Würzburg

Schöffengericht US-Rapper in Fern-Bus mit Rauschgift entdeckt / Urteil noch nicht rechtskräftig

Marihuana zur „Inspiration“

Archivartikel

Würzburg.Als Rapper habe er sich gerade in einer kreativen Phase befunden und zur Inspiration für sein neues Album täglich bis zu fünf Gramm Marihuana konsumiert, sagte ein 43 Jahre alter US-Amerikaner vor dem Schöffengericht, wo er als Dealer angeklagt war. Beim kurzen Halt eines Fern-Busses am Würzburger Hauptbahnhof hatten Polizeibeamte in seinem Rucksack 200 Gramm Marihuana gefunden, auf drei Plastiktütchen verteilt und mit Alu-Folie eingewickelt.

Zwei Jahre Haft

Seine Fans werden jetzt vermutlich einige Zeit auf Live-Konzerte des Rappers aus dem amerikanischen Bundesstaat Maryland verzichten müssen: Das Schöffengericht ging zwar davon aus, dass der Stoff verkauft werden sollte, konnte es dem Angeklagten jedoch nicht nachweisen, dass er dealen wollte. Daher wurde der Rapper nur wegen „Besitzes von Drogen in nicht geringer Menge“ zu einer noch nicht rechtskräftigen Freiheitsstrafe von zwei Jahren ohne Bewährung verurteilt.

Der Fern-Bus kam aus Duisburg, sein Ziel war München, der Angeklagte wollte in Nürnberg aussteigen und war dort an dem Tag angeblich mit Musiker-Kollegen verabredet, um eine gemeinsame Video- Aufzeichnung abzuschließen.

Namen der Beteiligten und Anschrift des Studios nannte er jedoch nicht.

Personenkontrolle

Bei der „verdachtsunabhängigen Personenkontrolle“ im Flix-Bus hatten Polizeibeamte in Zivil, ohne Rauschgift-Hund, sich sofort den Fahrgast aus Duisburg vorgenommen.

Sein Anwalt, Klaus Spiegel (Würzburg) hatte dafür eine Erklärung: die Beamten seien zielgerichtet auf die einzige „maximalpigmentierte“ Person im Bus zugegangen, den einzigen Fahrgast mit dunkler Haut, der sich schnell als „Volltreffer“ erwies.

Während der Kontrolle war es dem Angeklagten gelungen, übers Handy noch eine Nachricht an seine Lebensgefährtin abzusetzen: „Sie haben mich geschnappt“. Dass die Lebensgefährtin sich, ohne zu wissen, warum der Mann festgenommen wurde, sofort um einen Anwalt aus Würzburg bemühte, war für das Gericht jetzt ein Indiz dafür, dass sie sich den Grund der Festnahme vorstellen konnte.

„Schnäppchenpreis“

Kurz vor der Abfahrt in Duisburg sei ihm, so der Angeklagte, am Hauptbahnhof von einem Unbekannten „Gras“ angeboten worden zu einem Schnäppchenpreis. Das Geschäft – 200 Gramm zum Preis von 1600 Euro – sei in den Bahnhofs-Toiletten abgewickelt worden, einschließlich Qualitätskontrolle, und der Verkäufer habe ihm sogar noch Alu- Folie gratis mitgegeben, zum geruchsdämmenden Verpacken.