Würzburg

Gottesdienst 600 Soldaten und Zivilbeschäftigte der Bundeswehr kamen mit ihren Angehörigen in den Kiliansdom

„Dienst ist ein Friedenseinsatz“

Archivartikel

Würzburg.„Der Friede als Weg der Hoffnung: Dialog, Versöhnung und ökologische Umkehr“: Unter diesem Leitwort hat Weihbischof Ulrich Boom anlässlich des Weltfriedenstags 2020 einen Gottesdienst mit rund 600 Soldaten, deren Angehörigen und Zivilbeschäftigten der Bundeswehr im Würzburger Kiliansdom gefeiert.

„Der Friede und die Suche danach durchdringt alle Bereiche unseres Lebens, im Sozialen, im Gesellschaftlichen und im Politischen. Sie können mit Ihrem Dienst einen Beitrag zum Frieden und zum Weg der Versöhnung leisten“, begrüßte Weihbischof Boom die Soldaten. Diese kamen aus den Bundeswehrstandorten Hammelburg, Hardheim, Niederstetten, Roth, Walldürn, Wildflecken, Veitshöchheim und Volkach.

In seiner Predigt erinnerte Weihbischof Boom an das Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren und die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Unendliches Leid sei in den Jahren der Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten von Deutschland ausgegangen. 13 Millionen Menschen, davon sechs Millionen Juden, seien Opfer dieser Gewaltherrschaft geworden. 65 Millionen Kriegstote, Soldaten wie Zivilisten, habe der Zweite Weltkrieg gefordert. Dass man in Deutschland und in vielen Teilen Europas seit 75 Jahren in Frieden lebe, sei nicht selbstverständlich, fuhr der Weihbischof fort. Es beruhe zum Teil auch darauf, dass sich die Kampfschauplätze in andere Regionen der Erde verlagert hätten. „Sie als Soldaten sorgen dafür, dass wir in Deutschland in Frieden leben können und dass andere Landstriche vielleicht zum Frieden finden können. Dafür setzen Sie Leib und Seele ein. Darum dürfen wir mit Recht sagen, dass Ihr Dienst ein Friedenseinsatz ist“, sagte Weihbischof Boom.

Krieg als Brudermord

Papst Franziskus schreibe in seinem Brief zum Weltfriedenstag: „Die schrecklichen Prüfungen nationaler und internationaler Konflikte, die oftmals durch erbarmungslose Gewalt verschlimmert werden, zeichnen Leib und Seele der Menschheit auf lange Zeit. Denn jeder Krieg entpuppt sich in Wirklichkeit als Brudermord, der das Projekt der Brüderlichkeit selbst zerstört, das der Berufung der Menschheitsfamilie eingeschrieben ist.“

Krieg speise sich aus Machtmissbrauch, aus der Angst vor dem Anderen und vor der Verschiedenartigkeit, die für ein Hindernis gehalten werde, und zugleich nähre der Krieg dies alles. Wie man zum Frieden kommen könne, zeige einerseits das Gebet von König David in der heutigen Lesung. „Sein Gebet spricht von Bescheidenheit und Vertrauen in Gott. Mit einem großen Gottvertrauen besiegt man Riesenprobleme.“ Zudem gebe Jesus im Gleichnis von Sämann eine wichtige Orientierungshilfe für das Zusammenleben: „Nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden.“

„Wo wir Konflikte säen, werden Konflikte herauskommen. Aber wo wir uns für den Frieden einsetzen, wird auch Friede wachsen“, betonte Weihbischof Boom. Alois Glück, ehemaliger Präsident des Zentralkomitees der Katholiken in Deutschland, habe gesagt: „Der Schlüssel zu allem ist die Bereitschaft, dem anderen zuzuhören und sich gedanklich auf den Stuhl des anderen zu setzen.“ Das sei leicht zu verstehen, aber oft schwer zu leben, sagte der Weihbischof. „Ich wünsche uns, dass wir bei allen Friedenseinsätzen – wo auch immer – weniger Bedenkenträger, sondern Hoffnungsträger sind, damit der Mensch nicht Opfer des Menschen wird, sondern seine Würde behält, die Gott, der Vater aller Menschen, seinen Kindern zugedacht hat.“ Generalmajor Harald Gante, Kommandeur der 10. Panzerdivision in Veitshöchheim, betonte in seiner Ansprache, dass Frieden auf Wahrheit und Gerechtigkeit begründet sein und Freiheit beinhalten müsse. Als Christ und Katholik sei er frohen Mutes, dass man das schaffen werde.

„Aber wir wären schlecht beraten, wenn wir alles Gott überlassen würden. Er erwartet bestimmt auch, dass wir uns einbringen.“ 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs würden immer noch Synagogen angezündet und Menschen ermordet. „Uns hilft nur ein rigoroses Einstehen für die Menschenrechte“, betonte der Generalmajor.

„Es ist nicht selbstverständlich, dass Soldaten als Menschen erkannt werden, die den Frieden wollen“, dankte Leitender Militärdekan Artur Wagner vom katholischen Militärdekanat München für diesen besonderen Gottesdienst.

„Das Gebet um Frieden ist einer der Gründe, warum wir schon seit Jahrzehnten Frieden in unserer Welt haben“, war er überzeugt.

Das Heeresmusikkorps Veitshöchheim und Georg Hagel, Organist an der Basilika Vierzehnheiligen, begleiteten den Gottesdienst musikalisch.

Im Anschluss waren alle Teilnehmer zu einer Begegnung in das Burkardushaus eingeladen. pow