Würzburg

Weihnachtsgottesdienste im Würzburger Kiliansdom Bischof Franz Jung stellte das in der Finsternis leuchtende Licht in den Mittelpunkt seiner Predigten

Die Pandemie der Freude und Hoffnung

Archivartikel

Nur wer die Finsternis aushält, wird den Stern von Betlehem sehen können: Bischof Franz Jung predigte an Weihnachten bei den Festgottesdiensten im Kiliansdom.

Würzburg. Das Corona-Jahr 2020 habe für die Menschen viele Niederlagen bereitgehalten. In der Medizin, im Berufsleben, in den Belastungsproben des Zusammenlebens auf engstem Raum. „Gott kommt den Menschen gerade in der größten Dunkelheit des Lebens als Mensch entgegen, um diese Finsternis mit ihnen zu teilen.“ Das hat Bischof Dr. Franz Jung am ersten Weihnachtstag in seiner Predigt im Würzburger Kiliansdom betont.

„Das Licht leuchtet in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht erfasst“, betone der Evangelist Johannes. Bischof Jung erklärte: „Nur wer diese Finsternis aushält und nicht wegläuft, wird den Stern von Betlehem in der Nacht sehen können.“ In der Christmette an Heiligabend erinnerte der Bischof daran, dass der Engel zu den Hirten sagt: „Siehe, ich verkünde euch eine Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll.“Das „ganze Volk“ heißt auf Griechisch „pan demos“, wovon der Begriff der „Pandemie“ abgeleitet ist. Es gehe „an Weihnachten also um die Pandemie der Freude und der Hoffnung, weil Gott als der Immanuel der ,Gott mit uns’ ist und weil er uns nicht allein lässt in unserer Not.“

Beide Gottesdienste fanden unter den Vorgaben der Coronapandemie statt und wurden auf TV Mainfranken sowie im Internet live übertragen.

Oft fragten die Menschen danach, wer Schuld trage und wen sie haftbar machen könnten. „Aber am Ende wird man merken, selbst wenn die Schuldfrage geklärt ist, bin dennoch ich es, der sein Leben in die Hand nehmen und der einen Weg finden muss, mit dieser belastenden Situation umzugehen“, so der Bischof. Gott nehme an Weihnachten in der Menschwerdung die Sünde der Welt hinweg und schenke den Menschen einen Neuanfang. „Gott möchte, dass wir mit dem Kind nach vorne schauen und neu beginnen, ohne uns vom Alten immer wieder einholen zu lassen und in ihm hängen zu bleiben. Das ist die tiefe Freude und der Jubel der Weihnacht, dass die Bande des Todes und der Sünde zerbrochen sind und wir neu aufatmen können und aufleben“, sagte Jung.

Wem geschenkt werde, Niederlagen im Leben so annehmen zu können, der werde im Rückblick sagen können, dass diese Nacht in seinem Leben wirklich zu einer von Gott geweihten Nacht geworden ist. „Friede auf Erden den Menschen seiner Gnade“, singen die Engel über den Feldern von Betlehem. „,Menschen seiner Gnade‘ meint dabei zweierlei: Zum einen Menschen, die erfahren haben, dass die schweren Zeiten ihres Lebens eigentlich Zeiten der Gnade waren, weil sie ihnen geholfen haben, sich neu zu orientieren und Gott gerade dort zu entdecken, wo man ihn nicht vermutet hätte. Und die ‚Menschen seiner Gnade‘ sind zum anderen gnädige Menschen, die barmherzig mit anderen umgehen und so den weihnachtlichen Frieden weitertragen in diese Welt“, erklärte Bischof Jung.

In der Christmette erinnerte dieser daran, dass sich die Menschen im vergangenen Jahr in eine Vielzahl von Listen eintragen mussten: in Cafés, bei Tagungen oder auch bei Gottesdiensten. Sie dienten dazu, den Weg des Virus nachzuverfolgen. Es seien Listen, in denen es um Leben und Tod gehe. Auch in der Weihnachtsgeschichte gebe es eine Liste. „Jesus wurde mit seinen Eltern in menschlichen Listen eingetragen. Der unfassbare Gott muss es dulden, auch auf Listen geführt zu werden wie die Sterblichen zu allen Zeiten, auch jetzt in Coronazeiten.“

Umgekehrt gelte, dass mit der Menschwerdung Gottes der Mensch auch einen Listenplatz bei Gott bekomme. „Gott hat den Menschen nicht abgeschrieben. Er hat ihn eingeschrieben in sein Buch des Lebens. Selig, wer dies glauben kann, dass Gott einer von uns geworden ist, um uns in Elend und Unsicherheit nicht alleine zu lassen, gerade jetzt in einer Zeit, in der wir die weltweite Bedrohung von Leben spüren wie nie zuvor. Selig, wer glauben kann, dass Gott seinen Namen ins Buch des Lebens geschrieben hat.“

Nach den Worten des Bischofs funktioniert das Buch des Lebens „im Grunde genau wie eine Tracing-App“: Wer mit Jesus im Buch des Lebens gelistet sei, solle diesem Jesus auf der Spur bleiben und versuchen, dessen Spuren nachzuverfolgen. „Mit einem großen und bedeutsamen Unterschied: Es geht nämlich nicht um die Spur des Todes, sondern um die Spur des Lebens.“ Wer mit Jesus in Berührung komme, der komme mit dem Leben selbst in Berührung, betonte Bischof Jung.

An Weihnachten gehe es daher darum, mit Jesus den Verlorenen nachzugehen, mit ihm gegen die Verzweiflung das Wort vom Leben zu setzten und den Kontakt zu den Menschen zu suchen, die abgeschnitten sind und so sehr auf ein Lebenszeichen warten. Wer von der Freude darüber erfüllt sei, dass Gott den eigenen Namen im Himmel verzeichnet hat, könne unverzagt anderen helfen und werde innerlich stark. Jung: „So bleibt an diesem Weihnachtsfest eigentlich nur noch eine Frage offen: Wer steht eigentlich auf Deiner Liste? Wen hat der Herr Dir anvertraut? Wen willst Du nicht abschreiben, sondern ihn einschreiben in Dein persönliches Buch des Lebens?“ pow