Würzburg

Eine Welt Netzwerk Bayern Katharina Lang vernetzt als Promoterin Eine-Weltläden und Partnerschaftsgruppen in der Region

Mit Nachdruck für fairen Handel einsetzen

Würzburg.Es gibt Momente, da wurde auch sie schon vom Gefühl der Ohnmacht gepackt. Das war zum Beispiel bei einem Aufenthalt in Tansania, wo ihr Menschen erzählten, unter welchen brutalen Bedingungen sie auf der Kaffeeplantage arbeiten müssten. „Das Land war ihnen weggenommen worden“, erzählt die Würzburger Eine Welt-Promotorin Katharina Lang. Sie überwand ihre Ohnmacht. Sie verwandelte diese Emotion in jene Kraft, mit der sie sich heute in der Region für fairen Handel einsetzt.

Noch fragen sich viel zu wenige Verbraucher, ob das, was sie konsumieren oder benutzen, fair hergestellt wurde. Doch die FairTrade-Szene wächst. „Hier in der Region ist sie überaus lebendig“, sagt die 26-Jährige, die gerade dabei ist, die vielen kleinen Gruppen, Initiativen und Gremien, die sich mit fairem Handel beschäftigen, kennenzulernen. Fragt man Menschen in der Fußgängerzone direkt, würden sicher auch die meisten sagen, dass sie dafür sind, dass jeder Mensch für das, was er arbeitet, gerecht entlohnt wird und dass Arbeit nicht krank machen darf. Doch das tatsächliche Einkaufsverhalten steht hierzu oft in diametralem Widerspruch.

Aufklären

„Das kann sich nur durch Bildung ändern“, sagt Katharina Lang. Über die Notwendigkeit über fairen Handel aufzuklären, gehört zu ihren Hauptaufgaben als Eine Welt-Promotorin. Für ihren neuen Job ist die gebürtige Mittelfränkin bestens qualifiziert. Lang studierte in Leipzig Afrikanistik. „Dabei ging es um die historische, politische und wirtschaftliche Situation Afrikas“, erzählt sie. Gerade der ökonomische Aspekt fesselte sie: „Weshalb ich begann, parallel Wirtschaftswissenschaften zu studieren.“ In Tansania und Uganda erfuhr Lang vor Ort, wie Menschen in Afrika leben und arbeiten. Und was sie sich von jenen, die ihre Produkte konsumieren, wünschen.

Diese authentische Erfahrung führte dazu, dass sich die Afrikanistin mit großem Nachdruck für fairen Handel einzusetzen begann. Wie sie das als Promotorin tut, steht ihr frei. Das „Eine Welt Netzwerk Bayern“, das die Teilzeitstelle finanziert, schnürt ihre Promotorinnen in kein Korsett. Katharina Lang zum Beispiel hat vor, die regionale Wirtschaft stärker für die Idee des Fairen Handels zu gewinnen. Bei der Industrie- und Handelskammer in Würzburg hat sie bereits angeklopft. Ihr Anliegen stieß auf Interesse, sehr wahrscheinlich kann sie im kommenden Jahr einen Vortrag für Firmen aus der Region anbieten.

„Klimafair“ unterwegs

Obwohl sie kreuz und durch die Region tourt, um für den Gedanken „Fairer Handel“ zu werben, verzichtet Lang bewusst auf ein eigenes Auto. Die junge Frau radelt, fährt Bus und Bahn. „Das funktioniert, weil mir die Menschen vor Ort entgegenkommen“, lacht sie. Ist es nicht möglich, per ÖPNV abends in ein kleines Dorf zu gelangen, wird sie von jenen, die sie eingeladen haben, vom nächstgelegenen Bahnhof abgeholt. Die viele Zeit, die Lang unterwegs verbringt, nutzt sie, um zu arbeiten. So kommt sie trotz der vielen Termine ganz gut mit ihrem begrenzten Stundenkontingent zurecht.

Wer von so viel „FairTrade-Power“ umgeben ist wie Katharina Lang, fühlt sich nicht mehr machtlos im weltwirtschaftlichen Räderwerk. Obwohl die nackten Zahlen ernüchternd sind. 4,1 Prozent des in Deutschland konsumierten Kaffees wird derzeit fair gehandelt.

Das klingt erst einmal mickrig. Allerdings steigen die Zahlen jedes Jahr. Der Marktanteil von vier Prozent macht immerhin 20 360 Tonnen aus. Das ist fast eine Verdoppelung im Vergleich zu 2013. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr FairTrade-Produkte im Wert von 1,62 Milliarden Euro verkauft. Jeder deutsche Konsument gab damit rein rechnerisch 19 „faire“ Euro aus.

FairTrade-Kitas

Würden sich noch mehr Menschen für die gemeinsame Sache „Fairer Handel“ einsetzen, könnte sich endlich auch im großen Stil etwas ändern. Um eine weltwirtschaftliche Transformation zu bewirken, müsste es schon für Kinder selbstverständlich werden, fair zu konsumieren. Dafür setzen sich FairTrade-Kitas ein. Sechs solcher Kitas gibt es bisher in Bayern, zwei befinden sich in der Region Würzburg: Der Kindergarten Rechts des Mains in Ochsenfurt und der Kindergarten St. Bilhildis in Veitshöchheim. Weitere Kitas sind laut Lang dabei, sich zertifizieren zu lassen.

Das Thema „Fairer Handel“ wird in diesen Kitas „bunt“ aufbereitet. Es kommt mit fairen Fußbällen und leckeren Gerichten wie „Fairer Bananenmilch“ daher.

Die Thematik auf so positive Weise zu transportieren, ist wichtig, denn das, was hinter der Notwendigkeit eines Einsatzes für den fairen Handel steckt, also Landvertreibung, Wasserverseuchung und rabiate Ausbeutung von Menschen, ist bedrückend. So bedrückend, dass man, vertieft man sich allzu sehr in diese Aspekte, das Lachen verlernen könnte.