Würzburg

Gericht Zwei Schwestern zu Haftstrafen verurteilt

Falsche Heilerinnen betrogen Frauen

Archivartikel

Würzburg/Bad Neustadt.Straßen-Heilerinnen sind die russische Variante zu Enkeltrick-Betrügern und falschen Polizisten: Sie segnen Geldscheine und versprechen eine heilende Wirkung, je dicker das Geld-Bündel ist, umso schneller. Zwei Angehörige einer Familien-Bande aus Minsk, Schwestern, 38 und 49 Jahre alt, sind vom Schöffengericht in Würzburg wegen schwerem Bandendiebstahl unter anderem zu Freiheitsstrafen von zwei Jahren und sechs Monaten und drei Jahren ein Monat verurteilt worden.

Typisch für die sogenannten „Wunder-Heilerinnen“: Sie sprechen Russisch wie ihre Opfer, fast immer alte Frauen, und suchen Städte und dort Stadtteile auf, wo viele Spätaussiedler aus der ehemaligen Sowjet-Union wohnen. Den Frauen sagen sie „auf den Kopf“ zu, dass sie krank sind und dass sie helfen könnten, und zwar kostenlos. Tatorte waren unter anderem Bad Neustadt , Hof und Ulm.

Kommissar Zufall spielte mit

Dass zwei Angehörige der Bande im Januar 2019 festgenommen werden konnten, war „Kommissar Zufall“ zu verdanken.

Sie hatten gegen Abend auf dem Marktplatz in Bad Neustadt eine Frau angesprochen, die übliche Show abgezogen, und da erinnerte die sich sofort, dass ihre Schwester im September 2018 unter diesen Umständen viel Geld verloren hatte.

Sie „spielte“ mit, sagte, sie habe 10 000 Euro daheim und hole die Scheine, tatsächlich hat sie jedoch die Polizei verständigt, und als sie dann – ohne Geld natürlich – zurückkam und nur so tat, als ob, haben observierende Polizeibeamte zugegriffen.

Spuren an „Weihwasserflasche“

Zwei Familienangehörige aus der Bande, vermutlich die Mutter der beiden Angeklagten und eine Enkelin, sollen zu der Zeit auch auf dem Marktplatz gewesen sein, konnten sich aber rechtzeitig nach Weißrussland absetzen.

Ihre DNA-Spuren sind an einer „Weihwasser“-Flasche gesichert worden.

Die „Behandlung“ begann meist in einer nicht ganz so belebten Seitenstraße mit dem Segnen einiger Geldscheine.

Dann kam „zufällig“ eine Komplizin vorbei, fragte die Heilerin scheinheilig nach einem neuen Behandlungstermin und berichtete, dass ihre Mutter, die todkrank war, inzwischen wieder fast fit sei und dass der Vater sogar auf den Rollator verzichten kann.

So und ähnlich wurde Vertrauen in die Heilerin aufgebaut und die die kam dann schnell zur Sache: Je mehr Geldscheine, von Gebeten begleitet, gesegnet und mit Kreuzzeichen versehen werden, desto erfolgreicher seien die von ihnen ausgehenden Strahlen.

Opfer wurden nach Hause geschickt oder zur Bank, um Geld zu holen, und außerdem sollten sie alte Zeitungen mitbringen. Eine Frau in Hof brachte 10 000 Euro, eine andere in Bad Neustadt über 25 000, Im Familienkreis für einige Tage „geliehen“, zum „Bestrahlen“, in der Hoffnung auf Genesung.

Geldscheine gesegnet

Vor dem Segnen hat die jeweils agierende Heilerin die Geldscheine scheinbar in Zeitungspapier eingewickelt, tatsächlich aber an sich genommen. Nach einem umfangreichen Zeremoniell mit Ablenkungsmanövern der Assistentin, wie zum Beispiel Tätscheln auf Po und Rücken, wurden die gesegneten Bündel den Patientinnen ausgehändigt.

Regieanweisung: Das Päckchen im Schlafzimmer unters Kopfkissen legen, dann würden die heilenden Strahlen besonders schnell wirken. Wenn man das Geld zu früh auspackt, verpuffe die Wirkung, warnte die jeweilige Heilerin.

Diagnose mit „faulen Eiern“

Die Diagnose wurde zum Teil mit „faulen Eiern“ ermittelt, die eine Helferin in einer Sechser-Packung dabei hatte. Den Patientinnen wurde ein Ei in die Hand gedrückt, ein Schal drüber gelegt und etwas „gemurmelt“.

Dann wurde das Ei geschält, und je nachdem, wie schlimm es im Ei aussah, wie schwarz der Inhalt war, wurden Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand des Opfers gezogen. Da wurde durchaus auch mal für den Fall nicht rechtzeitiger Behandlung das nahe Ende vorausgesagt.

„Herumeiern mit Eiern“

Den Vorsitzenden Richter Dr. Frank Glöckner hat die ungewöhnliche Diagnose veranlasst, bei der Urteilsbegründung von „Herumeiern mit Eiern“ zu sprechen.

Ein Verteidiger, Rechtsanwalt Klaus Spiegel (Würzburg), steuerte ebenfalls ein Wortspiel bei: In dem Fall hätten sich familiäre Bande zu einer kriminellen entwickelt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.