwei Stunden ein rundum begeistertes und fasziniertes Publikum in die Nacht.

Adrenalin und Benzingeruch

Da stockt im 30. Jahr des Bestehens des unkonventionellen Zirkus schon zu Beginn der Atem. Wenn die Mad Flying Bikes mit ihrer Freestyle-Show auf den Crossmotorrädern unter die Zirkuskuppel fliegen und dabei noch einen Salto schlagen, wird jede Menge Adrenalin freigesetzt – und Benzingeruch. Der liegt auch in der Luft, als die Helldrivers die riesige Stahlkugel mit ihren Motorrädern erobern. Parallel und diagonal kreisen sieben Männer und eine Frau durch den vibrierenden „Globe of Speed“ und sorgen für einen besonderen Nervenkitzel.

„Artistik am Rande des Nervenzusammenbruchs“ ist der Anspruch der Show. Und dem werden die Akrobaten jederzeit gerecht. Allen voran Alex Michael. Kopfüber hangelt er sich bei seiner waghalsigen Nummer – nur mit den Füßen an Schlaufen hängend – von einem Deckentrapez zum andern. Ein Netz als Sicherung? Fehlanzeige.

Nicht weniger spektakulär ist die Antipoden-Darbietung von Romy Michael, die ihre Tücher auch in luftiger Höhe mit Händen und Füßen wirbeln lässt. So schnell können die Augen gar nicht folgen. Das ist bei Amadeo Colombaioni und seiner Bouncing Jonglage nicht anders, wenn er die Bälle durch die Luft katapultiert.

Equlibristik vom Feinsten bieten „Three G“. Die athletische Frauenpower aus der Ukraine balanciert sich gegenseitig spielend leicht bei der Hand-auf-Hand-Akrobatik - was auch von Fuß zu Fuß perfekt und grandios faszinierend wirkt.

FlicFlac geht gerne unkonventionelle Wege. Bei „Punxxx“ heißt das, die Artisten können auch schon mal im Regen stehen. Olha Peresada an der Polestange bietet zu „Purple Rain“ von Prince eine waghalsig-hochversierte Performance mit Spagat und Pirouetten, dass einem schier schwindelig wird. Das Spiel mit Wasser und Feuer beherrschen auch Julia Galenchyk und ihr Partner Dmytro Turkeiev am Strapaten. Kraftvoll und artistisch zugleich fasziniert ihr „Pas de Deux“ der etwas anderen Art das Publikum. Das Element Wasser hat das Duo Splash für sich entdeckt. Die beiden grazilen Damen wissen sich in ihrem halbkugelförmigen Pool und am Rand kunstvoll und synchron zu verbiegen und Nixen-gleich die Premierenzuschauer zu verzaubern.

Fantastische Akrobatik

Mit fantastischer Akrobatik – ganz ohne Tiere – setzt FlicFlac jede Menge Ausrufezeichen. Auch bei der Comedy. „Pausenclown“ David Eriksson ist mehr als das. Mit seiner Guerilla Comedy und knallengen pinken Hotpants hat er schon optisch beim Publikum gewonnen. Und das muss bei ihm häufig herhalten – ob beim Apfelaufspießen in Anlehnung an Wilhelm Tell oder wenn er einem Besucher liebevoll das schüttere Haar streichelt. Den nackten Wahnsinn liefern schließlich „Naked Lunch“, die nicht nur mit Karotten den „Bolero“ aus „Carmen“ auf Bratpfannen spielen, sondern auch sonst die Küchenutensilien geschickt einzusetzen wissen.

Mitreißend und atemberaubend, wie sie begonnen hat, endet die Show. Die Reifenspringer „Holy Warriors“ der China National Akrobatik Truppe verblüffen mit ihren akrobatischen Sprüngen vorwärts und rückwärts durch die rotierenden Ringe. Oder sie katapultieren sich fast aus dem Stand auf vier Meter Höhe. Kein Wunder, dass die Zuschauer am Ende stehend Applaus spenden für ein außergewöhnliches Spektakel, das gleichzeitig ein Statement gegen Fremdenfeindlichkeit und Homophobie sein will. „Ohne die Ausländer wäre die Show schon nach fünf Minuten zu Ende gewesen“, verkündet die Ansage. Die Würzburger genießen die mit Action gespickte akrobatische Leistung.