Würzburg

Neujahrsempfang der Stadt OB Christian Schuchardt und Bischof Dr. Franz Jung hielten Reden

Gemeinsame Anstrengung nötig

Würzburg.Rund 600 Gäste besuchten am Sonntag den Neujahrsempfang der Stadt Würzburg, der geprägt war von Rück- und Ausblicken. Gastredner war Bischof Dr. Franz Jung.

Hatte Oberbürgermeister Christian Schuchardt in der Jahresschlusssitzung des Würzburger Stadtrates Ende Dezember Politik dazu aufgerufen, Mut zu machen, stellte er das Thema seiner diesjährigen Neujahrsrede unter das Motto und die Aufgabe der Politik „Zusammenführen“ und nahm die Teilnehmer mit auf eine Reise durch Würzburg. Diese Reise war einerseits persönlich, andererseits zeigt sie aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln, einem Kaleidoskop ähnlich, wie lebendig und vielfältig Würzburg in den letzten Jahren gewachsen ist.

Auf der imaginären Rundreise durch Würzburg mit unterschiedlichen Verkehrsträgern, „da Mobilität eines der beherrschenden Themen des vergangenen Jahres war“, wanderte der Oberbürgermeister mit den Gästen des Rathauses zum LGS-Park am Hubland, der im März der Öffentlichkeit übergeben wurde: „Seitdem finden in diesem Vorzeigestadtteil bei schönem Wetter wahre Völkerwanderungen statt“, so Schuchardt. Am Hubland zeige sich darüber hinaus, dass Würzburg „eine der digitalsten Städte ist, mit den drei Standorten des Zentrums für Digitale Innovation, einer reichen Gründerszene, für die Kreativ- und Büroräume und im neuen Gewerbegebiet das Skyline-Hill-Center geschaffen wurde.“

Auf dem Weg über den Marktplatz dachte der OB die „richtig starken Demos“ in den vergangenen Monaten, von Jugendlichen und Erwachsenen für die Verkehrswende. Dabei habe Würzburg bereits den CO2-Ausstoß gegenüber 1990 um 40 Prozent gesenkt und damit das Ziel der Bundesregierung erreicht: „Ein grünes Freiburg oder ein schwarzes Münster, die Fahrradhauptstadt Deutschlands, hingegen überhaupt nicht.“ Den Fahrradetat habe Würzburg in den letzten Jahren vervielfacht, genauso investiert werde in den ÖPNV. Überlegenswert sei eine neue Fahrradbrücke über den Main „zwischen Löwenbrücke und Alter Mainbrücke.

Das Thema Mobilität und Verkehr habe den Stadtrat im letzten Jahr sehr beschäftigt, doch bei einem Thema setzt der Oberbürgermeister ganz besonders auf die Meinung der Würzburger: „Wenn eine Seilbahnlösung zur spruchreifen Vorzugsvariante zur besseren Erschließung des Museums für Franken wird, dann trete ich für einen Ratsentscheid ein. Man kann dafür oder dagegen sein, aber die Fragestellung ist nicht komplex und soll von der Bevölkerung entschieden werden.

Ein Thema sei, so Schuchardt, Kinderbetreuung, obwohl Würzburg mit seinem Kita24-Projekt deutschlandweit ganz vorne sei. Neben dem Verkehr sei jedoch Wohnen das bedeutendste Thema in Würzburg. Neu gebaut wurden zwar seit 2014 rund 2900 Wohneinheiten bei einem Zuzug von 3100, doch zugenommen haben vor allem Einpersonenhaushalte. „Auch deswegen ist es wichtig, dass wir den Faulenberg erwerben“, zog Schuchardt eine klare Linie. „Und nicht als Fläche des Bundes für ein Zollamtsgebäude mit 15 Lkw-Laderampen nutzen, wodurch zusätzlicher Verkehr über die B 19 in die Stadt gezogen wird.“

Zahlreiche Investitionen

Das neue Schwimmbad Nautiland und das im Norden in interkommunaler Zusammenarbeit entstehende Stadtbad Nord passierte Schuchardt und ließ auch die Schulen mit einem 300 Millionen-Euro-Investitionspaket nicht unerwähnt, ebenso wie die Multifunktionsarena und die Tatsache, dass der Schuldenstand – trotz der großen Investitionen – auf 200 Millionen Euro zurückgefahren worden sei und eine Rücklage angelegt wurde. „ Würzburg ist vielleicht nur eine kleine Großstadt, aber auf jeden Fall großartig“, schlug Schuchardt den Bogen zum Kaleidoskop: Überraschend vielfältig, überraschend groß, überraschend bunt. „Die Vielfältigkeit ist der Reichtum der Stadt und der Reifegrad einer Gesellschaft.“ Aufgabe der Politik und des Stadtrates sei es, diese Vielfältigkeit zusammenzuführen, mit dem Klimaversprechen, beim Radentscheid, beim Staatstheater oder dem Engagement für Flüchtlinge – und die Menschen gemeinsam für die großen Herausforderungen der Zukunft mitzunehmen.

„Nur gemeinsam können wir die Herausforderungen bewältigen“

Eben diesen großen Herausforderungen der Zukunft widmete sich der Gastredner des Neujahrsempfangs, Bischof Dr. Franz Jung. War die zweite Rede beim Neujahrsem pfang der Stadt Würzburg bis 2013 viele Jahre dem Würzburger Bischof vorbehalten, knüpfte OB Schuchardt in diesem Jahr an diese Tradition an und hatte den Bischof eingeladen.

Dieser hielt in einer Rede, die zu vielen Theologen, Philosophen und Soziologen Stellung bezog, ein Plädoyer für mehr Geduld und Langmut in einer sehr ungeduldigen Zeit. Voraus schickte der Bischof seine Analyse der gegenwärtigen Gesellschaft, die in mehrfacher Hinsicht auch hoffnungsvoll stimmen könne. Die Menschen sorgen sich um ihre Demokratie.

Die lange Zeit als unpolitisch und uninteressiert abgestempelte Jugend schreitet beim Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit engagiert voran. Und auch in der Kirche, beim Synodalen Weg, gibt es aktuell einen großen Drang, vom Diskutieren endlich zum Reformieren zu kommen.

Die Ziele seien also die richtigen, doch wie ist der Weg und die Lösungsstrategie zum Zeitpunkt „fünf vor zwölf“, den es laut Jung auch vor Jahrzehnten schon sehr häufig gegeben hätte? „Das konstatierte Ende der Geduld gehe auch einher mit einem besonderen Affekt. Es ist der Zorn, der sich in Zornausbrüchen zeigte und in zornigen Reden äußerte.“ Zorn, Schwarz-Weiß-Denken und An-den-Pranger-Stellen seien aber die falschen Begleiter bei der Lösung komplexer Herausforderungen. „In diesem Sinn hilft dann auch eine apokalyptische Zweiteilung der Welt in Gut und Böse nicht weiter. Abgesehen davon, dass die Apokalypse das Gericht ausdrücklich immer dem Weltenrichter vorbehält und eindrücklich davor warnt, sich selbst die Rolle des Vollstreckers göttlicher Gerechtigkeit anzumaßen, seien die Herausforderungen so groß, dass sie nur in einer gemeinsamen Anstrengung bewältigt werden können“, so der Bischof.

Mut und Energie gefragt

In einer solchen Phase seien Energie und Mut zur Veränderung über einen längeren Zeitraum hinweg gefragt. Zeit, Geduld, Übersicht und auch Humor seien die Mittel der Zeit und nicht „bitterer Eifer“, mahnte der Bischof.

Der Neujahrsempfang war sowohl von geladenen Gästen als auch Würzburger Bürgern traditionell gut besucht, darunter der Präsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, Regionalbischöfin Oberkirchenrätin Gisela Bornowski, der Sprecher der muslimischen Gemeinden Ahmet Bastürk, Abgeordnete des Deutschen Bundestagsund viele weitere Vertreter des öffentlichen Lebens.