Würzburg

Landgericht 29-Jährige Betrügerin bestätigt Anklageschrift

Mit Lügen viele Leute „abgezockt“

Würzburg.Als Kinderpflegerin wurde sie ausgebildet, zuletzt spielte sie in der Oberliga gerissener Betrüger und nun steht sie mit 29 Jahren zum ersten Mal vor einer Großen Strafkammer des Landgerichts Würzburg – und sagt zu drei Anklageschriften mit zahlreichen Delikten nur: „Ja, stimmt alles.“

Roll-Rasen hat die Frau zum Beispiel übers Internet zu einem sagenhaft günstigen Preis angeboten, Begründung dafür: Sie habe bei einem Gewinnspiel im Radio jede Menge Rasen gewonnen. Der Preis von einem Euro pro Quadratmeter hat für zahlreiche Bestellungen im Großraum Würzburg gesorgt. Die Kunden mussten vorab zahlen und warteten dann vergebens auf frisches Gras für den Garten am Haus. Insgesamt geht es um einige tausend Quadratmeter.

Rollrasen war frei erfunden

„Gerollt“ worden ist auch ein flüchtiger Bekannter, dem die Angeklagte wenige Wochen nach dem ersten und zugleich letzten Schäferstündchen mitteilte, dass sie schwanger sei. Wenn er für sie den Kaufvertrag für einen Motorroller über 3790 Euro unterschreibe, könne sie über eine Abtreibung mit sich reden lassen. Der Mann hat unterschrieben, die Schwangerschaft war frei erfunden.

Die „Köder“, mit denen die junge Frau sich Geld angelte, waren vielfältig. So hatte sie in den sozialen Medien und allen möglichen Plattformen mal eine Reise nach Alaska und dann eine Richtung Malediven günstig angeboten, weil sie wegen einer schweren Krankheit die gebuchte Reise angeblich nicht antreten könne. Die Interessenten überwiesen die geforderte Vorauszahlung und warteten dann vergebens auf die Reiseunterlagen, hieß es vor dem Landgericht.

Kunden beruhigt

Kunden, die ihr Geld zurückhaben wollten und drängten, habe die Angeklagte zum Beispiel „ruhig gestellt“, indem sie ein Foto vom ausgefüllten Überweisungsträger schickte zum Beweis dafür, dass das Geld unterwegs sei. Die Überweisung war allerdings gefälscht.

In Würzburg soll die Frau mit einer guten Bekannten in einen Elektronik-Markt gegangen sein und diese veranlasst haben – viel Reden ist ihre Stärke – zwei Laptops zu kaufen, „was Gutes“ für rund 3000 Euro. Ein Bekannten sollte die Geräte einrichten. Die Beschuldigte nahm die Laptops mit und verschenkte einen noch am gleichen Abend. Den anderen habe sie verkauft.

Es sei der Angeklagten nicht nur um Geld, sondern auch darum gegangen, sagte einer ihrer beiden Verteidiger, dass man ihr Aufmerksamkeit schenkte, das Gespräch mit ihr suchte, sie schätzte und bewunderte. Sie wisse nicht, warum sie das alles gemacht habe,so die Angeklagte. Aber sie würde es gerne erfahren und dann eine Therapie machen, sagte die 29-Jährige. Der Prozess wird fortgesetzt.