Würzburg

Land und Leute Peter Buchenau arbeitete für einen Großkonzern und bereiste die Welt / Heute berät er Führungskräfte, betätigt sich als Autor und spielt Kabarett

Ein Topmanager wagt den Neuanfang

Waldbrunn.Über mehrere Jahre lebte Peter Buchenau das, wovon viele träumen: Als hoch dotierter Manager arbeitete er für einen internationalen Großkonzern, verdiente gut, reiste für seinen Job um die Welt und war für knapp 200 Mitarbeiter verantwortlich.

All das machte den 57-Jährigen nicht glücklich: „Es war nicht das Leben, das ich möchte. Durch die Konzernstruktur war ich immer nur eine Nummer. Ich wollte einfach nicht mehr weiter Spielball sein.“

Ein tragischer Todesfall innerhalb seiner Abteilung brachte ihn endgültig zum Umdenken. Seine Vorgesetzten verweigerten die Umsetzung von Maßnahmen, die zur Verbesserung der Gesundheit der Mitarbeiter beitragen. Buchenau zog deshalb trotz des beruflichen Erfolgs einen Schlussstrich unter seine Managementkarriere. „Das fiel mir damals gar nicht schwer, weil ich die Firmenphilosophie einfach nicht mehr mit meinen eigenen Werten in Verbindung bringen konnte. Ich würde es immer wieder tun, wenn die Würde des Menschen so missachtet wird“, blickt Buchenau kritisch zurück.

Komplette Neuorientierung

Der damalige Topmanager orientierte sich neu, machte eine Ausbildung zum Anti-Stress-Trainer und schrieb erste Bücher. Damit habe er die von ihm gesuchte Freiheit und Selbstständigkeit zurückgewonnen, wie er es im FN-Gespräch formuliert.

Danach fängt er an, als Trainer und Vortragsredner zum Thema Stressmanagement zu arbeiten. Heute berät der in Waldbrunn im Landkreis Würzburg lebende Autor und Coach für Persönlichkeitsentwicklung Menschen, die wie er damals einen beruflichen Neuanfang wagen wollen oder in ihrer Karriereplanung weiter kommen möchten. „Ich sehe mich als ,Führungskräftekünstler’ im digitalen Zeitalter. Unter diesem Begriff kann ich meine Tätigkeiten als Coach, Trainer, Berater, Mentor oder Redner unter einen Hut bringen“, beschreibt Buchenau seine Arbeit. Er möchte Menschen dazu ermutigen, nicht „austauschbar“ zu sein und ihren eigenen Weg zu gehen.

Der 57-Jährige betätigt sich seit einiger Zeit auch als Autor: Über 20 Werke hat er mittlerweile zum Thema Stress und Zukunftsplanung verfasst. Wegen seiner gleichnamigen Managementbuchreihe ist der Autor mittlerweile als „Mr. Chefsache“ bekannt.

2019 erhielt Buchenau den Literaturpreis des Frieling Verlags für eine Geschichte zum Thema „Wendepunkte“, in der er seinen Werdegang vom Manager zum Autor und Künstler niederschrieb. „Hauptsächlich kommen Menschen zu mir, die etwas verändern wollen und genug haben von ihrem bisherigen Leben im ,Hamsterrad’. Ich zeige Wege und Möglichkeiten auf, wohin und wie sie sich verändern können“, erklärt der Persönlichkeitstrainer. Bei Bedarf begleitet Buchenau diese Menschen dann auch über längere Zeit hinweg.

Die Beratung läuft meist sehr intensiv ab. „Ich bin, bildlich gesprochen, immer der Schatten meiner Klienten und laufe parallel mit. Oft bekomme ich noch in den Abendstunden einen Anruf, etwa wenn für den Betreffenden am nächsten Tag ein wichtiges Personalgespräch ansteht. Wir gehen dann mögliche Gesprächszenarien durch und besprechen, wie sich der Klient am besten verhält. Der Umgang mit Menschen macht mir einfach Spaß. Nur wer sie liebt, kann sie auch gut führen“, ist Buchenau überzeugt.

Schwierige Zeit für Arbeitnehmer

Im Normalfall betreut er bis zu fünf Personen parallel. Mehr seien schwierig, da sonst die Qualität der Beratung leiden würde. Besonders die Leute, die er über einen längeren Zeitraum begleitet, wachsen ihm oft ans Herz, denn natürlich gehe es in den Gesprächen auch immer mal wieder um private Dinge. Dabei achtet der erfahrene Persönlichkeitscoach jedoch stets darauf, die nötige Distanz zu wahren: „Das ist ein notwendiger Selbstschutz für mich.“

Auf die Arbeitnehmer sieht Buchenau nicht ganz einfache Zeiten zukommen: „Wir werden ein Überangebot an austauschbaren Arbeitskräften haben. Mit den daraus resultierenden Ängsten kommen viele Menschen zu mir.“

„Sei einzigartig und nicht perfekt“

Persönlichkeit werde immer wichtiger, Wissen hingegen zur Nebensache, davon ist Buchenau überzeugt. Wer in seiner Karriere weiterkommen wolle, müsse sich Verbündete suchen und Empathie zeigen, sagt Buchenau. „Je höher es auf der Karriereleiter nach oben geht, desto mehr kommt es auch darauf an.“

Er arbeitet mit den Menschen daran, dem Mittelmaß oder der Vergleichbarkeit zu entfliehen. Jedem gibt er folgenden Satz mit auf den Weg: „Sei einzigartig und nicht perfekt.“

Eigenes Kabarettprogramm

Auch seinen Herzenswunsch, als Kabarettist zu wirken, konnte er mittlerweile in die Realität umsetzen: „Ich war früher immer der Klassenclown und habe als Kind bereits Jugendtheater gespielt.“ Beim Kabarett fasziniert Buchenau besonders, dass er anderen Menschen den Spiegel vorhalten könne, ohne ihre Gefühle zu verletzen: „Spaß und Beratungsansatz sind kein Widerspruch.“

Er verbindet dabei ernste Themen mit humorvollen oder kabarettistischen Elementen. Mit seinem Comedy-Programm „Männerschnupfen“ ist er 150 mal im Jahr zu sehen.

Auch heute hat Peter Buchenau in seiner „Dreifachrolle“ als Coach, Autor und Kabarettist oft ein hohes Pensum zu erfüllen.

Damit ist er aber rundum glücklich. Denn er hat den Neuanfang geschafft.